Fuge versus Unfug

Lebensweisheit zum Thema Ziele

von  LotharAtzert

Wenn der Teich da ist, kommen auch die Schwäne

Sprichwort

 

Irgendwann kam das Wasser aus dem Berg. Mnemosyne, Mutter der Musen ist allgegenwärtig anwesend und segnet das abgespeicherte sich abwärts Verströmende. Kleine Buchten entstanden in Bälde links und rechts am meandernden Bettrand. Und die Siedler, - Insekten, Flora, Fauna, ließen nicht lange auf sich warten. Sie kommen um zu bleiben, fügen sich ein in sich stetig verändernde Landschaft, oder wandern mit dem Bachlauf talwärts, zum Fluß und so fort.

 

Ein anderes Bild, dasselbe Prinzip – Der Baum bietet Generationen von Wesen Lebensgrundlage, - Insekten, Vögeln, (Spechte befreien ihn von Parasiten) Menschen, Pflanzen. Sie alle brauchen ihn, der dem Himmel mit  Bewohnern entgegen wächst.

Die Mineralien, die er für den festen Stamm braucht, bringt das das von Mnemosyne gesegnete Wasser – es fügt sich hier wie dort zu dem, was wir vielförmige Gestalten nennen.

 

Wo sich die Dinge auf diese Weise gut fügen, leben viele Arten von Generation zu Generation miteinander und voneinander. In steter Verwandlung.

Doch nicht auf willkürliche Weise, sondern nach alter Himmelsordnung, so war es lange Brauch: Wasser floß abwärts durch alles verdunstend zum Meer und Feuer steigt auf je nach Flamme, und Wind aus den zwei Elementen geboren treibt die Wolken dahin, wo das abkühlende Wasser wieder zur Erde fällt und der Windgott entfleucht. Und so weiter. Wo sich Dinge gut fügen, (Wo der Jupiter gut steht) findet der Jüngling sein Mädchen gleich unterm Lindenbaum, der Fidler fidelt, es wird getanzt, gefeiert, der Wein … j

Nicht wahr, da sagen wir abgeklärt „Romantik“ und Idylle – dabei handelt es sich nur um gut gefügte Formen. Ihre Tauglichkeit kommt nämlich erst im nächsten Schritt, wo de Pluto in Situationen zwingt, in denen wir bestehen müsse, - wer die atzertsche Astro-Logik kennt, weiß das natürlich. Der unsichtbare Pluto, die Tauglichkeitsprüfung durchs Ereignis, nicht von Hochschullehrern nachgepredigt, sondern von Saturn geschickt, dem Zeitspender, um geschickt zu machen, sich zu vervolkommnen, bis zum Tod. Was sich ereignet, sind die Wirkungen aus vorangehenden Verursachung. Man muß mir nicht glauben, man darf aber. Es ändert ja nichts.

 

Nun ist das gut Gefügte (-die Griechen nannten sie Götter und ihren obersten Olympier Zeus, der Buddha spricht bei Göttern vom Geistesgift „Stolz“, einer Falle im Dharma) gegenüber weniger gut Gefügtem (Titanen, Menschen, Tiere, Geister und Höllenbewohner, alles Fallen, alles nichtbestandene Prüfungen etc.) natürlich im Vorteil. Weil alles dort ist, wo es laut Bestimmung sein soll, sind die Götter als Archetyp makellos, anmutig und grausam, während der Schicksalsverweigerer je nach Verweigertem, dh. mit der nichtgemachten Erfahrung sich selbst geschwächt hat. Doch mit zunehmender Verrohung erkennt man dieses nicht mehr und der Weltuntergang droht.

 

Der Schicksalsverweigerer – einer von ihnen – baut zb. einen Erlebnispark dorthin, wo zuvor die Gefüge in ihrer Art vollkommen zufrieden waren. Ein Erlebnispark ist reiner Unfug, bezahlt mit Artensterben, der Bach wird umgeleitet in Coladosen. Unfug ist also nicht bloß Zerfall von Gestalt,, sondern radikaler: Zeichen der Nichtanwesenheit, auch Bewußtlosigkeit genannt.

 

Der Empfindsame findet die Gefüge von Gestalt in sich, die ihn nach dem Fund bilden – vielleicht das, was Christen „die Seele“ nennen. Daraus resultiert Herzensbildung. Der Empfindende fühlt und tastet nicht nach Oberfläche, er empfindet die Tiefe gestalterischer Urkräfte von Allem in sich.

Wenn man die vier Quadranten vor sich hat, sollte es leicht verständlich sein. Wenn nicht, dann will man auch nicht verstehen und es ist, wie es ist.

 

Was sich fügen soll, dies zur Erinnerung, ist nach der Bestimmung des zum Ursprung gekommenen Unbestimmten als Bestimmung angewiesen, und fügt sich zeitlich so geordnet zu dem, wozu es am Ende taugt. In dem, was wir mangels besserer Begrifflichkeit „Raum“ nennen.




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Kommentare zu diesem Text


 Pearl (02.10.23, 17:25)
Das ist wundervoll geschrieben, lieber Lothar. Doch die Poesie dieser Sprache geht einher mit der Deepness deiner Gedanken.

Den Titel finde ich top: sich fügen, (die schöne) Fuge und Unfug, wie es ein Freizeitpark ist. Manchmal gehe ich in Freizeitparks, trinke ich Coca Cola... doch ich weiß, dass es nicht gut ist.

Das Eingangszitat ist wunderschön, und dein Text entspricht ihm, baut darauf auf. Alles hängt zusammen, und zerstören wir den Ursprung, auch nur Teile davon, gerät alles aus den Fugen.

Doch die Natur wurde schon so sehr von uns verändert ja, zerstört, dass ich mir ein Leben ohne den ganzen Unfug nicht mehr vorstellen kann. Es gibt auch die Schönheit des Untergangs... Damit meine ich nicht nur die Sonne, sondern auch die Schönheit von Glamour und des "Sex, Drugs and Rock n Rolls" der 70er Jahre z.B. (ich höre gearde Led Zeppelins "Stairway to Heaven")...
Das einzige Entrinnen besteht vielleicht wirklich daraus, zu versuchen das ordnende Prinzip in uns selbst zu finden. Und damit meine ich nicht ganzheitliche Gesundheit oder Perfektion

Saturn grüßt

und Stefanie auch

Kommentar geändert am 02.10.2023 um 19:08 Uhr

Kommentar geändert am 02.10.2023 um 19:09 Uhr

 LotharAtzert meinte dazu am 03.10.23 um 09:15:
, dass ich mir ein Leben ohne den ganzen Unfug nicht mehr vorstellen kann.
- ja, das geht uns allen so, wurde schon von Aldous Huxley damals ausgesprochen, daß, sobald eine Erfindung in der Welt ist, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es ist wichtig, das im Bewußtsein zu behalten. Das Falsche zu tun ist weniger schlimm, solange wir um die Falschheit wissen, denn dann drückt das Gewissen immer ein wenig und das ist auch gut so..
Led Zeppelin, ha – ich wohnte mit einem zusammen, der sang und spielte den ganzen Tag Led Zeppelin – Dieter, wir studierten zusammen auf der HfG in Offenbach „Kunscht“, das war eine schöne Zeit voller Intensität. … seufz. Dieter trank sich Jahre später zutode.
Das ordnende Prinzip in uns selbst. – das ist es, wer es einmal begriffen hat, den – in Abwandlung eines Nietzschespruchs – ergreift es auch.
 
Vielen lieben Dank für deine einfühlsamen Worte
Liebe Grüße
Lothar

 DanceWith1Life (02.10.23, 18:08)
Ich stimme im Prinzip Pearl zu, obwohl ich  ahne, dass Du Zuviel auf einmal sagen wolltest, schätzungsweise auf der Welle der Euphorie des inspirierten Augenblicks. Was das heißt weißt Du als  Buddhist besser als ich.
Und ja natürlich, Du wolltest einen Hauch der unfassbaren Präzision und Größe des Ganzen aufs Papier kriegen, um es verständlicher zu machen.
Auch hier gilt, die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Kommentar geändert am 02.10.2023 um 18:11 Uhr

 LotharAtzert antwortete darauf am 03.10.23 um 09:40:
Aha, du durschaust mich - das ist gut, zeigt es doch, daß der Regenbogenkörper bereits durchlässig geworden ist.

Ich als Buddhist ... Die Dinge brauchen einen Namen, damit sie auffindbar bleiben.

Auch dir sei Dank, mein Lieber

 AchterZwerg (02.10.23, 18:17)
Und wer sich nicht fügt, nur Unfug treibt, muss zur Strafe in den Erlebnispark (allein schon der Name ...) :P

"Die Hölle sind immer die anderen!"

 LotharAtzert schrieb daraufhin am 03.10.23 um 10:02:
Ja, die Sprache lügt nicht.

"Wer sich nicht fügt" - das hört sich nach Züchtigung an. Ich hoffe, du hast mich nicht dahingehend verstanden, denn es geht um das Fügen des Unbestimmten nach seiner ursprünglichen Bestimmung. Zucht gehört nicht zum Prinzip.

Danke

 AZU20 (03.10.23, 12:47)
Was für ein wundervoller Text. Gern gelesen. LG

 LotharAtzert äußerte darauf am 03.10.23 um 14:12:
Ach, das freut mich sehr, lieber Armin
Vielen Dank und Gruß
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