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Fast schon tot

Geschichte


von KayGanahl

Kapitel 1: Die brenzlige Situation

Punkt 13 Uhr! Schön. Hier war er heute angekommen. Ein Hotel. Ein Zimmer. Ein Swimmingpool wurde von ein paar hübschen Mädchen benutzt. Ums Frohlocken kam er in diesem Moment nicht herum. Er grinste aus seinem Zimmerfenster stehend in Richtung Mädchen. Bemerkt wurde er nicht.

Er hielt sich selbst wie viele andere, die ihn kannten, für einen üblen Zeitgenossen. So war das eben.
Endlich wollte er seinen politischen Einfluss voll zur Geltung bringen. Dafür standen seine Chancen ganz gut; zumindest dachte er das, als er eine längere Reflektion wagte.
Diese Chancen, andere Chancen – vielleicht noch viele weitere Chancen. Als Berufspolitiker sah er sich hierzulande in einer privilegierten Stellung. Macht hatte ihn schon immer gereizt! Er würde sie bald ausspielen können; oder auch nicht! Nein? Da gab es noch etwas Beunruhigendes.

„Wir sind heute von allen Seiten her gefährdet“, so stellte er im Hotelzimmer stehend laut fest. Dann setzte er sich auf den Teppichboden, hielt mit sich ein stilles Zwiegespräch. Er fuhr sich mit der rechten Hand durchs Haar, schnalzte mit der Zunge. Die braune Anzugjacke aus Samt zog er jetzt aus. Er feuerte sie in eine Zimmerecke.

Er saß mitten im Zimmer. Es war ihm viel zu warm, viele unangenehme Gedanken schossen durch seinen Kopf.
Die Zeit für wichtige politische Entscheidungen war sehr knapp. Die Situation, in der er sich in diesen Tagen befand, war wirklich unübersichtlich. Vieles konnte in der nächsten Zeit schiefgehen.
Gern würde er jetzt auf seinem Bürostuhl im Ministerium sitzen und mit seiner Sekretärin Maud plaudern, die ihm immer gern zuhörte. Übrigens war diese Fünfunddreißigjährige sein größter Fan. Sie mochte er. Wenn sie neben seinen Bürostuhl schlich, konnte er sich immer recht wohl fühlen. Die Körpersäfte schienen dann eine besonders angenehme Temperatur zu erreichen. Und meistens entfuhr ihm so ein nettes Lächeln. Manchmal lächelte Maud, die Sekretärin, freundlich aufmunternd zurück. Das genoss er sehr.

Er sah für sich Chancen - die Chancen, da war er betonsicher, waren so reich an Zahl, dass er in diesem Moment des Denkens an sie irritiert wurde.
Dann jedoch dieser Gedanke: Eigentlich wollte er nicht ermordet werden! Eigentlich nicht!

„Nö!“ gab er schnarrend von sich. Er nickte danach kurz ein.
Er wollte weg von hier, vermochte sich zu einem Entschluss allerdings nicht durchzuringen.
„Wie … nö???“ fragte er sich jetzt unsicher. Dann starrte er auf den Bildschirm des Fernsehapparates. Er wäre am liebsten direkt in diesen flimmernden Bildschirm gesprungen.
„Niemals!“ rief er aus. „Die werden das mit mir bestimmt nicht machen!“

Es war längst später als 13.30 Uhr. Oder? Eine große Unruhe, die ihn nunmehr geradezu terrorisierte, wuchs bedrohlich an. Übelkeit stieg in ihm auf.
Die Mörder würden kommen! Sie würden ihn zu überraschen versuchen. Kaltblütig! Skrupellos! Hinterhältig!

Es ging mittlerweile nur noch ums nackte Überleben; so weit war es mit ihm schon gekommen. Vielleicht würde es kein Entkommen geben.
Heute verstieg er sich ja doch wieder dazu, ein bisschen zu hoffen. Selbst in dieser Lage wollte er sich das Hoffen nicht nehmen lassen von üblen Zeitgenossen, die nur Mord und Totschlag im Kopf hatten!
An seinem Leben lag ihm unendlich viel.

Dann legte er sich flach auf den Boden. Wälzte sich herum. Er begann zu stöhnen. Er stöhnte nun verdammt laut, war schließlich willens, sich aufzurichten, was sich als überaus anstrengend erwies.
„Ich könnte kotzen!“ sprach er leise. Bloß nicht zu sehr auffallen im Hotel! Die Wände haben Ohren. Die anderen Gäste sind neugierig, das Hotelpersonal ist es noch mehr.

Wird man mich wirklich fassen und umbringen? Das fragte er sich in der Tat mit gutem Grund, war man ihm doch schon seit Wochen auf den Fersen.
Bis heute war sein Selbstvertrauen gewaltig gewesen. Stets hatte er einen Ausweg gewusst. Einfallsreichtum war eine seiner Stärken. Zu gern hätte er auch jetzt einen genialen Einfall gehabt, um ihn auf der Stelle zu seinem Vorteil zu nutzen. Doch er bekam einfach keinen.
In der gegenwärtigen brenzligen Situation bekam sein Selbstbewusstsein lange und breite Risse.



Kapitel 2: Der Allergrößte

Er hatte sich für den Allergrößten, den, so prahlte er gerne einmal, „Matador der Ewigkeit“ gehalten.
Ganz unbegründet waren sein enormes Selbstbewusstsein, seine bisweilen offensichtliche Überheblichkeit nicht gewesen. Denn seine politischen Erfolge waren bemerkenswert, die geschäftlichen und wissenschaftlichen Erfolge waren es ebenso.
Von den anderen Menschen, besonders seinen Konkurrenten um Macht, Geld, Einfluss und Ruhm hielt er gar nichts.

Nicht erst seit heute, in diesem Hotelzimmer, hatte er Probleme.
Es galt oftmals, gefährliche Augenblicke zu meistern, welche sich ihm aufzwangen.
Sogar die Zeit an sich, die er immer nur gehasst hatte, hatte ihn unlängst übel beherrschen wollen! Er hasste sie. Und wie er sie hasste! Unerträglich war sie ihm geworden, doch hatte er mit ihr letztendlich noch auskommen können.

Er lag im Hotelzimmer noch flach auf dem Teppichboden, grübelte fast verzweifelt unentwegt über seine momentane Lage und den Tod, der nahe war, weiter. Mit Mühe langte er zu dem Hotelkühlschrank herüber und entnahm ihm eine kleine Sektflasche, die er sofort köpfte. Er schüttete den Sekt seinen Rachen hinunter. Das genoss er.
Aber wo war sein Killer? Wo blieb er denn nur?
Die Sektflasche warf er auf das Hotelbett. Danach setzte er sich aufrecht auf den Boden.
Ein lächerlicher Fehler, irgend etwas, zum Beispiel eine Überreaktion auf die momentane unmittelbare Bedrohung würde ihn den Kopf kosten können.

Grübel, grübel, grübel: Was war er nur für ein dummer Mensch?! Er hatte immer nur an sich gedacht!
Er kannte bis heute – das muss mitgeteilt werden - keine Gnade mit den anderen, vor allem nicht mit seinem unmittelbaren sozialen Umfeld. Die ganze Welt hasste er ja irgendwie. Jeder war ihm egal. Dies war eine grausame Selbstverständlichkeit, die er allerdings manchmal sogar ein bisschen zu genießen versuchte!
Und: Mit großen Worten würde er sich von der Welt verabschieden, wenn der Tod unvermeidlich wäre.
Im letzten Augenblick auf Erden das bedeutungsschwere (bedeutungsschwerste) Wort sagen! (Lautet das Wort etwa Hass?)

Indem er jetzt aufstand, sorgte er für die etwas seltsame Selbstinszenierung eines höchst gefährdeten Politikers, Geschäftsmanns und Wissenschaftlers, der nun wirklich nicht seinen angestammten, ihm geradezu angewachsenen Platz verlassen, sondern bleiben wollte.
Wo waren die Zuschauer? Wo waren die Massen, die ihm zujubeln konnten? Wo waren Menschen, ihm mit trostreichen Worten zuzureden?
Nirgends.

Er stand so sehr unter Druck, dass er beeindruckende „letzte Worte“ dachte, auch lange Sätze formulierte, die er natürlich nicht aussprach.
Sentimentale, krude Gedanken begannen ihn zu beherrschen. Aber er versuchte mit Macht, sich nicht gehen zu lassen!

Wo war er denn noch? Im Hotelzimmer. Es klopfte; es war sehr wahrscheinlich der Page mit Getränken und dem vor etwa einer Stunde bestellten Mittagessen.
„Immer herein, wenn’s nur nicht mein Mörder ist … !“ rief er sarkastisch in Richtung Zimmertür. Diese blieb aber geschlossen. Es war auch keine Stimme zu hören. Das war kaum zu erklären.
Dann glaubte er auf einmal, während er sich aufzuregen begann, dass sich der Teppich um ihn wickelt. Sicherlich, es war möglich, dass er den Verstand verliert. Der Teppich wickelte sich nicht um ihn. Oder doch?

Er lächelte blöde in die Leere des Zimmers. Der Teppich lag am Boden, es war keine Veränderung zu sehen.
Nun, etwas war von seinem Verstand noch übrig. Die Grübelei hatte ihn nicht völlig aus der Bahn geworfen. Er dachte logisch und diszipliniert nach.
Notwendig war es heute, sehr genau aufzupassen, ob etwas passiert, dass ihm in irgendeiner Hinsicht zu irgendeinem Zeitpunkt während seines Aufenthalts auf Erden schaden könnte.
Aber ein lautes „Spinne ich jetzt völlig?“ entwand sich ihm heftig. Er jauchzte und sprang auf.

Fort von hier musste er. Begriff er das nicht? Die Mörder würden ihn sonst schnappen. Konnte er das nicht begreifen? Es blieben ihm möglicherweise nur Minuten.
Alle Zeit, die er augenblicklich wahrnehmen konnte, schien ihm davon zu rennen. Packen wollte er sie … jetzt, nicht gleich, jetzt, - um sie zu beherrschen! Nicht ganz einfach; vielleicht, ja vielleicht würde die so genannte Verweltlichungskampagne in der Gesellschaft, welche ihn negativ beeindruckte und in seinen Handlungen einschränkte, einmal erfolgreich gestoppt werden können. Diese Kampagne war sogar jetzt in seinem Gedächtnis lebendig geblieben. Es war unglaublich.
Die Zeit war durchaus ein schlimmer Feind.


Kapitel 3: Ein Ende

Tatsächlich, kaum zu glauben ... es gab in diesem Moment, da er – gegen 13.45 Uhr – wieder am Fenster stand, um einen Blick nach draußen zu wagen, sogar noch andere Menschen in diesem Zimmer.

Sie belustigten ihn zunächst etwas mit ihrer Gegenwart. Ihnen wäre er aber auf jeden Fall gerne entflohen, doch musste er so ruhig wie möglich registrieren, wie sie ihn musterten. Und was war das für eine Musterung!
Sie musterten ihn mit höchst kritischen Blicken, die er überhaupt nicht verstehen konnte. Besonders diesen Blicken wäre er nur zu gerne entflohen. Doch er beherrschte sich, was er seiner Nervenstärke zu verdanken hatte. 

Punkt 14 Uhr! Immer noch stand er am Fenster. Die Mädchen am Pool waren aufreizend genug, um ihn zu fesseln. Nur zu gern hätte er sich zu ihnen begeben. Ein bisschen gierig war er.
Aber auch was dies anbetraf, beherrschte er sich.

Und in dem einen wunderschönen Bild, das plötzlich und unerwartet von der Wand fiel, schien sich mit dem Aufprall auf dem Boden etwas Positives aufzutun: eine aktuelle Verwirklichungsmöglichkeit. Sie kam abrupt zum Vorschein. Das war durchaus Mystery!
Vielleicht würde sie es sein, die besser dem alten Ungeheuerlichen entgegenwirken konnte; diesem problematischen Gegenwärtigen in seinen unüberschaubar vielfältigen Einzelheiten, auch dem zwischenmenschlichen Nichtverstehen, insgesamt der Gegenwart des zu verringernden Schreckens des gewöhnlichen Miteinanders in der bürgerlichen Gesellschaft, der er als einer er staatstragenden Politikergestalten „vorstand“.

Einst hatte er das gemocht. Er mochte seine Rolle in dem Spiel, welches die Politik zuweilen ist, hatte lange Zeit ernsthaft geglaubt, die Politik in ihren Grundfesten vollständig zu begreifen. Nach Jahren, besonders hier und heute, zweifelte er daran.

Das Bild mit dieser phantasierten Verwirklichungsmöglichkeit des Besseren stand nach dem Aufprall Kopf, etwas an der Zimmerwand abgestützt. Er fand es schöner denn je.
Dieses Bild, dem er näher getreten war und es zu studieren begann, würde ihn bald der unsinnigsten Handlungen überführen. Er würde sich ausgeliefert vorkommen …, als Ausgelieferter ausgesprochen verloren vorkommen. Was war das bloß für ein mysteriöser Blödsinn!?
Noch – er strengte sich an - konnte er mit gedanklichen Mitteln seine Verteidigung gegen die Übergriffe des Bildes organisieren.
Die Verwirklichungsmöglichkeit blieb ihm angesichts all dessen erhalten. Sie würde ihm wohl zeigen können, wohin der Weg … aus dem Hotel, aus diesem einen Hotelzimmer an den Mördern vorbei, gehen würde.

Die in seinem Zimmer anwesenden Personen waren die Mörder, ja, sie waren es. Zweifellos! Die Mörder! Sie hatten ihn auf einen Stuhl gesetzt und sehr schnell gefesselt. Jetzt war er diesen Menschen völlig ausgeliefert.
Was für eine … Verwirklichungsmöglichkeit! Absurd! In was hatte er sich vorhin hinein phantasiert?
Er fixierte das Bild mit seinen Augen.

Punkt 14.14 Uhr. Was zu tun wäre ... sie reden und reden ohne Unterlass.
Es könnte angeblich viel erreicht werden, wie er hören konnte. Mit geringem Aufwand sollte es erreicht werden können, worüber noch zu beraten sei.
Er, der Gefangene, zeigte wenig Angst, heulte zwar ab und zu, dann war er aber auch wieder ganz rasch ruhig und gefasst.

Es wurde von den Mördern, die ihn noch nicht ermordet hatten, emsig beratschlagt, was zu tun sei.
Eine Brücke sollte nicht zu ihm geschlagen werden, sollte er doch am eigenen Leib erfahren, was so alles im Leben möglich sei. Sie hielten viel von ihrem Auftritt im Hotel.
„Den können wir …!“
„Was meinst du??“ fragte er der Bebrillte mit der Pumpgun und dem blond schimmernden Haar, dessen Gang träge auf den Gefangenen wirkte.
„Den können wir liquidieren! Das wär’s dann für ihn, warum auch nicht?“ sagte der, dessen übernächtigtes Gesicht sehr tiefe Falten warf. Er begab sich zu dem Gefangenen und stieß mit dem rechten Fuß gegen eines der Stuhlbeine.
„Kalt, kalt machen! Bitte sehr, das ist doch unser Auftrag. Oder etwa nicht?“ fragte der Bebrillte. Er hob seine Waffe leicht an.
„Abdrücken ja. Aber wir warten doch noch etwas!“ befahl der andere. Er war wahrscheinlich keine fünfzig Jahre alt. Sein Anzug war braun. Und seine blaue Hose hatte zwei Löcher im Schritt.

„Unser Politiker hier soll erfahren, was passiert, wenn andere über ihn die totale Macht haben“, so gab der Mann mit den Löchern in der Hose von sich.
Weiter: „Soll erfahren, was möglich ist. Wir sind die Genies. Wir sind die gewalttätigen Menschen, die ihre bösartige Aufmüpfigkeit unter Beweis stellen müssen.“
„Ach ja?“ fragte der Bebrillte zurück. Er trug eine karierte Weste und eine billige fransige Jeans mit einem großen roten Punkt auf der rechten Seite des rechten Beins.

„Wollen Sie mich hier noch länger gefangen halten?“ fragte der Politiker. Er schien aufstehen zu wollen, was ihm kläglich misslang.
„Was??“ fragte der Bebrillte aufgeregt nach. Er schubste den Politiker auf den Stuhl zurück.
„Noch länger?“ fragte der Politiker nach.
„Das werden sie noch sehen, sie …!“
„Ich finde das unverschämt!!!“ schrie er aus. „Der Staat wird meinen Tod rächen!!!“ schrie er kurz danach noch einmal.
Der Bebrillte lachte hohl.

Dann war eine Veränderung eingetreten: Wo waren sie jetzt, wie lange waren sie schon fort. Eine Viertelstunde?
Sie hatten das Zimmer verlassen. Das Hotelzimmer war ganz verdunkelt. Der Politiker war wohl allein.
Nun konnte der Politiker für sich erkennen, dass seinem Tod wahrscheinlich kaum noch etwas entgegenstand. Sie würden ihn ermorden.
„Ich bin verloren“, stellte er laut sprechend fest.

In seinem Kopf spielte sich einiges ab. Eine gewisse geistige Verwirrung bemächtigte sich seiner. Nur sein strenger Wille zum rationalen Abwägen bei einem großen Durchhaltevermögen bewahrte ihn vor der völligen Verzweiflung.
Alles, was in ihm gedanklich und emotional brutal aufbrandete, war ganz zweifelhaft, sehr dunkel. Dies ist vermutlich die Heraufbringung des Widerwärtigen, Teuflischen, dachte er.

Er hörte Geräusche – die Dunkelheit verbarg das meiste vor seinen Augen. Jemand steckte ihm überraschend eine brennende Zigarette in den Mund. Er rauchte die Zigarette. Draußen auf dem Flur der Etage im Hotel ging ein Gong, den er erstmals vernahm. Er war nicht mehr ganz allein.
Vielleicht würde gleich noch jemand das Zimmer betreten, um ihn, besonders ihn, zur Ordnung zu rufen (zu ermorden, endlich!?).

Was hatte er bloß getan? Er, Politiker, ein Wissenschaftler, nunmehr ein Atemloser mit dem Rücken an der Wand zum sogenannten Nichts, fühlte sich sehr schlecht.
Sich befreien, aufstehen und wegrennen wollte er. Das musste auf jeden Fall ein hartes Stück Arbeit mit einem enorm hohen Risikofaktor sein.
Keine Geräusche mehr, kein einziges, drang noch an sein Ohr. Wahrscheinlich war er wieder allein im Hotelzimmer.

Häufig fragte er sich in Augenblicken der äußersten Gefahr einiges von Bedeutung, hielt seine Gedanken dann für besonders wichtig. So auch jetzt.
Angst presste Gedanken in sein Hirn. So kam es ihm vor. Das war eine große Leistung!? Keine Ahnung; mit äußerster Anstrengung widmete er sich schließlich fast schon etwas amüsiert verschiedenen gedachten und gefühlten Bedeutungen, zumal seiner eigenen Bedeutsamkeit im Angesicht der äußersten Gefahr, wie er sie an sich wahrnahm.

Unglaublich, aber jetzt widmete er sich Gedankenspielen!
Allmählich entstand eine Zuversicht. Es entrang sich ihm ein Lächeln.
Doch dann kam es anders: Das Zimmer leuchtete hell auf.

Er wurde brutal aus seinen Gedankenspielen gerissen, seine „Bedeutungen“ wurden von der Macht des Gegenwärtigen geschluckt.
Fenstervorhänge wurden herunter gerissen, Stimmen flogen durcheinander. Mehrere Uhren und weitere Bilder fielen von den Wänden. Die beiden Männer waren wieder anwesend und rumorten wild herum?
Angst drohte ihn zu überwältigen. Er konnte nicht schreien. Schließlich stand er von den Fesseln befreit mitten im Hotelzimmer.

Ihm ganz unbekannte Gestalten trabten nun von vorne auf ihn zu, um ihn zu greifen, wegzuschleudern, ihn hernach in ein dann doch eher stilles Bächlein zu setzen, wo er die nächsten Jahrhunderte (!?) ausharren sollte.
Das alles hier begriff er nicht.

Und jetzt?


Ende.


Kay Ganahl
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Veröffentlicht am 18.01.2011. Textlänge: 2.588 Wörter; dieser Text wurde bereits 941 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 18.08.2019.
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