4. Advent - und dein Licht geht aus.

Text zum Thema Augenblick

von  ZornDerFinsternis

Sonntag Morgen, irgendwann zwischen 06.30h und keine Ahnung, ist mir auch egal.
Es ist noch dunkel. Sehr dunkel. Irgendwo, ganz weit hinten am Rande der zugeschneiten Felder zieht sich ein ganz
zarter Bronzeschimmer in die Dunkelheit hinein. Die Sonne wird aufgehen - wenigstens das, ist heute gewiss.
Verdammt, auch heute muss ich wieder leben. Wieder durch diese scheiss verlassene Welt wandeln und mich
von allen ankotzen und fertigmachen lassen - ja, ein "geiles" Gefühl.
Ich zünde die 4. Kerze an. Ihr Licht flackert mit dem der anderen als wildtanzender Schatten, von den kalten Wänden.
Der Kaffee ist kalt. Der hässliche Becher und sein Inhalt wärmen meine Hände nicht mehr. Langsam wird es draußen heller.
Die Welt scheint zu lächeln. Heute gnädig gestimmt zu sein. Aber das ist sie niemals.
Sie ist niemals milde oder liebevoll. Verständnisvoll.
Denn ich lebe. Muss jeden Tag auf's Neue meinen aussichtslosen Kampf antreten. Mit Einsamkeit in den Ruinen meines
Herzens, muss ich dann am Abend schlafen gehen. Ohne Hoffnungslicht. Ohne KOmpass, Richtung Zuversicht und
Beständigkeit.
Lächerlich. Das Leben ist doch einfach nur verdammt erbämrlich und lächerlich.
Schiebe den Becher an die Seite. Vor mir liegt ein kalter Toast. Ohne Butter. MArgarine, Käse oder Wurst. Fleisch
esse ich nicht. Ich bin Vegetarier. Butter mag ich nicht. Käse ist zu fettig und Margarine brauch ich nicht.
Am liebsten esse ich garnichts, denn fett und unansehnlich genug, bin ich ja schon. Starre aus dem Fenster. Auf
Bank stehen Orchiden. Lila. Pink. Weiß. Gemustert. Zwischen ihnen stehen silbrige Rentiere.
Ein paar winzige Tannenzapfen und ein halber Zentimeter Staub.
Mein Leben ist so runtergekommen und aus dem Ruder gelaufen, wie der Zustand meiner Wohnung.
Meine Seele; mein Innerstes, sieht genauso versifft und abgewrackt aus, wie meine Wohnung.
Staub und Dreck. Alles dunkel. Düster. Zerschlagen. Kaputt. Aussichtslos. Auswegslos.
Ich bin verloren. Irgendwo, zwischen diesen ganzen Lasten der letzten Jahre, eingeschlossen. Gefangen.
Und ich warte bloß darauf, zu ersticken. Endlich die Erlösung, aus all diesem Scheiss, zu erfahren. Endlich,
den Weg ins Licht zu finden.
Aber niemand kommt zu mir, um mich bei der Hand zu nehmen. MIch zu wärmen, oder mir den Weg zurück ins Leben
zu zeigen.
Ich bin nicht mehr hier. Und ich muss mich wirklich fragen, ob ich es überhaupt jemals war?
Die Spiegel zeigen ein grauenhaft hässliches, furchtbar abscheuliches Bild. Verzerrt. Gigantisch und fett.
Einen so hässlichen Menschen, dass das Licht vor ihm zurückschreckt.
Ja, so ein Mensch - so ein Monster - bin ich. Und ich sitze hier, in meiner Einsamkeit.
Die Kerzen leuchten mir als einzige, aus dem Dunkel her. Und ich vermisse deine Stimme. Versuche deine Augen, im
Gemisch aus Dunkelheit und Schneesturm, zu finden.
Erinnere mich an nichts mehr. Unsere Geschichte, hat die Seiten in diesem Buch, in dem das Leben niedergeschrieben wurde,
eingebüßt. Kein Buchstabe steht mehr am rechten Platze, ein einziges Chaos. Buchstabensuppe. Kein Sinn.
Keine Hoffnung. Keine Erinnerung. Unsere Herzen schlagen nicht mehr im gleichen Takt.
Du atmest nicht mehr. Ich knie neben dir am Bett. Du liegst da. Ganz friedlich und klein. Zusammengerollt.
Zugedeckt. Die Bettdecke bis ans Kinn gezogen. Darüber, eine weiche Wolldecke.
Deine Füßen gucken unten hervor. Nur dein Kopf und deine Füße.
Deine langen Haare liegen dir im Gesicht. Ich lächel dich an. Streiche zart über deinen Kopf.
Du spürst nichts. Wieder nicht. Deine Augen starren mich unentwegt aus eisiger Kälte an, ohne mir auch nur
das Gefühl von Wärme zu geben. So, wie sie es früher immer getan hatten...
Die Decke hebt und senkt sich nicht. Dein Atem zeichnet sich nicht im kalten Zimmer ab.
Wie auch, du atmest ja nicht mehr.
Tränen pressen sich aus meinen Augen. Und ich lege meinen KOpf auf deinen. Will dir nahe sein. Will dich bei
mir haben.
Erinnere mich nicht mehr an uns. An dich. Mich. An dieses Leben, das wir hatten, bevor ich diesen Raum verlassen habe.
Zitternd versuche ich mich aufzurichten. Bin fassungslos. Taub. Irgendwie, eiskalt. So, als sei auch meine Seele mit
meinem Leben, aus diesem Raum ausgezogen. Fortgegangen.
Ich gehe auf die Tür zu. Meine Schritte sind langsam.
Ich wende mich im Gehen nicht zu dir um. Blicke nicht zurück.
Lasse die Vergangenheit und mein Leben, mit dir in diesem Zimmer zurück.
Meine Hand umfasst den messingfarbenen Knauf. Er ist eisig. Drehe ihn herum.
Und im gleichen Augenblick, bohrt sich der letzte Splitter meiner Seele tief in mein Herz hinein.

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Kommentare zu diesem Text

Sagahock (19)
(20.12.09)
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 ZornDerFinsternis meinte dazu am 20.12.09:
Morgen Saga :)
Vielen, lieben Dank. Ja, dunkel und düster...so bin ich eben - böse.
Das ist schrecklich lieb von dir, aber besorgt sein, musst und brauchst du nicht zu sein. Um mich schon garnicht :) Vielen Dank. Liebe Grüße in den 4. Advent, Anni

 Dieter_Rotmund (16.07.19)
Recht schlampig gemacht.
06.30h -> 6:30 Uhr
lächel -> lächle
KOpf -> Kopf

Mal abgesehen davon, eine überzogen theatralische Schilderung, extrem manieriert geschrieben.

Nichts für ungut.
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