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Georg

Kalendergeschichte zum Thema Außenseiter


von LottaManguetti

„Unsern Jorchi, guckguck!“, raunten sich die Leute zu, wenn Georg samstags die Dorfstraße entlang zur Schänke latschte. Und sie glotzten, gafften ihm verstohlen hinterher. Besonders die jungen Leute grinsten. Andere zischelten oder klopften sich amüsiert auf die staubigen Schenkel.
Jorchis Eltern lebten zurückgezogen am Waldrand. Weil Georg, ihr einziges Kind, von einer frühen Krankheit gezeichnet blieb, mieden sie zeitlebens aus Scham die Dorfgemeinschaft.
Im Dorf nannten  ihn alle nur „Unsern Jorchi“ und sprachen diese beiden Worte wie einen zusammengehörigen Namen aus: Unsern, der Vorname, Jorchi, der Nachname, glaubte ich als Kind bis spät in die Pubertät, weil diese beiden Begriffe für mich zusammengehörten wie Cindy und Bert.
Unsern Jorchi erinnere ich als liebenswerten Menschen. Er war groß und schlaksig, was ihn ein wenig ungelenk aussehen ließ.  Ausgestattet mit einer riesigen krummen Nase zwischen den engstehenden, lustig umherschweifenden Augen, wirkte er immer fröhlich, lachte laut, wenn er die Dorfstraße hinunterlief und winkte allen zu, die ihm hinterherbrüllten.
In Gedanken rufe ich ihn noch einmal: „Unsern Jorchi!“ 
Und ich sehe, wie er die Hand hebt und mir zulächelt und wie er mit seinen ausladenden Schritten die Dorfstraße hinunterstiefelt. Fast scheint mir, ich hörte dabei seine Stimme: „Tach-tach!“
"Ach, Unsern Jorchi, ach", murmle ich und glaube, Unsern Jorchi wusste nie um den Unterschied zwischen Lachen und Weinen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Cora
Kommentar von Cora (29.01.2019)
"Unsern Jorchi erinnere ich als liebenswerten Menschen."

Irgendwie schade, dass erinnern sein Reflexivpronomen eingebüßt hat. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als man sich erinnern konnte.
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LottaManguetti meinte dazu am 29.01.2019:
erinnern: Eine eigentümliche umgangsprachliche Wendung, da hast du Recht.
Danke.

(Arbeit ruft )

Lotta
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Didi.Costaire
Kommentar von Didi.Costaire (29.01.2019)
Aufmerksam und einfühlend beobachtet, Lotta! Sogar, dass Cindy zu Bert gehört und nicht etwa Ernie, ist dir nicht entgangen.
Liebe Grüße, Dirk
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LottaManguetti antwortete darauf am 29.01.2019:
Bei Pittiplatsch und Schnatterinchen wäre ich sicher besser aufgehoben, gell?
))
Unsern Jorchi (eigentlich Orchi, den Namen habe ich etwas der Geschichte angepasst) ist ein Teil meiner Kindheit. Auf diese Weise habe ich ihn noch einmal zum Leben erweckt und "sehe" und "höre" ihn tatsächlich.
Es heißt allgemein, Kinder seien grausam. Ich war es nie. Nur neugierig war ich und beobachtend.
Cindy und Bert kannte ich nur aus den Berichten einer Freundin, die Schlagerparade, Disko oder sowas schauen durfte. DAS war für mich etwas ganz Besonderes, denn ich kam nie in den Genuss.
Mit Dank
Lotta
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (29.01.2019)
Das Schicksal hat den Außenseiter Jorchi benachteiligt und es wohl auch wieder gut mit ihm gemeint, da er scheinbar den Unterschied zwischen Lachen und Weinen nicht kannte,
Die Dorfgesellschaft, die ihn jovial "Unsern Jorchi" nennt, erhebt sich grinsend und zischelnd über den Außenseiter, der scheinbar durch diese Reaktionen unberührt bleibt.
Liebe Grüße
Ekki
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LottaManguetti schrieb daraufhin am 29.01.2019:
Eigentlich, Ekki, war sie viel böser. Aber ich wollte ihr, der Dorfgesellschaft, keinen zu großen Platz einräumen. Der ist an dieser Stelle für Jorchi reserviert. Ich glaube, er wusste z.T. um die Scherze, die man mit ihm trieb/über ihn machte. Zum Selbstschutz lächelte er immer. Wie hätte er sich auch verteidigen können?
Ich werde nie vergessen, wie ihm Kerle mit hochroten Hälsen (vom Bier) lauthals hinterhergrölten! Beschämend!
Danke für deinen Kommentar usw.

Lotta

Antwort geändert am 29.01.2019 um 13:43 Uhr
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TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (29.01.2019)
"Ach, Unsern Jorchi, ach", murmle ich und glaube, Unsern Mitbürger wusste nie um den Unterschied zwischen Draufhauen und Idiotensein.
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LottaManguetti äußerte darauf am 29.01.2019:
Wissen sie es heute besser?



Lieben Gruß
Lotti
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TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 29.01.2019:
Na klar. Frag nur Professor Bachmann oder Alexander Bundeslandland.
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LottaManguetti meinte dazu am 30.01.2019:
Eher beiße ich mir die Zunge ab, als ein Wort an solche zu verschwenden. ;)
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Kommentar von Trainee (71) (29.01.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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LottaManguetti meinte dazu am 29.01.2019:
Keine Bange, meine Liebe, ich verstehe dich.
Innerhalb einer Dorfgemeinschaft funktioniert beides:
Das Böse, aber auch das Gute. Nur schreibt man selten über Letzteres. Wäre Unsern Jorchi in Lebensgefahr geraten, alle hätten zugepackt und geholfen ihn zu retten.

Lieben Gruß
Lotta

Antwort geändert am 29.01.2019 um 20:10 Uhr
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (29.01.2019)
Liebe Lotta, wichtig ist, dass man allem Leben mit Respekt begegnet. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir Leute, um es dahin zu begrenzen, begegnet wären, die ich bewusst herabwürdigend behandelt hätte. Man muss nicht jeden bemitleiden, bedauern, ihm versuchen zu helfen. Oft ist es nicht gewollt; manchmal sind Dinge gespielt. Aber die, die es nicht gut getroffen haben, aus welchen Gründen auch immer, noch zu verdammen, zu quälen, zu verhöhnen oder zu verjagen, ist schändlich genug. Das gilt für Dorf- und Straßengemeinschaften, wie das Große und Ganze.
Übrigens hast du die Zeilen sehr liebevoll geschrieben. Herzliche Grüße von Gil.
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LottaManguetti meinte dazu am 30.01.2019:
Wie sehr den Menschen Respekt zu fehlen scheint, kann man heute vermehrt im Netz beobachten.
Vielleicht könnte man ja das Schulfach "Respekt" einführen. Allerdings befürchte ich, wir bräuchten schon 5 Doppelstunden pro Woche.
Mir, als damaligem Dreikäsehoch, ging der Umgang mit (J)Orchi sehr an die Nieren. Dennoch gab es auch schönere Momente mit ihm. Ich glaube, es war eine Hirnhautentzündung im Kindesalter, die ihn zu dem werden ließ, was er später war. Kurz nach dem Krieg, scheint es mir, war man schon glücklich, wenn ein Kind das überlebte.

Lieben Gruß
Lotta

Antwort geändert am 30.01.2019 um 15:23 Uhr
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (30.01.2019)
Die Schwachen, die von Schicksal geschlagenen, bekamen auch noch den Spott gratis dazu. Langsam ändert sich das.
Ich denke an "Mein sonderbarer Freund".
Liebe Grüße
TT
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LottaManguetti meinte dazu am 30.01.2019:
Ach ja, stimmt, TT. Dein sonderbarer Freund ...
Gestern erst hatte ich wieder so eine Begegnung der dritten Art an der Tramhaltestelle:
Ein offensichtlich verwirrter Mann in Anzug und Fliege stocherte in Abfallbehältern herum, zog mit einem Stecken die Fugen der Gehwegplatten nach und plapperte vor sich hin. Ein alter Mann drehte sich nach mir um, tippte mit dem Finger an die Stirn und meinte so etwas wie: "Nur noch Bekloppte hier!"
Ich habe da nur gezischt: "Sie sollten sich schämen!"
Dann drehte er sich zu einem anderen Wartenden um und versuchte es da. Der reagierte aber mit Nichtachtung.
Das hat mir Mut gemacht, dass die nächsten Generationen besser damit umgehen.

Lieben Gruß
Lotta

Antwort geändert am 30.01.2019 um 15:28 Uhr
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aliceandthebutterfly
Kommentar von aliceandthebutterfly (30.01.2019)
Das ist mit ein Grund, weshalb ich lieber in der Stadt lebe. Dorfgemeinschaften können Schutz und Halt geben, doch viel zu oft sind sie grausam, sobald jemand ein bisschen anders ist.

Doch ich habe einmal in Italien, neben dem kleinen Örtchen Corinaldo gearbeitet. Dort gab es noch eine richtige Gemeinschaft, an der auch Menschen mit Behinderung teilgenommen haben. Vielleicht ist Italien hierbei einfach menschlicher oder ich bin halt immer in besonders netten Gegenden gelandet.

Deinem Text merkt man gleich an, dass er autobiografisch ist, denn er wirkt so lebendig.

LG, Stefanie
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Teichhüpfer
Kommentar von Teichhüpfer (30.01.2019)
Das Problem hierbei ist,daß der Müll abgeladen wird, wo niemand hinkuckt, oder gerade deswegen gejubelt wird. Die Frage ist, ob der Beitrag diesen Zweck hat.
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Willibald
Kommentar von Willibald (31.01.2019)
Ich finde es schön, wie in dem Schluss Intellekt, Intuition, Reflexion und Emotion verknüpft werden. Und dass nunmehr anführungszeichenlose, standardabweichende Unsern Jorchi dem Leser (an)vertraut ist.
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LottaManguetti meinte dazu am 23.02.2019:
Danke, Willibald, vor allem fürs genaue Lesen und Miterleben.

Lotta
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Veröffentlicht am 29.01.2019. Textlänge: 215 Wörter; dieser Text wurde bereits 190 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 08.11.2019.
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