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V: Ein neuer Freund und ein neues ReichInhaltsverzeichnisVII: Der aufsteigende Stern Macheys

VI: Der Streit zwischen Raréon und Aurost

Roman zum Thema Streit


von kaltric

Beteiligte: Raréon, Mytillin Machey, Galand, Mharef, Gar-iorhed, Raréons Krieger, Wachposten von Aurost, ein Bote, Adlige von Aurost, Einwohner von Aurost, Krieger von Iotor, Sklavinnen.

Orte: Raréons Lager, Aurost

Wenige Wochen nach Emaiors Abreise im Jahre 2018, erhielt Raréon eine Botschaft. Mytillin Machey überbrachte sie ihm, aufgeregt und gleichzeitig besorgt aussehend.
„Raréon, soeben traf eine Botschaft des iotorischen Herrschers bei uns ein! Du solltest sie lesen.“
Raréon sah von seiner Mahlzeit auf und runzelte die Stirn.
„Was will er denn?“
Iotor herrschte noch immer über das Gebiet südlich des Pes-Erhd, und dieser lag nur wenige Tage südlich des Postens. Bei seinen Tätigkeiten war Raréon sehr schnell an diese Grenze gestoßen, sie aber nur vereinzelt überschritten. Sah man ihn nun als Bedrohung an?
„Er lädt dich nach Aurost zu sich als Gast ein.“
„Nach Aurost? Als Gast?“
Raréon war sichtlich verblüfft, damit hatte er nicht gerechnet. Schnell fasste er sich aber wieder und sah erneut grüblerisch drein.
„Vermutest du eine Falle?“ fragte er Machey.
Dieser sah unschlüssig aus.
„Ich weiß es nicht. Aber wenn wir die Einladung einfach so ablehnen, dürften wir einen ziemlich mächtigen Feind zum Nachbarn haben. Und sollte er dich umbringen oder gefangen nehmen, hätte er sicherlich schnell Emaior und Tól und Omé ebenso zum Feind. Die Welt wäre nicht gerade geordneter, käme es zu einem so großen Krieg.“
Raréon fand zwar, dass Machey in seinen Überlegungen übertrieb, stimmte aber dem Kern seiner Ansprache zu.
„Und was meinst du, sollte ich nun unternehmen?“
Raréon vertraute schon länger völlig auf das Urteil seiner rechten Hand: Machey.
„Annehmen – und nicht alleine hingehen. Ich werde dich, zusammen mit einigen unserer Leute, begleiten.“
Raréon dachte kurz nach und nickte letztendlich
„Gut, machen wir es so, mein Freund.“
Und so taten sie dann auch. Einen Wochenlauf später machten sich Raréon, Mytillin Machey sowie mehrere Krieger auf den Weg nach Aurost, der Hauptstadt von Iotor, während Galand zurück blieb und das Lager in ihrer Abwesenheit leitete. Als sie Aurost schließlich erreichten und erblickten, waren sie zutiefst beeindruckt.
Vor langer Zeit schon hatte ein iotorischer Herrscher beschlossen, seinen Herrschaftssitz vom nördlichen Fayan, der früheren Hauptstadt des alten Otoriach – wie Iotor einst hieß -, weiter in den Süden, hinein in die besetzten Gebiete zu verlegen. Dazu wollte er aber nicht irgendeine Stadt übernehmen, sondern ordnete den Bau eines gewaltigen Denkmals, sich selbst zu Ehren, an. Die Fertigstellung von Aurost sollte er aber nicht mehr erleben, würde vielleicht niemals irgendjemand in seinem Leben sehen, denn ewiglich sollte an dem Turm weiter gebaut werden. Aurost lag an der Mündung des Dunlon, eines aus den Sonnenzinnen kommenden Flusses, in die Miabanur und war ein einziger, gewaltiger Turm: Aurost, der Stadtturm. Aber nicht irgendein Turm einer Stadt, nein, der ganze Turm war eine Stadt. Er war breit und hoch genug für die Bevölkerung einer mittelgroßen Ortschaft, doch noch lange nicht fertiggestellt. Bereits doppelt so hoch wie die ihn umgebenden Bäume ragte er auf und aus der Ferne sah man die zahlreichen Baukräne oben auf der belebten Baustelle des Turms. Der Bau stoppte zwar bereits seit Jahrzehnten, doch nun schien eine Fertigstellung endgültig unmöglich geworden zu sein. Denn nach der Abtrennung und dem Verlust so vieler Ländereien von Iotor war die Rohstoffbeschaffung beschwerlich geworden. Riesige Banner mit dem Wappen und den Farben von Iotor hingen an den Außenwänden herab. Ein gewaltiges Tor stand weit offen, doch wurde strengstens bewacht.
„Wer seid ihr?“ fragte der grimme Wachposten.
„Raréon samt Begleitung“, antwortete dieser ihm, „wir werden erwartet.“
Der Wächter nickte bestätigend.
„Das stimmt. Man erwartet euch. Wartet hier.“
Er drehte sich um, rief jemandem im Innern des Turms etwas zu, woraufhin dieser wiederum los eilte, um jemanden gänzlich anderes zu holen. Die ganze Zeit über stand der Posten vor ihnen und starrte sie misstrauisch an, bis schließlich eine kunstvoll gewandete Person mit ebenso kunstvoll verziertem Schnurr- und Kinnbart sowie verzierten Augen und Fingernägeln erschien.
„Ich bin Gar-iorhed“, stellte der Neuankömmling sich vor, „Kammerdiener dieser unserer Festung. Unser Herrscher Mharef erwartet euch bereits ungeduldig, also! - folgt mir bitte.“
Und sie folgten ihm. Von innen war Aurost nicht minder beeindruckend. Wie in einem riesigen Palast folgte ein endloser, schön ausgeschmückter Gang auf den nächsten, flankiert von abgehenden Nebenabzweigungen und Türen, die zu Gemächern, Wohnungen, Ställen, Lagerräumen und vielem mehr führten, aber auch riesige Plätze mit hoher Decke, auf welchen Händler ihre Waren feil boten und Einwohner der Anlage herum huschten. Von einer Etage zur nächsten kam man über große, an den Außenwänden entlang führende Rampen und zahlreichen innere Wendeltreppen. Die Gruppe um Raréon wurde zu einem weiteren großen Tor auf der ersten Ebene geführt, welches zu einer Art Thronsaal führte. Hier erwartete sie der iotorische Herrscher Mharef. Raréon trat vor und verneigte sich.
„Oh großer Mharef, ihr habt uns das großzügige Geschenk eurer Gastfreundschaft angeboten und wir sind hier, es dankbar in Empfang zu nehmen. Doch auch wir bringen ein Geschenk für euch.“
Damit deutete er auf das Kästchen, welches einer der Soldaten nun präsentierte. Mharef ließ ein gönnerhaftes Lächeln erkennen. Er war schon lange nicht mehr der Jüngste, wohl schon Herr über Iotor vor dem Feuer am Himmel gewesen und daher das Herrschen gewohnt. Sklavinnen saßen auf den Stufen zu seinem Thron und Diener huschten umher. Er selber war ähnlich wie Gar-iorhed gekleidet, ließ diesen in seinem Prunk jedoch völlig verblassen. Sein Gewand war mit Edelsteinen bestickt und reichte bis zu den untersten Stufen. Als Zeichen der Herrschaft trug er eine reich bestückte Krone und war auch sonst nicht gerade bescheiden im Ausschmücken seiner selbst.
„Wir danken euch“, war seine Antwort.
Er deutete einem Diener, das Geschenk entgegen zu nehmen und wegzubringen, dabei vermutlich auf eine Falle untersuchend.
„Wir haben viel mit euch zu besprechen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Essen heute Abend?“ fuhr er fort.
Natürlich war dies weniger Frage denn gewohntes Gefasel und jegliche Ablehnung wäre eine tödliche Beleidigung gewesen, also nahm Raréon dankend an.
„Mein Kämmerer hat Zimmer für euch vorbereiten lassen“, fuhr Mharef fort.
„Fühlt euch als meine willkommenen Gäste.“
Damit war das Gespräch vorerst offensichtlich beendet. Gar-iorhed trat denn auch sofort vor.
„Folgt mir bitte.“
Es waren vier Zimmer für sie vorbereitet worden. Machey bestimmte, dass Raréon und er jeweils ein eigenes Zimmer bekamen, ihre Krieger die restlichen unter sich aufteilen und einigermaßen gleichmäßig belegen sollten. Abends holte Gar-iorhed sie wieder ab und führte sie in einen Speisesaal, wo sie alle an einen länglichen Tisch gesetzt wurden. Raréon und Machey nah des Kopfendes, neben bereits wartenden Würdenträgern Iotors, die Kämpfer kamen an das Fußende. Kurz darauf kam dann auch Mharef hinzu und setzte sich an das Kopfende, neben sich Gar-iorhed und einen unbekannten anderen Mann sitzen habend. Alle Wesen zu Tisch waren männlich. Es wurde sich begrüßt, Höflichkeiten ausgetauscht und wirr durcheinander geredet, ehe die Speisen endlich aufgetragen wurden. Schließlich ergriff Mharef das Wort und wandte sich an Raréon.
„Wir haben euch beobachtet, seit ihr euch letztes Jahr an unserer Küste niedergelassen habt. Was genau führte euch aber in unser Land?“
Nun wird es also ernst, schoss es Raréon durch den Kopf.
„Tól und Omé haben uns entsandt, den Völkern zu helfen, welche durch das Feuer am stärksten betroffen waren. Bei euch fanden wir besonders große Not und Verwirrung vor.“
Dies schien Mharef nicht gern zu hören. Er runzelte düster die Stirn.
„Wir können dem Volk immer noch am besten helfen. – Doch wer sind diese Tól und Omé?“
Raréon zögerte. Er wollte nichts Falsches sagen.
„Sie sind vor achtunddreißig Jahren in Lurruken erschienen, haben unsere Leben verändert, Tausende gerettet und vor dem Unheil bewahrt.“
„Und nun wollen sie ihre Herrschaft auf unser Reich ausdehnen?“ fuhr ihm Mharef scharf ins Wort.
Dem Herrscher Iotors schien nicht bewusst zu sein, oder er wollte es bloß nicht wahr haben, dass sein Reich fast zerstört da lag und dem Untergang bereits geweiht war.
„Wir möchten nur helfen…“, sagte Raréon vorsichtig und unsicher.
„Wenn ihr helfen wollt“, entgegnete Mharef, „zahlt eure Abgaben wie alle unsere Untertanen und wagt nicht aufzubegehren.“
Nach diesen Worten fielen noch viele weitere, doch erstmal wurde das Mahl fortgesetzt und Raréon hielt sich zu dem Thema Abgaben bedeckt. Raréon und seine Gruppe blieben noch zwei Tage in Aurost. Jeden Abend fand ein Mahl statt, jeden Abend versuchten Mharef und Raréon sich gegenseitig von ihren Standpunkten zu überzeugen. Der eine wollte die „Eindringlinge“ in sein Reich eingliedern, Steuern und Abgaben erhalten, der andere die „dem Untergang Geweihten“ von sich zu überzeugen um sie zu retten.
Am nächsten Abend kam Mharef endlich auf den Punkt: „Werdet ihr unsere Herrschaft anerkennen?“
Doch Raréon hatte nur zu entgegnen: „Nur, wenn ihr auch Tól und Omé anerkennt und uns euch helfen lasst.“
Doch besserte ihr Verhältnis sich damit nicht. Den Rest der Zeit hatten Raréon und die anderen zu ihrer freien Verfügung. So nutzten sie sie, um Aurost zu erkunden, mit den Leuten des Turmes zu reden und teilweise auch den Versuchen, Einzelne zu überzeugen, was Mharef jedoch gar nicht gerne sah. Am dritten Tag dann passierte aber etwas Schwerwiegendes: ein Auroster wurde oben auf der Baustelle tot aufgefunden. Mytillin Machey wurde Tags zuvor oft mit diesem gesehen und so schnell des Mordes bezichtigt, doch da er alles abstritt und niemand ihm etwas beweisen konnte, passierte erstmal nichts weiter. Am Abend gab es ein erneutes Mahl und misstrauische Blicke wurden zuhauf gewechselt.
„Werdet ihr unsere Herrschaft nun endlich anerkennen?“ fragte Mharef schließlich scharf und fordernd.
Diese Einzelheit war die letzten Tage schon mehr als heiß besprochen worden und dementsprechend abweisend zeigten sich Raréon und die anderen bereits davon, doch blieb dieser freundlich.
„Wenn ihr Tól und Omé anerkennt und uns eurem Volk helfen lasst.“
„Wie ihr unserem Volk helfen könnt, haben wir ja heute zur Genüge gesehen!“ platzte diesmal aber einer der anwesenden Adligen dazwischen.
„Was soll das heißen?“ wollte Raréon wissen.
„Warum sollen wir eine Bande von Mördern aufnehmen?“ fragte ein anderer Adliger und wandte sich dann an den Rest: „Wieso vernichten wir sie nicht mit unserer Macht?“
„Weil ihr dann niemanden mehr zum versklaven habt“, sagte Machey ruhig, doch vollkommen eisig.
„Wer uns beleidigt, wird nicht mehr lange leben!“ entgegnete der erste Adlige daraufhin wütend.
„Woher wollt ihr eine Armee nehmen? Euer Reich ist am Ende!“ stellte Machey bitterböse fest.
„Wir sind immer noch mächtiger als ihr!“ warf endlich auch Mharef ein.
„Womit nehmt ihr euch das Recht, hier aufzutauchen und uns Forderungen zu stellen?“ ergänzte ein Adliger.
„Wann gab man euch das Recht, unser Volk zu töten?“ fragte Mharef.
Er blickte Raréon scharf an: „Welcher Herr hat hier seine Diener nicht im Griff?“
Doch Machey, nun hochrot im Gesicht vor Scham und Wut, holte mit der Frucht, welche er gerade in der Hand hielt und zuvor noch essen wollte, weit aus und warf sie mit aller Wucht. Sie klatschte Mharef gegen die Wange, zerplatzte und befleckte ihn, ließ ihn aber vor allem mit samt seines Thronstuhles hinten über kippen.
Alle blickten entsetzt auf den Gestürzten, bis dieser von unten, sich mit einem Arm aufstützend, den Finger in die Luft streckte und etwas mit brüchiger Stimme schrie: „Tötet sie!“
Die gesamte Festgesellschaft war gänzlich unbewaffnet und so blieben die Adligen entweder nur geschockt sitzen oder flohen gleich entsetzt und völlig überhastet. Doch die Wächter im Raum hatten ihre Waffen natürlich noch und rückten nun gegen Raréon und seine Leute vor, jeder mit einem bösartigen Grinsen im Gesicht. Machey war der einzige von diesen, der vorgesorgt hatte. Er zog einen Dolch aus seinem Stiefel und bezwang einen der acht Wächter damit. Dem Gefallenen nahm er die Waffe ab, tötete einen Zweiten, solange dieser noch zu überrascht war, und warf dessen Waffe Raréon zu. Dreien ihrer Krieger gelang es, einen weiteren Wächter zu überwältigen. So ging der Kampf weiter, bis einer von Raréons Kämpfern sowie alle acht Wächter tot am Boden lagen. Doch da stürzten bereits weitere zum Tor herein.
„Wir müssen fliehen!“ rief da Raréon den anderen zu.
Raréon, Machey und die anderen versuchten sich einen Weg hinaus zu erkämpfen, doch der Weg Richtung Tor war schnell versperrt, so mussten sie eine andere Möglichkeit suchen. Nach etlichen Kämpfen, Gängen, Treppen und Sackgassen standen sie irgendwann nur noch zu sechst in einem Gang, von welchem ein großer Flur abging.
„Raréon, hier entlang!“ machte Machey auf den Weg aufmerksam, „dort geht es zu den Ställen!“
Tatsächlich standen sie kurz darauf in eben diesen, arg bedrängt von den Aurostern. Die Tiere dort in den Boxen waren allesamt von der Art, welche man heutzutage Tomare, Tomisa, Panturgon oder dort im Norden Veduiguim nennt. Genau genommen waren es sogar die Vorfahren dieser heutigen letzten Unterart. Sie waren hier knapp unter dem „Dach“ des Turms untergebracht und damit waren diese geflügelten und flugfähigen Wesen keine allzu große Überraschung. Doch über viele von ihnen schienen die Iotorer wiederum auch nicht zu verfügen. Bis die Gruppe endlich einige Tiere abflugbereit hatte, waren zwei weitere Krieger erschlagen worden. Die letzten vier Anhänger von Tól und Omé in Aurost flohen aus diesem, aber nur zwei sollten es lebend bis zum Lager schaffen. Ein Kämpfer wurde bereits kurz nach dem Start von Pfeilen getroffen, der andere konnte sich in diesem für ihn ungewohnten Sattel nicht halten und stürzte schreiend in die Tiefe.
Die Nachricht von dem Geschehen entsetzte und verunsicherte das gesamte Lager, doch die meisten glaubten Machey, dass er unschuldig sei. Machey ordnete sofort an, das Lager kampfbereit zu machen, da er nicht annahm, dass die Iotorer ihre Rache so leicht vergessen würden. Als sie später allein waren, richtete Raréon das Wort an Machey.
„Wie viel von dem, was die Iotorer behaupten, ist wahr?“
Diese Frage erzürnte Machey.
„Traust du mir nicht mehr? Hältst du mich etwa für einen Mörder?“
„Das habe ich nicht gesagt“, entgegnete Raréon, „ich will nur wissen, was wirklich geschehen ist – und ob ich dir wirklich noch trauen darf.“
Machey blickte ihn ernst an und schien einem Wutausbruch nahe. Doch dann seufzte er.
„Nun gut, ich erzähl es dir.“
Er setzte sich an einen Tisch und deutete Raréon es ihm gleich zu tun.
„Der Mann war ein Händler, mit dem ich zu tun hatte. Er versprach, mir Auskünfte zu übergeben, die uns gegen Iotor geholfen hätten. Wir vereinbarten das Dach als Treffpunkt. Doch dann verriet er mich und griff an. Ich habe mich nur gewehrt.“
„Warum hast du das den Aurostern nicht erzählt?“ fragte Raréon leicht anklagend, „Warum unternimmst du so etwas ohne Rücksprache mit mir?“
„Du hättest eh abgelehnt und ein Kampf mit Iotor war immer unausweichlich. Und hätte ich gestanden ihn getötet zu haben, wäre es bloß zu demselben Ergebnis gekommen, egal wie meine Gründe nun aussahen.“
„Das mag so stimmen, doch hast du mich trotzdem immer über alles zu benachrichtigen!“
Damit ließ Raréon es bewenden, doch die Stimmung zwischen den beiden blieb die nächsten Tage gespannt.

Nach einer guten Woche standen die Streitkräfte von Iotor an der Küste. Raréon und Machey hatten alle, die helfen wollten, bewaffnet und das Lager so gut es ging befestigt. Es wurde auch ein Bote ausgesandt um Emaior zu suchen, doch kam dieser nicht rechtzeitig zurück. Iotor hatte lange nicht mehr soviel zu bieten wie noch vor zweihundert Jahren, doch waren es immer noch mehr – und vor allem besser ausgebildete – Kämpfer, als sie Raréon und Machey aufbieten konnten. Iotor griff aber nicht sofort an, schien sie nur aushungern zu wollen. Die Belagerung zog sich über Monde hinweg. Der Bote kehrte irgendwann zurück und erklärte, dass Emaior selber in Bedrängnis war und daher nicht helfen konnte. Als ihm aber klar wurde, dass Raréons Lager von Schiffen aus Huálor und anderen Händlern weiter versorgt wurde, wagte der iotorische Befehlshaber endlich den Angriff. Doch kam es damit noch zu keinem Ende, nur zu einer Verlängerung, da man ihn zurückdrängte.
„Wir müssen zurückschlagen, sonst werden wir hier auf ewig so fest sitzen“, erklärte Machey eines Tages Raréon, während sich das Jahr bereits dem Ende zu neigte.
Raréon nickt langsam und bedächtig. In den letzten Monden war die Moral im Lager stetig gesunken und selbst Raréon und Machey zerstritten sich immer öfter. Raréon sprach täglich mit den Leuten, doch nutzte es immer weniger. Schließlich stellte sich Machey vor die Verteidiger.
„Anhänger Tól und Omés, Bewohner dieses Lagers und dieser Länder, hört mir zu! Seit Jahrhunderten versklavten die Iotorer euch und eure Völker und nun ist endlich der Zeitpunkt gekommen, sie endgültig zu vertreiben! Wer diese Länder wieder frei sehen will und sich nicht scheut, der möge mir folgen! Wir werden Aurost besiegen!“
Machey hatte in letzter Zeit immer mehr an Beliebtheit bei den Soldaten gewonnen, während das normale Volk sich eher an Raréon hielt. Doch nun jubelten sie alle und stimmten ihm zu. Machey und seine Ausfalltruppe, zusammengestellt aus Freiwilligen, machten sich bereit und am nächsten Tag stürmten sie aus dem Lager. Die Iotorer zeigten sich überrascht, aufgrund der Ruhe der letzten Wochen unvorbereitet und leisteten dementsprechend weniger Widerstand. Bis sich dieser endlich doch gebildet hatte, war Machey bereits tief in den feindlichen Reihen. Nach einiger Zeit spaltete sich ein Teil der Kämpfer Raréons, darunter auch Machey selber, von dem Hauptkampf ab. Ohne groß bemerkt zu werden zogen sie weiter und stießen gar ohne Schwierigkeiten bis Aurost vor. Dieses fanden sie nahezu unbewacht vor und drangen leicht ein. Machey ließ alle Einwohner abschlachten, bis Galand, welcher ihn begleitete, ihm endlich Einhalt gebieten konnte.
„Haltet ein mit dem Wahnsinn! Das sind Unschuldige!“
Daraufhin ließ Machey sie nur noch aus dem Turm werfen und flüchten, doch Gar-iorhed und andere Adlige dagegen ließ er aus den Fenstern des Turms und von den Baukränen baumeln, aufgehängt als Mahnmal und als Warnung für alle anderen Iotorer. Mharef aber fand man im Turm nirgends vor.
Bei Raréons Lager ließen derweil die zurückgebliebenen Krieger von dem Kampf ab und zogen sich zurück. Bald merkten aber auch die Iotorer, was geschehen war. Man ließ Kundschafter zurück nach Aurost schicken und nachdem diese von vertriebenen Einwohnern und den Erhängten an den Mauern berichteten, ließ der iotorische Befehlshaber sofort von dem Lager ab. Er zog nach Süden, um die eigene Stadt anzugreifen. Doch Machey konnte Aurost genauso gut halten wie zuvor das Lager, so dass der Turm nur belagert werden konnte. Der Winter kam bald und nun waren es die Iotorer, welche entmutigt waren, trotz der aus anderen Gegenden eintreffenden Verstärkungen. Im Frühjahr kam dann endlich auch Hilfe für Machey. Raréon hatte die verstrichene Zeit genutzt, um einen Verbündeten zu finden. Westlich seines Lagers, nah der Küste am Sumpf, lag die Burg Emadé und herrschte über ein kleines Königreich, dem Reiche Iotor wieder entrissen. In dessen Herrscher Géri Anaruen fand Raréon einen Verbündeten im Kampf gegen Iotor und so zogen sie aus, dieses endgültig zu schlagen. Die Iotorer wurden erbarmungslos aufgerieben. Viele ergaben sich, nur einigen gelang die Flucht. Doch von Mharef weiterhin keine Spur. Aber er sollte wiederkommen.


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