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VIII: Das Wiedersehen von Lían und RaíInhaltsverzeichnis

IX: Das getrennte Volk

Roman zum Thema Krieg/Krieger


von kaltric

Zehn Jahre vergingen zwischen 2023 und 2033, in denen einiges geschah. Raréon festigte seinen Einfluss im Norden und verteidigte sein Gebiet und seine Verbündeten ein ums andere Mal gegen die letzten Reste von Iotor und anderes Räubergesindel. Stets war er bemüht, den Frieden zu halten zwischen Géri Anaruen von Emadé und Dojolas Igíman von Tobjochen, welche sich nicht wirklich vertrugen.
Im südlichen TuKarra dagegen wurde Machey immer umtriebiger. Eines Tages stand er mit Varman zusammen in der Burg Linroc in den südlichen Bergen nahe der Grenze zu TuReesten. Linroc war Varmans Burg und ein Grenzposten gegen TuReesten. Schon immer träumte er davon, mehr Gebiet zu haben, welches aber noch in TuReesten lag. Sie standen auf dem höchsten Turm der Burg und schauten über das weite Land, das unter ihnen lag, sich am Fuß der Berge ausbreitend. Machey deutete auf einen Punkt im Nordosten.
„Dort liegt Karra“, murmelte er, und dachte dabei an seine Frau, Enreesa.
„Und dort hinten Rees“, meinte Varman und sah nach Nordwesten.
Machey wandte ihm den Blick zu.
„Ich finde es seltsam, dass euer Volk immer noch solch einen Hass auf Rees hat. Wie kommt das?“
Doch Varman schüttelte den Kopf.
„Ihr als Außenstehender versteht das einfach nicht“, entgegnete er.
Machey runzelte nachdenklich die Stirn.
„Was gibt es da nicht zu verstehen? Ihr wart doch immerhin ein Volk.“
„Wir waren kein Volk; wir waren ein Reich, das Reich von Tukon“, korrigierte Varman schnell, „doch brachte uns Verrat auseinander und die Tukonmauer wurde errichtet.“
Beide sahen hinüber zu der großen Mauer, welche in der Ferne im Westen an der Burg vorbeiführte. Doch da kam Machey eine Idee.
„Was würde passieren, sollte man versuchen, sich mit ihnen versöhnen zu wollen?“
Varman sah ihn an, als sei er verrückt geworden.
„Niemand würde da mitmachen, niemand euch unterstützen, niemand würde es jemals.“
Und er schüttelte voller Überzeugung den Kopf. Aber Machey nickte nur, sich im Stillen selber zustimmend und für diesen wunderbaren Einfall beglückwünschend.
„Wir werden diese Mauer durchbrechen, so oder so.“
Varman sah ihn nur wieder zweifelnd an, doch hatte er Vertrauen in Machey und hoffte auf große Zeiten für Linroc und TuKarra. Machey verbrachte die nächsten Jahre oft in Burgen und Städten im ganzen Land, unterhielt sich mit deren Herren und gewann auf diese Weise nach und nach immer mehr von ihnen für sich, hatte bald mehr Einfluss im Reich als seine Frau, welche sich immer mehr zurückzog und ihrem Mann ihre Aufgaben ausüben ließ.
„Das Volk folgt und vertraut dir“, stellte sie eines Abends fest, als sie sich zusammen in ihren Gemächern im Palast von Karra befanden.
Machey blickte nachdenklich aus einem Fenster der Gemächer auf die von Fackeln erhellte Stadt hinunter.
„Das ist sicherlich gut, doch ich brauche vor allem noch die störrischen Adligen auf meiner Seite.“
Enreesa kam langsam und bedächtig auf ihn zu.
„Gib ihnen etwas, dass sie persönlich betrifft, dann folgen sie dir auch“, empfahl sie ihm.
„Das habe ich vor“, murmelte er, während sie ihn zärtlich umarmte.

Wiederum ein Jahr später war es soweit. Machey hatte eine erneute Versammlung einberufen. Die wichtigsten Adligen des Reiches kamen nach Karra und trafen sich zu einem Fest in der Stadt. Unter ihnen waren Fürsten wie Soumyl an’Dunnar, Garmyn an’Vorra und Varman an’Linroc. Das Fest sollte drei Tage dauern. Am ersten Tag begrüßte man die Ankömmlinge und gab die erste Feier, am zweiten Tag kam es nachmittags zur Versammlung. Sie alle saßen an drei langen Tischen in der Festhalle, die gerade erst von der Feier des Vorabends gesäubert worden war. Viele Anwesende hatten sich von dieser Feier noch nicht erholen können, unter ihnen Soumyl. Er hing halb über dem Tisch an seinem Platz, immer noch unter dem Einfluss des vielen Weines. Doch Garmyn, Varman und Machey selbst waren in gutem Zustand. Machey stand am Kopfende der Tische, fürstlich gekleidet und aufgemacht.
„Werte Herren“, sprach er, und sah sich betont in der ehrenwerten Runde um, „liebe Freunde.“
Einige sahen ihn bei diesen Worten giftig an, andere lächelten – doch die meisten blickten völlig ungerührt.
„Ich spreche hier im Auftrage Enreesas, eurer Herrscherin“, fuhr er fort.
„Und warum spricht sie nicht selber zu uns?“ fiel ihm Garmyn ins Wort.
Doch Machey gönnte ihm keinen bösen Blick, kein genervtes Aufseufzen.
„Sie hat mich damit beauftragt“, stellte er knapp fest.
„Lasst ihn reden“, unterstützte ihn Varman und blickte den Rest der Versammlung ernst an.
Diese schwiegen endlich und sahen abwechselnd ihn und Machey an, bis dieser Varman dankend zunickte und endlich mit seinem Anliegen fortfuhr.
„TuKarra befindet sich seit langem im Stillstand. Es ist träge geworden und ein leichtes Ziel für seine alten Feinde aus dem Westen.“
„TuReesten!“ entfuhr es Garmyn. „Worauf wollt ihr hinaus?“
Ungerührt von Garmyns Ausbruch fuhrt Machey selbstsicher fort.
„TuKarra sollte sich wieder im Kampf üben. Auch braucht es neue Ländereien und Rohstoffe. TuReesten ist schwach geworden.“
In der Versammlung entstand Gemurmel, während Machey einen Diener anwies, den Ständer neben Machey zu enthüllen, dessen viereckige Last bisher noch mit einem schwarzen Tuch verdeckt gewesen war. Eine Karte wurde offenbar, welche TuKarra und TuReesten zeigte. Im Norden und Süden grenzten Gebirge das große Tal ein, in dem die beiden Reiche lagen. Der gewaltige Strom Haregez durchfloss das Tal von West nach Ost. Karra lag am Ostrand von TuKarra, am Fluss. Rees lag nördlich des Flusses, nah der Berge. Die Tukonmauer trennte beide Reiche genau in der Mitte ihres gemeinsamen Gebietes. Sonst zeigte die Karte nur wenige weitere Orte und Örtlichkeiten.
„TuKarra und TuReesten waren einst ein Reich. – Tukon!“ erklärte Machey den Anwesenden, was diese schon längst wussten.
„Durch Verrat und Misstrauen wurde dieses Reich einst zerstört. Wir aber werden die Tukonmauer niederreißen und die Reiche unter der Führung von Karra wieder vereinen!“
Nahezu ausnahmslos sah man ihn überrascht, über besorgt bis sogar entsetzt an. Niemand tuschelte mehr.
„Ihr seid verrückt!“ stellte schließlich Garmyn fest.
Und selbst Varman hatte einen Einwand vorzutragen und erhob sich kurz.
„Wie wollt ihr das schaffen?“
Machey blickte, als sei ihm der Sieg bereits sicher.
„TuReesten wurde in den letzten Jahren von Räubern und anderen Völkern aus Nord und Süd bedeckt und hat seit eh und je Probleme mit den Wesen aus dem dort gelegenen Randetal. Es ist geschwächt und für uns nun eine leichte Beute.“
„Aber wenn wir angreifen, sind wir Raréon schutzlos ausgeliefert“, warf nun Soumyl sich ängstlich in den Stuhl drückend ein, der um seine Burg und sein eigenes Wohl fürchtete.
Machey lächelte, sich seiner immer sicherer werdend.
„Raréon wird in den nächsten Jahren noch nicht angreifen, seid euch dessen sicher. Und mit mehr Land und Gefolgsleuten im Rücken, werden wir uns seiner besser erwehren können, sobald es denn so weit ist. Davon abgesehen haben wir doch vor allem noch euch und Pegrott, die uns sicher gut verteidigen werden“, ergänzte er spöttisch.
Varman grinste Soumyl gehässig an, während dieser sich nervös in der Gesellschaft umsah, doch keine Unterstützung fand.
„Aber wir haben gar nicht genug Soldaten, um TuReesten anzugreifen“, stellte Garmyn fest.
„Doch, die haben wir“, begegnete ihm Machey und stützte sich übertrieben betont mit den Armen auf dem Tisch vor sich ab.
„Karlon von Morgolt wird an unserer Seite kämpfen.“
Nun wurde das Gemurmel im Raum nahezu ohrenbetäubend, Rufe wurden Laut und viele fragten sich, wie das möglich sei. Morgolt war das Reich, welches im Osten von TuKarra an dieses angrenzte. Die Beziehungen waren schon lange gut, doch ansonsten eigentlich eher ungebunden.
„Was verlangt er für seine Hilfe?“ fragte Garmyn, dessen Gebiet direkt an Morgolt grenzte und der nun Bosheiten von Machey erwartete.
„Keine Angst“, beruhigte ihn dieser aber, „er hat kein Interesse an euch. Nur an freien Handelsstraßen gen West und Anteilen an unserer Beute – Und an Unterstützung, wenn er selber mal in Not ist.“
„Ihr seid nicht Enreesa, nur ihr Mann“, wagte Garmyn zu sagen. „warum sollten wir euch folgen?“
„Tut es für euer Reich und eure Herrscherin“, antwortete ihm Machey.
Garmyn blickte zweifelnd und setzte zu einer Entgegnung an, da mischte sich jemand anders ein.
„Er handelt auf mein Geheiß, Garmyn“, sprach Enreesa und ging auf ihren Mann zu, um ihm den Arm um die Hüfte zu legen.
„Tut, wie er euch befiehlt.“
Nun schwieg Garmyn und wartete auf die nächsten Worte.
„Jeder, der mit mir zieht, bekommt Gebiete und Eroberungen zugesprochen“, kam Machey endlich zur Sache.
„Ich folge euch“, sprach da Varman, der auf eine Vergrößerung von Linroc hoffte, erhob sich von seinem Stuhl und grüßte Machey.
Nach und nach meldeten sich auch andere Adlige, standen auf und grüßten ihn. Fast alle von denen, deren Lehen an die Mauer grenzten und viele aus dem Herzen und sogar einige aus dem Osten des Reiches. Doch eine Gruppe um Garmyn an’Vorra schwieg und verschwörte sich heimlich gegen Machey. Enreesa musste ihre Macht anwenden, um sie später zur Gefolgschaft zwingen zu können.
Im selben Jahr noch, 2031 also, zog man gegen die erste Burg von TuReesten. Trotz seiner Schwächung und Probleme wehrte sich das Reich von TuReesten lange und hartnäckig, doch viele seiner Adligen waren untereinander zerstritten. Ebenso auch die von TuKarra, doch hielt diese Enreesa zusammen. Manurc von Rees gelang dies nicht, und so ergaben sich viele der Lehnsherren von TuReesten schnell den Eindringlingen oder liefen bereits über, bevor der Gegner überhaupt an ihrer Haustür zu klopfen vermochte. Trotzdem eroberte Machey erst 2033 die Hauptstadt Rees. Manurc floh bereits zuvor nach Caertal, einer kleinen und ehemals haretischen Stadt weit im Westen des Reiches. Die nächsten drei Jahre über war Machey damit beschäftigt, das Land zu befrieden und die Gebiete unter den ihm Getreuen zu verteilen, bevor er sich 2036 daran machte, endlich Caertal anzugreifen. Manurc hatte in all den Jahren keine weiteren Verbündeten finden können, und so setzte die Stadt nach Eintreffen der Nachricht, dass Machey auf sie zu kam, Manurc an’Rees einfach vor die Tür und lieferte ihn den Angreifern aus. Während diese ohne auch nur einen Blutstropfen vergießen zu müssen in die Stadt einzogen, verbannte man Manurc ins Ausland. Dieser floh, so schnell er nur vermochte, nach Fasia, einem Reich im Norden von TuReesten.
Enreesa und Machey ordneten an, die Tukonmauer weitflächig abzutragen, um wieder Verkehr zwischen Ost und West zu erlauben, ohne dafür ein Tor nutzen zu müssen.
„TuKarra und TuReesten sind nun wieder vereint als das Reich von Tukon!“ rief Machey siegreich strahlend vor den Bürgern der Stadt Karra, welche ihm zujubelten und Beifall klatschten.
Karra wurde Hauptstadt von Tukon, doch waren noch lange nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Misstrauen und Hass schwelten unter den Einwohnern von Ost- und Westtukon.
„Ob sie sich je wieder vertragen werden?“ fragte Enreesa eines Tages ihren Mann, während sie im Palast von Rees weilten, auf einem Balkon standen und die Stadt beobachteten.
„Sie werden es müssen, ob sie nun wollen oder nicht, oder sie werden untergehen“, stellte Machey finster fest.
„Sie werden das aber nicht verstehen“, entgegnete ihm seine Frau, „der Hass ist uralt und sitzt tief.“
„Es ist sonderbar, dass sich die, welche doch ein Volk sind, so hassen können“, sinnierte Machey nachdenklich.
„Das ist wohl unsere Natur“, sprach Enreesa.
„Dann ist es die Natur, die sonderbar ist“, ergänzte Machey.
Sie sah ihn sanft an und legte einen Arm um ihn. Die Steine, welche man von der Tukonmauer abtrug, sollten nicht verschwendet werden. Machey wusste, dass es nie zu Frieden in Tukon kommen würde, wenn man versuchte, von Karra aus über den Westen zu herrschen wie über das, was es doch war: ein erobertes Gebiet mit einem fremden Volk. Nein, man musste sich unter sie mischen, und so ließen Enreesa und Machey eine neue Hauptstadt errichten. Genau im Herzen von Tukon sollte sie liegen. Die Mauer stand dort noch, als man mit dem Bau begann, und so baute man um sie herum, nahm sie als Zeichen in das Stadtbild auf.
Im nächsten Jahr weilten Machey und seine Frau wieder in Rees. Machey war der Meinung, dass sie im Westen so oft wie möglich anwesend sein sollten, um das Volk an sie zu gewöhnen und ihnen vor allem nicht das Gefühl zu geben, bloße Eroberer zu sein. Und es klappte: Das Volk lebte sich langsam in die neuen Umstände ein und viele erkannten Enreesa als ihre Herrscherin an, doch unter den Völkern schwelte es noch. Machey nahm an einer Besprechung mit den Adligen TuReestens und TuKarras teil, welche er nach Rees geladen hatte. Auch Karlon von Morgolt war samt seinem Gefolge von Adligen anwesend. Sie besprachen immer noch einige Einzelheiten der Handelsfreigaben und saßen alle in einem Saal unten im Palast der Stadt. Enreesa befand sich dagegen gerade in den für sie und ihren Mann hergerichteten Gemächern oben im Palast. Sie war müde und wollte zu Bett gehen, daher rief sie nach einer Dienerin, die ihr bei der Umkleide helfen sollte. Sie schickte einen der Wächter, die vor ihrer Tür postiert waren, los, ihre Zofe zu holen.
„Herrin, wir dürfen euch nicht allein lassen“, sprach der Wächter.
„Es wird schon nichts passieren“, beruhigte sie ihn.
Dem anderen Wächter einen Blick zuwerfend, eilte er los. Doch als die Dienerin endlich eintraf, fand sie Enreesa bereits im Bett liegend vor. Dessen war die Zofe sehr verwundert und wandte sich gerade zum Gehen, da fiel ihr auf, dass Enreesa vollständig bekleidet da lag. Als sie sich ihre Herrin neugierig näher ansehen wollte, bemerkte sie das Blut an ihr und auf den weißen Laken.
„Nein!“ entfuhr es der Zofe entsetzt schreiend.
Die beiden Wächter draußen im Gang sahen sich gewarnt und aufgescheucht. Sofort stürmten sie in das Zimmer, doch kamen sie zu spät, um noch jemanden zu retten. Der Attentäter, welcher auch Enreesa angegriffen hatte, sprang aus seinem Versteck und brachte die Zofe schnell und plötzlich zum Schweigen. Die Wächter konnten nur noch mit ansehen, was da geschah, und bedrohten den Attentäter mit ihren Waffen. Dieser sah sie nur finster an.
„Ihr bekommt mich nicht!“ schrie er.
Der Attentäter nahm kurz Anlauf und sprang durch das Fenster des Zimmers hinab in den Garten. Er sollte es nicht überleben. Die Wächter stürmten sofort hinab und unterbrachen Macheys Versammlung, um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen.
„Die Herrscherin ist tot!“ verkündete einer von ihnen so wenig gefühlvoll, wie nur möglich.
„Was?“ war alles, was Machey in dem Moment von sich brachte.
Er wurde kreidebleich und sank in seinem Stuhl zusammen.
„Was ist geschehen?“ verlangte Garmyn zu wissen und blickte ebenso entsetzt wie alle anderen in der Runde.
„Ein Attentäter!“ erklärte der Wächter.
„Er ist tot!“ ergänzte der andere.
„Bringt uns zu ihr!“ verlangte Varman von ihnen.
Er stand auf, ging zu Machey und legte ihm eine Hand auf die Schulter, da dieser stark zitterte. Wenig später standen sie zu fünft in den Gemächern im oberen Stockwerk. Garmyn untersuchte Enreesa kurz, doch tatsächlich kam jegliche Hilfe viel zu spät für sie.
„Lasst mich mit ihr allein!“ verlangte da Machey plötzlich.
Garmyn funkelte ihn böse an, hatte doch auch er Enreesa geliebt, wie jeder Bürger des Reiches, doch Varman legte diesem beruhigend eine Hand auf den Arm und führte ihn zusammen mit den beiden Wächtern aus dem Raum. Draußen warteten Karlon und drei weitere hohe Adlige. Der Rest tuschelte gerade noch in der Versammlungshalle. Machey blieb die gesamte Nacht über bei seiner Frau. Als es dunkler wurde, schaffte man die Leiche des Attentäters in die Versammlungshalle, wo sich wieder alle außer Machey versammelt hatten und nun über den Vorfall sprachen.
„Ich kenne ihn!“ stellte Varman überrascht fest, als man dem schwarz gekleideten Toten die Maske vom Gesicht riss.
„Wer ist es?“ fragte ihn Garmyn und nahm sich eine weitere berauschende Pflanze zur Hand, um darauf zu kauen.
„Er ist ein Händler hier aus Rees!“
Und alles raunte, doch einige stimmten ihm zu.
„Er war wohl noch mehr, als bloß ein Händler“, stellte Garmyn fest, konnte ein leichtes Kichern nicht verkneifen und kaute weiter.
„Garmyn, ihr seid nicht mehr nüchtern“, erkannte Karlon.
Doch brachte er lieber schnell den Gegenstand des Gespräches zurück auf den Toten, der da auf dem großen Tisch zwischen ihnen lag.
„Wann habt ihr ihn das letzte Mal gesehen, Varman?“ fragte Karlon.
„Vor wenigen Wochen erst!“ antwortete der Gefragte.
„Vielleicht haben ihn die Reestener angeheuert?“ fragte sich Karlon ruhig und warf den Anwesenden finstere Blicke zu.
„Niemals!“ entfuhr es einem Reestener namens Brannac.
„Wir sind nicht so unehrenhaft wie die Karraner!“ ergänzte ein anderer.
„Das sagen gerade die, welche ihren eigenen Lehnsherrn Manurc verrieten und zum Feind überliefen!“ spie Karlon förmlich aus.
Brannac stand ruckartig auf, dass sein Stuhl nach hinten über fiel, und zog seine Waffe blank.
„Wagt es ja nicht, uns zu beleidigen!“ zischte er.
„Meine Herren, kein weiteres Blutvergießen hier!“ rief da Varman und stellte sich zwischen die beiden Gegner, sie mit den Händen von einander abblockend.
„Wir verlassen die Stadt!“ verkündete Brannac und steckte seine Waffe ein, „Das müssen wir uns nicht gefallen lassen!“
Und so taten sie dann auch. Auch Karlon kehrte heim. Später suchte Varman Machey auf, welcher sich in andere Gemächer zurückgezogen hatte und starr in einem Sessel saß.
„Herr, die von TuReesten und von Morgolt wollen abreisen, sie drohen sich mit Mord und Krieg!“ versuchte Varman Machey zu benachrichtigen, doch dieser starrte nur weiter vor sich hin.
Machey war zu keiner Handlung mehr fähig. Varman musste die nächsten Tage dafür sorgen, dass Enreesa samt Trauergefolge nach Karra gebracht wurde, während er selbst in Rees blieb und für Ruhe in Volk und Adel zu sorgen versuchte. Enreesas Leiche wurde in Karra verbrannt und nach einer fünftägigen Trauerzeit hatte sich auch Machey endlich wieder einigermaßen gefasst. Während überall in Tukon, besonders aber im Westen, die Stimmung immer angespannter wurde und ein Bürgerkrieg drohte, rief er wieder alle Adligen zusammen, diesmal in Varmans Burg Linroc in den Bergen. Es kamen jedoch nicht alle. Sie saßen wie immer gemeinsam um einen Tisch, Machey vor ihnen, mit dem düstersten Ausdruck im Gesicht, den die Versammelten je gesehen hatten.
„Der Attentäter kam nicht aus Rees, wurde nicht von ihnen geschickt“, kam Machey sofort zum Punkt.
„Wer hat ihn dann geschickt?“ erkundigte sich Garmyn.
„Er wurde von Raréon entsandt, um uns zu entzweien, um West und Ost gegeneinander zu hetzen – was auch geklappt hat.“
Lautes Raunen ging durch den Raum, überall überraschte Gesichter.
„Was macht euch dessen so sicher?“ wollte Brannac wissen.
Machey nahm ein Papier vom Tisch und hob es kurz hoch, um es allen zu zeigen.
„Es wurde dieser Brief in den Habseligkeiten des Mörders in Rees gefunden, der von Raréon stammte.“
Wieder entstand Gemurmel und viele Gesichter sahen ihn verwirrt bis ungläubig an.
„Was habt ihr nun vor?“ fragte Varman.
Machey sah sie alle ernst an.
„Zeigen wir ihm, dass Tukon sich nicht so leicht wieder auseinander trennen, nicht so leicht gegeneinander aufhetzen lässt, und erteilen ihm eine Lehre - eine, die er nicht vergessen wird!“
Brannac nickte ihm zu.
„Wir stehen hinter euch“, sprach er für alle.
Auch andere Adlige aus dem Westen schlossen sich ihm an, Kriegsrufe ertönten lautstark über Linroc. Nachdem die Versammlung aufgelöst worden war und alles sich zerstreute, trat Varman an Machey heran, der sich nachdenklich an den Tisch gesetzt hatte, und beugte sich zu ihm herunter.
„Das war ein kluger Zug.“
Natürlich wusste Varman, dass ein solcher Brief nie gefunden worden war. Machey nickt nur und sah ihn ernst an.
„Sonst wäre es zum Bürgerkrieg gekommen.“
Monde später hatte sich eine Armee vor den Toren Pegrotts versammelt. Die Kämpfer lagerten außerhalb der Feste, am Fuße der Klippe, auf welcher sie sich befand, derweil Machey im Inneren erneut die Adligen aus allen Teilen des Reiches traf. Im Innenhof hatte man kleine Tische aufgestellt, auf denen Karten ausgebreitet worden waren. Nun standen alle darum herum und sahen Machey angespannt an.
„Wir greifen morgen früh an“, erklärte dieser.
Dann wandte er sich an Varman, welchen er zu seinem General über all seine Truppen ernannt hatte.
„Varman, wie lautet euer Plan?“
Dieser trat vor und zeigte sich den anderen.
„Der Pass lässt uns kaum Spielraum“, erklärte er, „also gehen wir einfach drauf los und greifen von vorne an.“
Machey nickte nachdenklich und besah sich die anderen Adligen, die zur Versammlung eingetroffen waren. Einige hatten die Gefolgschaft verweigert und waren von Machey zur Verteidigung der restlichen Grenzen eingeteilt wurden. Dazu gehörte vor allem eine Gruppe um Garmyn an’Vorra. Dafür aber waren Brannac und viele andere aus Reesten da, welche ihre Ehre verteidigen wollten und nun zu Macheys wichtigsten Anhängern gehörten. Soumyl wiederum würde zur Verteidigung der Feste in dieser zurückbleiben, sobald die anderen aufgebrochen wären.
„Macht euch bereit“, befahl Machey ihnen.
Tags darauf standen Machey und Varman auf der Außenmauer der Feste und blickten auf ihre Gefolgschaft hinab.
„Krieger von Tukon!“ rief Varman hinab und breitete die gepanzerten Arme aus, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und auf Machey zu deuten.
„Hört euren Herren!“ rief er und trat beiseite, um diesem genug Platz zum Sprechen zu machen.
Die Krieger grüßten Machey lautstark. Er deutete ihnen, ruhig zu sein.
„Krieger von Tukon!“ grüßte auch er sie und alle sahen ihn gespannt an.
„Ihr seid hier, euer Reich zu verteidigen, euer Land, eure Heimat. – Und um eure geliebte Herrscherin, meine geliebte Frau, zu rächen!“
Von unten brüllten hunderte Kehlen Zustimmung.
„Reestener und Karraner! Ihr seid wieder ein Volk, dass seinen Feinden zeigen kann, wie es stets vereint zusammen steht!“
Wieder schrie man, dann erhob Varman das Wort.
„Ihr kämpft hier nicht nur für eure Heimat, sondern auch für das wiedervereinte Tukon, merkt euch das! Die neue Hauptstadt eures Reiches liegt auf dem Gebiet beider Teile, es gibt keine Grenzen mehr zwischen West und Ost! Grüßt euren Herrscher, den Lort Machey, und eure neue Hauptstadt, die Stadt des Lorts: Illort!“
Und man schrie Kampfesrufe.
„Für Illort!“ brüllte Varman.
„Für Illort!“ kam es aus hunderten Kehlen.
„Für den Lort!“ rief Varman.
„Für den Lort!“ antwortete man ihm.
„Für Enreesa!“ verlangte Varman.
„Für Enreesa!“ erwiderten selbst die Reestener.
„Für Tukon!“ schrien Varman und Machey schließlich zusammen, so laut sie nur konnten, und reckten ihre Waffen gen Himmel.
„Für Tukon!“ ertönte es überall im Tal.
Banner wurden erhoben, Fahnen geschwenkt, Schwerter auf Schilde geschlagen und alles brüllte vor Kampfeslust. Varman gab Zeichen und die ihm unterstellten Adligen führten ihre Leute das Tal entlang und den Pass hinauf. Machey und Varman begaben sich hinab zu ihren Reittieren und folgten ihnen alsbald, derweil Soumyl ihnen Abschiedsgeleit gab. Es war ein heller Sommertag und Raréon erwartete sie bereits.


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VIII: Das Wiedersehen von Lían und RaíInhaltsverzeichnis
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