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An der Grenze

Kurzprosa zum Thema Zeit


von BrigitteG

Ich wünschte, ich könnte diesen Raum von innen fühlen. Könnte ihn fühlen durch die Augen eines Mannes, der vor 400 Jahren im Chorgestühl sitzt und das Stundengebet singt. Würde den Raum sehen, wie er damals ist, mit 30 Klerikern auf jeder Seite, blakenden Altarkerzen, deren Flackern nur unvollkommen den Raum erhellt, Weihrauch, der zusammen mit der mächtigen Orgelmusik die Sinne gleichzeitig schärft und benebelt, in eine Trance versetzt, so weit weg, dass man nur noch Körper ist, das Denken ausgelöscht, kein Bewusstsein mehr, kein Zeitempfinden, kein Handeln, nur ein Hintergrundrauschen mit den lateinischen Sätzen, altvertraut, und oben in der Kuppel die drückende Version der Apokalypse, aufsteigende Bilder voller Schuld und Angst, das Sich-Aufgeben in eine Macht, an der man immer wieder verzweifelt und die doch das eigene Schicksal ist.

So aber halte ich mit beiden Händen das verschlossene schmiedeeiserne Tor fest, schaue hinein in eine fremde Welt, und mit jeder Minute, die ich länger in diese Kapelle blicke, fühle ich mich stärker hineingezogen, als ob ich selbst dort säße, den alten Geruch in der Nase und das dämmerige, vergilbende Licht vor Augen, während hinter mir die Menschen mit einem bunten Reiseführer in der Hand durch die Pracht eines perfekten, kalten Raumes wandern.


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Kommentare zu diesem Text


tueichler
Kommentar von tueichler (16.06.2010)
Ich hab den Pisaner, den Florentiener und einige andere Dome der Toscana besucht. Wahrscheinlich gehöre ich zu 50% zu den Reiseführerverführten. Ohne jegliche Erklärung kann so ein Raum erst wirklich wirken. Jedenfalls laß ich den Scheiß jetzt weg und versuch, den Raum zu erspüren. Ist mir zuletzt in einer kleinen romanischen Kapelle in Rheinhessen gelungen.

Erstasunlicherweise saß im Pisaner Dom ein Pärchen hinter mir in den Bänken und unterhielt sich lange und ausgiebig über die Stilelemente der Statuen und Kanzeln. Sie hatte ein auszuleihendes Vließtuch über den nackten Schultern, er eine EOS Kamera. Am Ende sagte sie, "Laß uns was essen gehen". Eben doch nur profan. Auch mit züchtigem Tuch.

lg, Tom
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BrigitteG meinte dazu am 17.06.2010:
Es war übrigens die Chorkapelle im Petersdom, die ich beschrieben habe, Tom. Und ich mache das auch oft bei Kirchen: einfach reinsetzen, gucken und ruhig werden. Auch wenn ich mit der klassischen Kirche nicht so viel am Hut habe, mag ich doch die Atmosphäre. Herzliche Grüße, Brigitte.
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Bergmann
Kommentar von Bergmann (16.06.2010)
Ein sehr schön formulierter Gedanken-Gang!
LG, Uli
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BrigitteG antwortete darauf am 17.06.2010:
Danke, Uli, das freut mich - aber Du musst aufpassen, dass Du vor lauter Sympathie für die Person nicht die rosarote Kritikerbrille aufsetzt *g*...
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Lala
Kommentar von Lala (16.06.2010)
Hallo BrigitteG,

der zusammen mit der mächtigen Orgelmusik die Sinne gleichzeitig schärft und benebelt, in eine Trance versetzt, so weit weg, dass man nur noch Körper ist, das Denken ausgelöscht, kein Bewusstsein mehr, kein Zeitempfinden, kein Handeln, nur ein Hintergrundrauschen

Ließ mich darüber nachdenken ob ein Dom, eine Kathedrale nicht auch so eine Art Kino und Coffeeshop des MA und der frühen Neuzeit gewesen sein mochten? Die Apokalypse und das Fegefeuer der Bruckheimer und die Bergpredigt Autorenkino? Ohne Unterhaltung und Dauerbedröhnung ist für manchen die Einöde des eigenen Seins ja kaum erträglich. Ich las auch mal, dass die im Mittelalter beim Gottesdienst wie doll in der Kirche in so einer Art Polonaise herummarschiert seien. Es stimmt, heute wirken diese riesigen Schiffe kalt, leer und ausgehöhlt. Skelettartig. So wie diese riesigen Dinoskelette im Museum.
Der Text gefällt mir doch wesentlich besser als die „Winke, winke“ Kolumne.

Gruß

Lala
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BrigitteG schrieb daraufhin am 17.06.2010:
Hallo Lala, ja, ich denke auch, dass die Leute sich damals (zumindest bei besonderen Gelegenheiten) mit kirchlichen Festen einiges an Unterhaltung geholt haben. Und Weihrauch soll ja durchaus berauschende Wirkung haben. Das Kalte, das ich zum Schluss beschrieben habe, war der Dom selber, der nur eine Ausstrahlung von Perfektion hatte. Die Domkapelle vor mir war in ihrem halbdunklen Licht so ganz anders. Grüße von Brigitte.
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mondenkind
Kommentar von mondenkind (16.06.2010)
ja, diese alten gebäude schaffen es immer wieder, ihre geschichte zu erzählen, wenn man nur genau hinschaut und -hört. schön geschildert, brigitte. man folgt dir bis an die grenze dieser anderen welt. und wer weiss, was wäre, wenn es kein schmiedeeisernes tor dort gäbe. lg, nici
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BrigitteG äußerte darauf am 17.06.2010:
Vielleicht hätte ich tatsächlich eine Zeitreise gemacht, Nici - und ehrlich gestanden würde ich das für einen Tag absolut interessant finden. Liebe Grüße, Brigitte.
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Martina
Kommentar von Martina (16.06.2010)
Bin gern mitgewandert, hab hinter dir gestanden und gesehen, was du gesehen hast- dank deiner tollen Beschreibung...
Ich mag so alte Gemäuer und stelle mir dann vor,
was diese alten Steine schon alles gehört haben....Schloss Schwanstein, da ging es mir ähnlich....mit den Hintergängen, wo man zu den Geliebten schlich....mit den großen Fenstern- ohne Glas...also ich wäre da erfroren, ein Grund wahrscheinlich, warum ich in dieser Zeit lebe, wo es Heizdecken gibt =)

Schöhn, mal wieder von dir zu lesen..viel zu selten finde ich =)

Lg Tina.
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BrigitteG ergänzte dazu am 17.06.2010:
Meine ganze Beschreibung der Chorkapelle hat übrigens einen Haken, Martina: ich war danach noch in der Vatikanbuchhandlung, um nach Infos über diese Kapelle zu suchen, und fand auch dummerweise ein Foto. Und der Fotograf hatte natürlich vor der Aufnahme alles ordentlich ausgeleuchtet - kurz gesagt: diese wunderbar atmosphärische Kapelle sieht mit starkem Licht genauso perfekt aus wie der Rest vom Petersdom und mein ganzer toller Eindruck war flöten gegangen *g*. Aber so, wie sie aktuell war, ohne Fotograf, gab es gelbe Vorhänge vor den Fenstern, und keine künstliche Beleuchtung - das gab dieses vergilbte, total alte Licht, das mich so faszinierte... Liebe Grüße, Brigitte.
(Antwort korrigiert am 17.06.2010)
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Martina meinte dazu am 17.06.2010:
Verstehe ich sehr gut.....
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Kommentar von The_black_Death (31) (01.07.2010)
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The_black_Death (31) meinte dazu am 01.07.2010:
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BrigitteG meinte dazu am 01.07.2010:
Ah ja, danke für Deinen Vorschlag mit dem Killer und dem Koks - genau mein Gedankengang *ggg*.

Deine Frage nach einer Kurzgeschichte ist absolut berechtigt - ich habe das Gefühl, dass ich das nicht kann. Ich kann immer nur das schreiben, was ich als Bild vor mir sehe, und ich denke, dass ich dann bei einer Geschichte lauter einzelne Szenen hätte, die ganz unverbunden wären oder nur mit Krampf eine Verbindung bekämen.

Aber vermutlich müsste ich es einfach mal probieren - es reicht ja, wenn ich den 10. Versuch einstelle, und nicht den ersten *g*.
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The_black_Death (31) meinte dazu am 01.07.2010:
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BrigitteG meinte dazu am 01.07.2010:
Nee, ich glaube auch nicht, dass ich einen Mord fürchten muss *g*. Ich habe allerdings den Ehrgeiz, mich hier nicht zu blamieren, d.h. es sollte Alles mindestens durchschnittlich sein, und von daher bleibt viel in der Schublade...
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Kommentar von dschenna (32) (11.04.2011)
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BrigitteG meinte dazu am 11.04.2011:
Meist sitze oder stehe ich nur ganz still da und lasse eine Atmosphäre auf mich wirken... es waren das alte gelbe Licht und der spezielle Geruch der Luft, wovon ich fasziniert war. Schön, dass es Dir zugesagt hat!
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Kommentar von CalandriaGitana (50) (28.02.2012)
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BrigitteG meinte dazu am 29.02.2012:
Danke für das Kompliment - aber dauernd funktioniert sowas nicht. Es muss irgendetwas sein, was mich emotional sehr anrührt, damit ich das hinkriege, anders zu schreiben als sonst. Und diese Kapelle im Petersdom hat mich so fasziniert, dass ich ein zweites Mal hingegangen bin, und morgens um viertel nach sieben (ohne Frühstück!!!) noch mal da war. (Wer mich kennt, weiß, dass das nur alle paar Jahre passiert *g*).
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MrDurden
Kommentar von MrDurden (29.07.2012)
Schöner Text und Formulierungen, in die man sich sehr gut hineindenken und -fühlen kann. Auch wenn ich mich zu Kirchen und Kapellen weniger hingezogen fühle.
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BrigitteG meinte dazu am 29.07.2012:
Ich fühle mich zu Kirchen genauso hingezogen wie z.B. zu Burgen, getreu dem Motto "Ja, kann man ja besichtigen". Der Petersdom insgesamt war durchaus beeindruckend, auch monströs, aber das wirklich Prägende, was mir davon in Erinnerung blieb, war das alte Licht und der alte Geruch in dieser kleinen Seitenkapelle... schön, dass es rüberkam
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (04.01.2014)
Ich glaube, du kennst das Gefühl, dass derjenige empfindet, der im Bamberger Dom hinter dem Hauptaltar auf die offene Erde blickt, unter der früher Menschen bestattet wurden, und kennst die tiefe Stille, und längst vergangene Bildfetzen, die von dort als Erinnerungsfragmente Verstorbener in deinem Bewusstsein vorübergehend aufblitzen. Sehr anschaulich und stimmungsvoll geschriebene Prosa über ein Thema, das ich besonders mag.
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BrigitteG meinte dazu am 04.01.2014:
Jeder Mensch wird sicher durch andere Bilder in die Vergangenheit gezogen, und jedesmal ist es beeindruckend und berührend, denke ich. - Vor etlichen Jahren war ich im Bamberger Dom, aber sicher nicht hinter dem Hauptaltar. Falls ich wieder in Bamberg bin, werde ich mich daran erinnern!
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BrigitteG
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Veröffentlicht am 16.06.2010. Textlänge: 203 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.901 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 09.08.2020.
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