Abkürzung

Gedicht zum Thema Abgrund

von  Isaban

Ja, sie irrte, lief seit Tagen
durch die unbekannten Wälder,
Regen fiel, ihr wurde kälter;
eine Faust saß ihr im Magen.

Leer der Rucksack, die Behälter,
selbst die Flaschen. Unbehagen
krallte sich ins schrille Schlagen
ihres Herzens, Dornenfelder

in die Stirn und ihren Blick,
Grauen saß ihr im Genick,
zwang sie, sich noch zu bewegen,

doch vom Boden jener Pfütze,
aus der sie grad trinken wollte,
siechte ihr ein Kind entgegen,

dem sie kurz und innig grollte:
Dieses Kind trug ihre Mütze.
Sie musste sich bald zu ihm legen.

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Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (07.08.12)
Kurz gesagt: Das klingt richtig abgründig, geradezu albtraumhaft.
Liebe Grüße, Dirk

 Isaban meinte dazu am 07.08.12:
Na, dann scheinen ja diesmal die Stilmittel zu packen. ;)
Ich dank dir schön für deine Rückmeldung, Dirk.

Liebe Grüße,

Sabine

 Perry (07.08.12)
Hallo Sabine,
ich sehe eine Wanderin vor mir, die sich veriirt hat, speziell kommt mir die Geschichte einer Frau in den Sinn, die nach einem Flugzeugabsturz tagelang durchs Amazonasgebiet irrte.
Klasse ist das Bild mit dem siechenden Kind, das aus der Pfütze blickt, macht richtig Gänsehaut.
LG
Manfred

 Lluviagata (07.08.12)
Das Spiegelbild ist es, was mir Gänsehaut verursacht.
Gut ist der lakonische letzte Satz, der ein bisschen an ein hungriges Wolfsjunges erinnert. Bar jeglicher Zivisation und Hilfe erwachen letztendlich tierische Instinkte im Menschen ...

Abkürzung - eine Mahnung dafür, lieber den längeren, vorgegebenen Weg zu nehmen als die lockende Abkürzung, die sich als gefährlich erweisen könnte. ♥
(Kommentar korrigiert am 07.08.2012)

 irakulani (07.08.12)
Am Ende steht man wieder am Anfang...
Der Weg dahin kann aber auch recht lang sein.

Ein schauriges u. eindringliches Bild, das du gezeichnet hast, Isaban. Ich sah es vor mir, wie eine Filmszene.

L.G.
Ira

 mnt (07.08.12)
Gefällt mir sehr. Insbesondere durch die „Spürbarkeit“ des Gefühls des dürstenden Umherirrens (auf der Reise ins Innerste). Grüße mnt
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