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Mit gekreuzten Fingern Texte posten, zur Arbeit gehen, ficken... alles mit gekreuzten Fingern tun

Erzählung zum Thema Verlorenheit


von toltec-head

Niemand kann das Posten eines Texts auf einem LitForum ganz ernst nehmen. Gut, ein absoluter Idiot kann es vielleicht. Und die meisten Leute, die Texte auf LitForen posten sind ja natürlich, als verstünde es sich von selbst, genau dies, absolute Idioten. Aber selbst absolute Idioten muss das ernstgemeinte Posten ihrer Texte einigermaßen schwer fallen, jedenfalls auf Dauer, weshalb es mit der Dauer auf LitForen so eine Sache ist. Jeder, der einen eigenen Text auf einem LitForum postet, kann gar nicht anders, behaupte ich mal, als im Akte des Postens sich des Umstands bewusst sein, dass er dieses Posten unmöglich ganz ernst nehmen kann. Man postet einen Text auf einem LitForum also grundsätzlich mit gekreuzten Fingern. Eh voilà, warum man auf LitForen keine Gedichte posten kann. Wenn jemand, was ja andauernd geschieht, ein Gedicht auf einem LitForum postet, sich aber, was ja aber gar nicht anders sein kann,  im Akt des Postens dieses Gedichts, und sei es noch so echt,  bewusst wird, dass er diesem seinem Gedicht im Grunde bereits abgeschworen hat, weil er gar nicht anders kann, als es nur mit gekreuzten Fingern zu posten, so ist es kein echtes Gedicht mehr. Textend einem Text abschwören, das geht - ich mach es hier ja andauernd. Dichtend einem Gedicht abschwören, das geht nicht. Mehr als 1,2x hält das selbst kein absoluter Idiot durch.

Als ich eben von der großen Entdeckung meines Lebens sprach, dass nämlich die Internetliteraturforen-Prinzipien heute überall gelten, so meinte ich damit genau dies, dass man heute also alles nur mit gekreuzten Fingern macht. Vielleicht nicht ganz so bewusst wie beim Texten auf LitForen, weil das versteckte Kreuzen der Fingern in anderen Bereichen nicht so auffällt, obwohl es auch in diesen anderen Bereichen ganz so wie auf LitForen unzweifelhaft da ist. Dass das alles mit gekreuzten Fingern Tun einem auf LitForen sofort auffällt, macht diese ja überhaupt erst interessant und - um jetzt mal ein geschwollenes Wort aus alten Studienzeiten zu verwenden - paradigmatisch, jedenfalls bei weitem interessanter als sämtliche Texte, die dort so gepostet werden, selbst. Nicht nur postet man also Texte mit gekreuzten Fingern. Man geht sicherlich auch zur Arbeit mit gekreuzten Fingern. Ja, heutzutage fickt man sogar mit gekreuzten Fingern. Der ganze Akt des Lebens wird zu einem einzigen Fingerkreuzen. Und schließlich kratzt man ab; mit gekreuzten Fingern versteht sich. Und um sich dessen bewusst zu werden, können LitForen hilfreich sein. Nicht wegen der Texte. Die sind vollkommen uninteressant. Die Texte sind etwas von und für Idioten. LitForen sollten eigentlich gar nicht LitForen heißen, sondern Bewusstseinsmaschinen für Kreuzfinger-Einübungen.

Meine lieben LitForen-Kollegen, ihr glaubt wohl, ich möchte euch zum Lachen bringen? Weit gefehlt. Ich bin sicherlich alles mögliche, aber eines bin ich ganz sicher nicht: euer Troll. Wenn es mir aber gelungen ist, euch mit meinem Gequatsche ein wenig zu irritieren, wie es mir sicher - ich spüre das! - schon gelungen ist, so dass euch nun die Frage auf der Zunge liegt, wer ich denn nun eigentlich sei? - dann möchte ich euch die Antwort geben: Ich bin ein Kindergeldkassen-Regierungsrat als Hannover. Ich diente als Kindergeldkassen-Regierungsrat in der Arbeitsagentur von Hannover.  Letztlich aber all die Jahre nur mit gekreuzten Fingern und bloß um etwas zum essen zu haben. Und als letztes Jahr meine Mutter starb und mir 200.000 € hinterließ, habe ich mein Amt als Kindergeldkassen-Regierungsrat sofort niedergelegt und mich endgültig in dieses Wohnklo verzogen. Das heisst, ich habe in diesem Wohnklo schon zuvor gewohnt, aber erst jetzt bin ich dorthin endgültig verzogen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Oskar
Kommentar von Oskar (31.03.2019)
Same here. Nur hier war es der Stiefvater.

Mir kommts eher vor, dass dein Fingerkreuzen Ironie ist. Alles ist nur noch irgendwie ironisch gemeint. Vollkommene Schizosituation.
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toltec-head meinte dazu am 31.03.2019:
Hast du denn schon mal ausgerechnet, wie lange es reicht und zu welchen Bedingungen?
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Oskar antwortete darauf am 31.03.2019:
Dafür muss ich erstmal ein Haus verkaufen. Gibt aber schon einen Willigen. Hoffe es reicht, nach Schuldenabzahlung, um eine Ausbildung als Tierpfleger zu machen, ohne mein Konsumniveau senken zu müssen. Hängt auch davon ab, wie hoch die Mieten in NRW sind. Ziehe das dieses Jahr hin.
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toltec-head
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Notizen aus dem Wohnklo.
Veröffentlicht am 31.03.2019, 11 mal überarbeitet (letzte Änderung am 31.03.2019). Textlänge: 578 Wörter; dieser Text wurde bereits 201 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.08.2020.
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