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Männer-Wochenende in Bonnard

Bericht zum Thema Orte


von eiskimo

Herbst im burgundischen Bonnard. Ich war wieder zu Gast bei meinen Freunden im Morvan, ja, erstmals zu dieser späten und weniger einladenden Jahreszeit. Diese waldreiche Hügellandschaft wird dann spürbar ungemütlich. Der Tourismus ist deutlich zurückgeschrumpft, man trifft nur auf ein paar wenige Wanderer, die mit ihren Nordic Walking Stöcken, bunten Rucksäcken  und den K-ways  dem regnerischen Wetter trotzen - Franzosen lieben das perfekte Equipement!
Aber was machen eigentlich die Einheimischen, wenn am ersehnten „week-end“ in erreichbarer Nähe keinerlei Festivitäten oder Flohmärkte mehr für Abwechslung sorgen? Aus meiner Sicht lässt sich diese Frag ganz einfach beantworten, zumindest für die Männer. Denn die sind dann im Wald.
    Die Einen kann man schon am Samstag ganz früh beobachten, denn sie tragen orange-farbene Westen, stehen in kleinen Gruppen um ihre Pickups herum und halten an straffen Leinen ihre japsenden Terrier oder Beagles: Les chasseurs.
Die Jäger sperren mit Beginn der Jagdzeit im Herbst ganze Waldgebiete ab mit Warnschildern, die „Tirs á balles“ androhen oder „Chasse en cours“ - Attention, es werde scharf geschossen und hier werde gejagt!
Tatsächlich hört man dann bis in die Dörfer hinein die keifenden Hunde, ab und zu übertönt von einem Jagdhorn und … echten Schüssen.
Warum wird bei den Franzosen rituell so viel und leidenschaftlich gejagt? Warum ist das Land flächendeckend für organisierte Jäger „reserviert“?  „Chasse gardée“, diese Schilder säumen jegliche Wälder und Wiesen in unserem Nachbarland.
Meine Freunde, selber keine Jäger, reagieren zwiegespalten. Die Wildschweine haben überhand genommen, der Dachs ist zu einer wahren Plage geworden und ein bisschen Damwild soll es auch noch geben. Nötig sei es schon. Aber diese eingeschworenen Männer-Bünde, die da in fast archaisch anmutender Manier in die Wälder zieht, naja.... Es soll jedes Jahr dabei Tote geben, trotz der erheblich verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Aber für den Zusammenhalt eines Dorfes, für das Miteinander der Bewohner, sei das Jagdwesen halt wichtig.
    Soviel über die in Khaki oder Oliv uniformierten Waffenträger. Sie haben aber große Konkurrenz, auch aus den Reihen der männlichen Dorfbewohner, auch wieder uniformiert und auch von weitem gut hörbar. Es sind die Motorradfahrer, genauer: Die Moto-Cross-Aktiven! Die starten etwas später als die Jäger; sie meiden auch die ausgewiesenen Jagd-Reviere, aber sie heizen dann in kleinen Pulks umso intensiver über die verbliebenen Waldwege. Passten sich die Jäger kleidungsmäßig noch der Natur an, so sind die Biker deutlich bunter unterwegs. Schon ihre Trial-Maschinen fallen durch grelle Farben auf, und mit ihren markigen Schutzanzüge wollen sie selber das auch...bis sie alle, Mensch und Sportgerät, durch den aufgespritzten Matsch in einheitliches Braun gefärbt sind.
Wieder reagieren meine französischen Freunde spürbar reserviert, als ich sie frage, wie diese Cross-Piloten denn in Bonnard gelitten seien. „Es sind ja in erster Linie junge Männer, die sich da austoben,“ erklärt mir Jean-Pierre (mein Austausch-Partner, mit dem ich seit 1968 korrespondiere). „Und was sollen sie hier groß Anderes tun?“ Sie kompensierten damit halt, dass sie auf dem Land gewissen Freizeitmöglichkeiten nicht hätten. „Verbieten kann man es nicht, so lange sie offizielle landwirtschaftliche Wege nutzen. Dass ihre Maschinen keine Nummernschilder haben und nicht versichert sind, ist ein anderes Problem.“
Jean-Pierre ergänzte dann, dass neben den Motorrädern aber noch andere „Verbrenner“ im Wald ordentlich Krach machten, nämlich die Quads. „Da sitzen dann die älteren Männer drauf, denen das Trial-Fahren zu gefährlich geworden ist.“
In der Tat sah ich dann Samstag abends mehrere Gruppen fast kriegerisch anmutender Quad-Piloten  ins Dorf heimkehren. Sie trafen sich am Bistro, wo sie lautstark ihre Heldentaten austauschten.
„Steht dieser Motorsport eigentlich nicht dem Naturpark-Gedanken des Morvan völlig entgegen?“ fragte ich. „Hier gilt doch sicher das Gebot, extremen Lärm und unnötige Umweltbelastung zu vermeiden.“
Jean-Pierre zuckte mit den Achseln. „Wir sind nur ein Regional-Park, da sind gewisse Konzessionen an die Wirtschaftsinteressen nötig, und die Quad-Fahrer, die kommen aus Belgien oder Nordfrankreich extra her, die bringen der Tourismus-Branche guten Umsatz – stell dich dem mal entgegen!“
So ganz zufrieden stellte mich diese Antwort nicht. „Was ist mit den anderen Touristen, den sanften, die vielleicht nur wandern und die Ruhe dieser tollen Landschaft genießen wollen – werden die damit nicht verschreckt? Und wären die auf die Dauer nicht die nachhaltigere Kundschaft?“ Erneut bekam ich ein Achselzucken. „Der Bürgermeister versucht, es allen Recht zu machen – voilà!“
        Am Sonntag Morgen war ich wieder früh im Wald. Ich versuchte, das üppige Dîner des Vorabends ab zu trainieren, per Mountain-Bike. Prompt traf ich sie wieder, die Männer aus Bonnard. Aber die hier, die waren höchst diskret unterwegs, fast alle einzeln, und alle zu Fuß. Sie trugen breite Flechtkörbe und hatten ihre Opinel-Messer in der Hand: Pilze-Sammler.  Schließlich ist der Herbst hier „la saison des champignons“, und schließlich hatte es – nach einem extrem heißen und trockenen Sommer- zuletzt endlich ordentlich geregnet. In ihren Körben erkannte ich  im Vorbeifahren Steinpilze, Parasol und Wiesen-Champignons – les rosés des champs.
Anders als bei den Jägern und Quad- bzw. Motorradfahrern fühlte ich mich hier ermutigt, zu grüßen und auch mal ein Schwätzchen zu versuchen.
Tja, wie soll ich das erklären? Unbewaffnete Zeitgenossen, und solche, die den Wald nicht zu ihre Trial-Arena machen, sind mir halt doch lieber.
Zurück im Dorf traf ich dann noch weitere Männer. Sitzende. Die genossen um zehn Uhr morgens ihren ersten "petit blanc" im Café neben der kleinen Superette. Die sitzen da aber immer. Und im Café, da sah ich dann auch eine Frau. Die Sandrine. Sie schmeißt den Laden da. Sandrine trägt Jeans, und regelmäßig geht sie raus auf die Terrasse, um eine zu rauchen. Ich bin  beruhigt. Die Emanzipation hat auch in Bonnard Fuß gefasst.
PS: Abends in meiner Gastfamilie erzählte ich von dieser doch sehr traditionellen Geschlechter-Verteilung, die ich da hatte beobachten können. Jean-Pierres Frau lachte nur und dann vielsagend: "Ah, les hommes...!"  Und dann verwies sie auf ihre Gymnastikstunde dienstags abends im Festsaal, die sei offen für alle und richtig gut für die Fitness. "Aber da sind 25 Frauen und ein Mann!"

 
 

Kommentare zu diesem Text


Moja
Kommentar von Moja (20.10.2019)
Darüber wusste ich bisher nichts, und war gleich hineingezogen in die Erzählung, so flüssig erzählst Du.

Grüße, Moja
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