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Des Inderned, Glotzböbbel und Kabbestrigga

Rezension zum Thema Internet


von Didi.Costaire

»Saacht ihne der Name Dr.Mabuse ebbes?«
 
Da qualmen selbst die Köpfe der erfahrenen Kriminalen. Man kennt allenfalls die gleichnamige Tanzlehrerin von Lätts Dänz.
 
Dr. Mabuse wurde in den 20er-Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts vom Schriftsteller Norbert Jacques erfunden und von Fritz Lang u.a. verfilmt. Der skrupellose Hypnotiseur, Verwandlungskünstler und Verbrecher strebt seitdem in diversen Streifen die Weltherrschaft an.
 
Mundart-Komiker Dominik Kuhn alias Dodokay hat ihn nun* in der Version »Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse« in seine Heimat verfrachtet und ihm neue Schandtaten angedichtet. Der Kriminelle will sich die neueste schwäbische Erfindung, das Inderned, unter den Nagel reißen.
 
Dodokay hat allerdings keinen eigenen Film gedreht, sondern die Episode »Die 1000 Augen des Dr. Mabuse« aus dem Jahr 1960, in der es um Kamera-Überwachung samt Verwanzung und darauf basierender Erpressung geht, völlig neu geschnitten, sich eine eigene Geschichte dazu ausgedacht und alle Charaktere synchronisiert. Die Musik hat ein Freund für ihn arrangiert und ein weiterer baute einige veränderte Schriftzüge in den Film ein. Daher liest der Leiter der Ermittlungen, der von Gert Fröbe verkörperte Kommissar Krass, merkwürdigerweise im »Handbuch der Kehrwoche«, sein Assistent hört auf den neumodischen Vornamen »Kevin« und das Hotel, in dem sich die Handlung abspielt, heißt »Zum Güldenen Grasdackel«.
 
Der Schwarz-Weiß-Film mit den dort zu sehenden schweren, analogen Gerätschaften, aus der Zeit gefallenen Wählscheiben-Telefonen und E-Mails, die zum Lesen grundsätzlich ausgedruckt werden, bevorzugt im Querformat, bilden einen auffallenden Gegensatz zum Geschehen rund um das Internet. Die Sprache klingt jedoch modern, sofern Schwäbisch das vermag.
 
»I merk scho, dass sie auf mich abfahre«, frohlockt beispielsweise die eigentlich suizidale und stets näselnde Sabine Hirrlinger und der Geschäftsmann Helmut Wurschter gibt Gas: »Mit ihne kann man brutal hart abfeiere!«. Abgesehen davon will er groß ins Inderned einsteigen. Ein anderer ist schon dick im Geschäft - der Betreiber des Netzwerkes »Fleißbook«, Mark Sackerberg. Der windige Unternehmer hat sich bereits das absolute Vertrauen der Hirrlinger erschlichen. Diese wiederum lebt in ständiger Angst vor ihrem Freund Bernd, der sie ständig stalkt und zum Kochen nötigt, so dass sie versehentlich von »Facebook« redet, als sie an ihn denkt.
 
Auch der erfolgreiche Hirnsupp-Fabrikant Hartmut Öschterle  spielt eine Rolle, ebenso wie Hans-Martin B. Lambarter, der zwar keinen Lambada tanzt, aber einen Foxtrott zu elektronischen Klängen, und der ansonsten überall und nirgends mit einem kessen Spruch auftaucht, um den Leuten einen Inderned-Vertrag unterzujubeln. Sehr auffällig wirkt zudem der blinde Seher Peter Gekeler, auf dessen hellseherische Fähigkeiten und dem daraus resultierenden Wissen sogar die Polizei bei ihrer Arbeit baut. Das Wort »Geggale« bedeutet im Schwäbischen »Brathähnchen«, mir als Nordlicht fällt eher die klangliche Ähnlichkeit zu »Google« auf.
 
Kommissar Krass geht die Angelegenheit trotz zweier Mordanschläge auf ihn relativ gelassen an und bestellt sich während einer Verfolgungsjagd ganz nebenbei »Eine Pizza Proschutto mit viel Zwiebele«, witzelt über den Verdächtigen und nennt ihn »Kabbestrigga«. So entlarvt er schließlich den Täter - und fängt ihn trotzdem nicht.
 
Die Handlung ist insgesamt ein bisschen sinnvoll und ein bisschen mehr hanebüchen, wobei das durchaus der Tradition der Mabuse-Filme entspricht (insbesondere der späteren, nicht mehr von Fritz Lang gedrehten) und somit m.E. kein allzu gravierendes Manko darstellt. Einzig an den sonst so detaillierten und logisch durchdachten Plänen Mabuses zur Durchführung von Straftaten hapert es in dieser Episode. Passenderweise mutiert das strenge, vom Missetäter befehlsartig vorgetragene »Hier spricht Dr. Mabuse!« in der Mundart-Variante zu einem drolligen »Hier schwätzt Dr. Mabuse« und konterkariert dessen Ernsthaftigkeit.
 
Obwohl ich mit Schwäbisch vorher überhaupt nichts am Hut hatte, wurde ich bestens unterhalten (wobei ich weder verhehlen will, dass ich die Filmvorlage recht gut kenne und schätze, noch dass ich nicht jede Aussage verstanden habe). Zudem gibt Dodokay einen spaßigen Einblick in die schwäbische Seele. Es wird penibel darauf geachtet, die gelb Säckle pünktlich nauszustelle und kein Sonderangebot im Subbermargd zu verpasse. Nervige Reporter werden ganz zahm, wenn man ihnen a Fläschle Schwabenbräu in Aussicht stellt. Man sorgt sich bei Sabines Selbstmordversuch vor allem um den frisch gestrichenen Fenstersims und es wird bedauert, dass ein getöteter Polizist nun nicht mehr dazu kommt, sein Auto wie geplant auszusaugen...

Anmerkung von Didi.Costaire:

* Schwaben liegt weit weg von Niedersachsen. Der Film kam Mitte 2018 in die Kinos der Region und wurde im März 2019 auf DVD gepresst.


 
 

Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (05.02.2020)
Lustfördernd. Und zur Selbstschau drängend.

DerZweiäugige8.
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Didi.Costaire meinte dazu am 05.02.2020:
Das ist gut, 8..   Zwerge spielen nämlich bei den Schwaben eine besonders wichtige Rolle!
Danke und liebe Grüße, Dirk

Antwort geändert am 05.02.2020 um 10:02 Uhr
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AZU20
Kommentar von AZU20 (05.02.2020)
Da habe ich viel Neues erfahren. LG
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Didi.Costaire antwortete darauf am 05.02.2020:
Schön, das freut mich.
Danke und liebe Grüße, Dirk
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (05.02.2020)
Dieser "Film" bekam einen Kinostart????

Also ich mache mich auch gerne über die Schwaben lustig, aber diese sehr bemühten Schenkelklopfer-Mundart-Nachynchronisationen von Filmen finde ich allesamt grauenhaft.

Können diese youtube-Kasper nicht mal was eigenes schaffen?
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Didi.Costaire schrieb daraufhin am 05.02.2020:
Hallo Dieter,

er hat nicht bloß nachsynchronisiert, sondern den Film ganz neu geschnitten und größtenteils eigene Dialoge eingebaut, die sich von den ursprünglichen fundamental unterscheiden und dennoch zur Gestik und den Mundbewegungen passen. Etwas Vergleichbares gibt es in Spielfilm-Länge nicht.

Danke fürs Interesse und beste Grüße, Dirk
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GastIltis
Kommentar von GastIltis (05.02.2020)
Hallo Dirk,
ich melde ich zu dem Text (sehr viel) später.
LG von Gil.
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Didi.Costaire äußerte darauf am 05.02.2020:
Gut Dingle will Weile haben.
Ich bin gespannt...
Danke schon mal und schöne Grüße, Dirk
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GastIltis ergänzte dazu am 10.02.2020:
Lieber Dirk,
das ist für mich eine echte Pleite. Nun war ich ja im Glauben, dass ich mir unter Youtube einen anderthalbstündigen guten alten Film ansehen kann, und was finde ich? Irgendwelche Teile von zweieinhalb Minuten Länge. Das ist natürlich blamabel. Zwar sind die von dir beschriebenen Figuren, auch Gerd Fröbe, darf ich meiner Frau überhaupt nicht zeigen, ihm haftet über seine Lebenszeit hin der Ruf des Kindermörders an, jedenfalls bei ihr, der ja die von dir beschriebene Rolle des Kommissars Krass beeindruckend spielt.
Der Krass war übrigens ein russischer 10t-Kipper, richtig eigentlich KrAZ, von dem wir, also der Bereich, in dem ich tätig war, immer so um die zwanzig Stück im Einsatz hatten, besser hätten haben sollen. Meistens liefen nur sechs bis acht pro Schicht. Die sozialistische Planwirtschaft hatte auch ihre Schattenseiten. Gut, diese Abschweifung musste mal sein, weil man sonst den Kapitalismus auch nicht versteht. Die Reparaturwerkstatt für diese Krass lag im Zentrum der Braunkohle und der Chef war der Schwager eines Freundes von mir, genannt Zauber-Peter, der sogar Jimmy Carter etwas vorzaubern durfte. Wahrscheinlich, wie man ohne Skandale über die Amtszeit kommt.
So, Dirk, dass ich jetzt den Faden verloren habe, versteht sich. Aber du wolltest es so! Wie anders soll ich sonst dein „Ich bin gespannt... “ verstehen?
Sei dennoch herzlich gegrüßt von Gil.
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Didi.Costaire meinte dazu am 11.02.2020:
Hallo Gil,
alles gibt es halt nicht im Internet. Schließlich soll es eine schwäbische Erfindung sein...
Schade aber, dass du den Film nicht sehen konntest. Dennoch sind deine Ausführungen sehr interessant, wobei mich ein wenig erschrocken hat, dass die Rolle des Kindermörders Schrott die reale Person Gert Fröbe in den Augen deiner Frau überlagert. Allerdings gibt es im Film eine Szene mit zwar anderem Unterton, doch gewisser Ähnlichkeit: Als Kommissar Krass die Hirrlinger in ihrem Hotelzimmer aufsucht, wird er von ihr als »Herr Goldfinger« angsprochen.
Danke jedenfalls für deinen Bericht, und ein neuer Faden findet sich sicherlich auch bald.
Liebe Grüße, Dirk
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Kommentar von harzgebirgler (16.09.2020)
kennt wer dr. mabuse nicht
geht ihm hier ratzfatz auf ein licht
daß dieser irre bösewicht
bisweil'n gekonnt selbst schwäbisch spricht.

treffliche rezension, gerne gelesen.

beste grüße
henning
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Didi.Costaire meinte dazu am 18.09.2020:
Danke dir!

Mabuse stand ja über den Gesetzen.
Er war ein raffinierter und ein dreister
Verbrecher und ein Makeraden-Meister.
Im Notfall konnte er auch Schwäbisch schwätzen.

Beste Grüße,
Dirk
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