Der Kampf

Geschichte zum Thema Gut und Böse

von  Lala

Der Kampf


Mitte der fünften Runde passierte das Unglaubliche. Etwas was bis dahin noch nie vorgekommen war. Sicher hatte er schon Kämpfe nach Punkten verloren, einzelne Runden sowieso, aber zu Boden, zu Boden war Marco noch nie gegangen. Hampston, die Katze – Linksausleger wie sein Gegner – hatte Marco schwer mit seiner Rechten erwischt und Marco brach wie vom Blitz getroffen zusammen. Oswald spürte, wie sein Herz aufhörte zu schlagen. Er fühlte sich im freien Fall und der ganze Lärm war verschwunden. Er sah seinen grandiosen Plan am Boden liegen. Aus und vorbei. Endgültig. Seine Nase juckte fürchterlich und er vermied es angestrengt zu Javier rüberzuschauen. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Tino war auch entsetzt. Er hatte die Situation genauso gesehen. Es war ein schwerer Wirkungstreffer. Die Situation war für Marco zweifellos neu und noch schlimmer war es aber, dass er bis zur fünften Runde auch schon deutlich nach Punkten hinten lag. Die Katze musste nur noch weglaufen und würde gewinnen.

Javiers Mimik war unergründlich. Er nahm es scheinbar gelassen, dass der Strohhalm für ihn und Oswald gerade umgeknickt war. Tino vermutete, dass es Javier egal war, was passierte, weil er mit dem Kapitel Oswald abgeschlossen hatte. Ihr Boxer rappelte sich wieder hoch, obwohl Ralf Dubinski geraunt hatte, der kann bis hundert zählen, der kommt nicht wieder. Erstaunlicherweise stand Marco sogar relativ sicher und nahm den Kampf wieder auf. Die Runde war erst halb vorüber. Und dann schlug der Blitz erneut ein. Aber dieses Mal hatte es die Katze erwischt.

Oswald und alle anderen in der deutschen Kolonie standen auf einmal auf ihren Stühlen am Ring. Es war die schnellste Wiedergeburt, die sie bis dato erlebt hatten. Es war nun ein offener Kampf. Ein Schlagabtausch, wie ihn der Boxsport selten gesehen hatte. In Runde acht schickte Marco Carl erneut auf die Bretter. Der endgültige KO des Favoriten schien nur eine Frage der Zeit. Doch dieses Mal konterte Carl kurz darauf und Marcello rettete sich schwer angenockt durch den Rundengong. Jetzt war es aus. In drei Runden würde er den Rückstand nicht aufholen können und nach zwei schweren Treffern vertraute keiner darauf, dass
Marco noch genügend Saft im Arm hatte.

Constantin fiel aber auf, dass Marco immer noch in der Lage war, mit seinem Trainer zu reden. Er hörte nicht, was da gesprochen wurde. Aber nach diesem Kampfverlauf hätte er erwartet, dass auch bei Marco der Trainer mit seinen Appellen nur noch das Unterbewusstsein seines Schützlings würde erreichen können. Aber Marco reagierte scheinbar klar und daher gab Constantin die Hoffnung nicht ganz auf.

In der zehnten Runde schlug Marco wieder zu. Die Katze ging nicht zu Boden, aber seine Mimik verriet, dass er schwer entnervt war und in der vorletzten Runde erwischte es ihn noch mal und dieses Mal schüttelte es Carl fürchterlich durch und er landete wieder am Boden. Aber trotz dieser Treffer, trotz des letzten Niederschlags lag der Engländer immer
noch vorne und alle erwarteten, dass er versuchen würde, sich über die Zeit zu retten. Nur wenig mehr als drei Minuten trennten ihn ja noch vom Titel. Etwas mehr als eine Runde. Nach dem letzten Niederschlag stand Hampston wieder auf, schüttelte den Kopf, als ob er sich wieder motivieren wollte, aber hob nicht seine Fäuste sondern schmiss das Handtuch. Er war fertig. Er gab auf. Der technische KO war perfekt.

Sicherlich war Hampston von diesem verbissen kämpfenden Deutschitaliener vollkommen entnervt gewesen aber es war vor allem eine Verletzung seiner rechten Schulter, die auch nur eine weitere Minute im Ring unmöglich machte.

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Kommentare zu diesem Text


 Sylvia (20.04.10)
..ich denke, einen Kampf zu schreiben ist mitunter das Schwierigste. Es könnte schnell langweilig werden, hier allerdings nicht.
Bildlich geschrieben, nicht zu ausschweifend aber auch nicht zu kurz
ich habe mitgefiebert
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