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Erzählung zum Thema Ende


von RainerMScholz

Thermonuklear torkelt, und er schneidet grenzverletzend die unsichtbare fragile Linie eines fremden Reviers, und er stößt einem Fremden den Ellbogen unbeabsichtigt in die Rippen.
„Oh, Entschuldigung.“
„Was Entschuldigung. Du hast mein Bier verschüttet.“
„Quatsch, ist doch noch voll genug.“, und will weiter, zurück an seinen Platz.
„Hey,“, fasst der Fremde T.Kid am Arm, „wart´ `mal. Du zahlst mir ein neues.“
„Ich zahl´ dir einen Scheißdreck, und lass meinen Arm los.“
Er reißt seinen Ärmel weg. Böse Blicke werden ausgetauscht. Die Umstehenden lauern aus der Distanz. Stiefelscharren, zischelndes Geraune, skeptische Seitenblicke, erwartungsvolles Grinsen.
„Du zahlst jetzt das Bier, Arschloch.“, brüllt der Andere, eine hochge­wachsene Gestalt in Nietenjacke und Springerstiefeln. Blaue Augen starren wässrig aus dem bierschwammigen Gesicht, Kopf stachelrasiert.
„O.K., ich zahl`s schon.“
Thermonuklear-Kid lächelt ihn an, fährt mit der Hand durch die Haare, vollführt eine halbe Drehung nach links und schlägt mit der geballten Faust zu. Lichter wirbeln grell oszillierend, schemenhaft tauchen Gesich­ter aus dem Trockeneisnebel. Alles geschieht wie in Zeitlupe. Ein Bar­hocker stürzt krachend zu Boden, Gläser klirren, geweitete Augen starren ihn erschreckt an. Ein Schieben und Drängen pulsiert autokinetisch durch die amorphe Masse der Leiber. Das Stampfen und Heulen der Musik dringt nur wattiert und oberflächlich in sein Bewusstsein. Dann der Knall der direkten Wahrnehmung aus purem Adrenalin, als ihn ein Hieb am Wangen­knochen trifft und taumeln lässt. Beringte Fäuste dringen auf ihn ein, als seine Kontrahenten sich in Bewegung setzen, eine kraulende, peit­schende, sich schlängelnde kreischende Wand schwarzgelederter, silbervernie­teter Teufel. Rotgesichtsmasken, Wolfsgeheul, Schwarznachtinkuben. Hieronymus Bosch in den Kellern im Malström. Glutgebrannte Gesichter unter gelbem Gelichterschein. Gehackte Bewegung züngelt in weißen Strobos­kopgewittern.
Eine riesige Hand schaufelt ihn von hinten ruppig zur Seite, und Ther­monuklear-Kid will schon zur Gegenwehr schreiten, als er wahrnimmt, dass diese Hand zu Seveso gehört, der sich knurrend an ihm vorbeischiebt. Hinter ihm folgt B-Bop-Bone mit einer zerbrochenen Flasche gestikulierend, die Linke virtuos ausgreifend, wie der Matador beim finalen Stoß des Degens. Der Saphir kratzt über die aktuelle Schallplatte, ein Toben und Schreien und Wiehern, ein Stürzen und Wüten, Schlagen und Treten und Kratzen und Beißen setzt ein. Seveso zertrümmert das Nasenbein eines Bärtigen, Blut spritzt aus seinem Gesicht und er taumelt donnernd gegen die Theke. Seine Trisomie 21-Kralle ambosst Löcher in die Welt. Bone zerschlitzt Körper, weicht einem Teleskopschläger tänzelnd aus, lässt seine Stirn in das Gesicht des Angreifers platzen, umarmt ihn und rammt den Flaschenhals in dessen Nierengegend. T.Kid hat ein Stuhlbein in der Hand. Der Boden wird bald gefährlich glitschig. Dann ist alles vorüber. Schneller als es begann.

Wie aus einem tiefen Schacht taucht Thermonuklear an die Oberfläche eines dunklen Gewässers. Aus den Augenwinkeln erkennt er Clarissa. Ihr Mund ist sinnlich rotglänzend zu einem stummen perplexen O geformt, Schweiß perlt auf ihrer Stirn, schwarze Haare kleben wirr strähnig an ihrer Wange. Er kann sie nicht hören. Sie deutet hysterisch auf eine blinde Stelle im Raum, die Thermonuklear nicht ausmachen kann. Verkrümmte Körper liegen zwischen zertrümmerten Barhockern, Stühlen, Tischen und Gläsern. Bierlachen mischen sich mit blutigen Kör­persekreten. Irgendwo heult ein Mensch wie eine gebrannte Katze, ein anderer hält sich stumm und stierblickig den Schädel, während unablässig Blut aus seinem Ohr quillt. Entleerte Gesichter, verquere Gliedmaßen, dumpfe schwerlastige Plastizität eines scharlachroten Skulpturengartens.
Etwas verursacht dumpfe Geräusche, als würde ein Teppich ausgeklopft werden. Ein pochendes Herz.
B-Bop-Bone steht, blickt sich verständnislos um, zuckt die Achseln und zündet sich eine zittrige Zigarette an. Leise summt ein Lied aus den Lautsprecherboxen. Dann, als sei eine unmessbare Zeit verstrichen, als sei ein dunkler Quader durchquert, erkennt T.Kid die Quelle Clarissas Entsetzens: Seveso schlägt unentwegt auf das blutkalkige Gesicht eines am Boden lie­genden regungslosen Körpers ein, seine Züge eine groteske Mimesis eines rasenden Tiergottes, glühende Fratze, sein Opfer: Blut und Fleisch, geplatzte Adern, gebrochene Knochen, ohne Konturen mehr. In einer unmöglichen Langsamkeit sieht er immer wieder Sevesos Arm niederfahren, das bis zur Unkenntlichkeit zertrümmerte Gesicht kreischt unter einem Schlag nur ein Wimmern, die massive Faust trifft auf das Jochbein, der Knochen gibt nach, ein Krachen im beinernen Gefüge unterhalb des Auges, die Haut platzt auf, der Hinterkopf scheint den Boden einzudellen. Wieder fährt der Arm nach oben. Sevesos vor irrwitziger Wut quergerissenes Gesicht, die entblößten Zähne, die Muskeln der Kiefer- und Augenpartien: Und dann, wie ein Filmriss in der spannendsten Szene - die Realisation der Außenwelt: Seveso schlägt unentwegt auf diesen reglosen Körper am Boden ein. Und er wird nicht aufhören damit!
Sie zerren ihn gemeinsam von seinem Opfer fort, und brüllend versucht er in dieser Rückwärtsbewegung dessen Rippen mit seinen Stiefeln zu brechen. Dann reißt er sich aus der Umklammerung frei und verschwindet nach hinten.

Veit schloss ab, nachdem sie alle irgendwie hinausgeschafft hatten. Blut, zerbrochenes Mobiliar, Glassplitter, eine intakte rundrandige Brille, ein abgerissener Jackenärmel, Zähne, Kleingeld, eine perforierte dreckige Südstaatenflagge bildeten auf dem Fußboden eine schmutzige Melange der Verwüstung. Veit drehte sich im Kreis, warf den Baseballschläger unter den Tresen und kratzte sich am Schädel.
„Scheiße, das zahlt keine Versicherung.“
„Lass nur, Veit, wir machen das schon.“
Er sah Bone zweifelnd an, der sich ein Taschentuch an die linke Braue hielt.
„Du machst das, wie? Also gut, nehmt euren Totschläger da hinten mit und verzieht euch durch den Hofeingang. Die Polente kommen bestimmt auch noch.“
„Veit, tut mir leid, wirklich. Aber irgendwie - er hat angefangen.“
Thermonuklear versuchte ein schmerzhaftes Grinsen und hielt sich den rechten Arm, sein linkes Auge war zugeschwollen, so dass die Geste zu einer lächerlichen Farce gerann. Resigniert sagte er: „Ich mach` s wieder gut, Veit.
Los, wir gehen. Hol’ Seveso, komm’ schon.“
Seveso schien nichts abbekommen zu haben, er hatte nur gerade eine angetrunkene Flasche Jack Daniels in der Armbeuge, rollte geistesabwesend irre mit den Augen, und sein Kopf war so rot, dass er zu platzen drohte.
„Ich hab’ doch keinen umgebracht, oder?“
„Nein, aber ich gleich. Jetzt komm schon.“
Im Hof hinter dem Easy war es dunkel, in einigen Fenstern flackerte blau der Fernsehschirm, im dritten Stockwerk zog sich eine Frau aus. B-Bop-Bone konnte ihre weichen warmen Brüste im Tiffanylicht platonisch spüren von hier unten. Sie schlichen an den überquellenden Mülltonnen vorbei auf die Seitengasse und zur Straße. Das Kopfsteinpflaster glänzte schwarz im kalten Sprühregen. Schweigend standen sie an der roten Ampel.

„Hey, T., tut mir leid, ich bin wohl ausgerastet.“
„Kann man wohl sagen.“
„Ich wollte dir nur helfen.“
„Ich weiß.“
„Hat Clarissa das gesehen, was ich da - “
„Ja.“
„Verstehe.“
Seveso senkte den Kopf und starrte auf seine Stiefelspitzen.
„Scheiße.“
„Ja, hast `mal wieder Scheiße gebaut, Seveso.“, lachte B-Bop-Bone und hakte ihn unter. Thermonuklear neigte leicht den Kopf zur Seite und glaubte, er sehe, gerade noch aus den Augenwinkeln, einen schwarzen blinden Hund langsam die Kreuzung überqueren. Die Nacht würde bald vorüber sein. In der Ferne baumelte Blaulicht in den Fenstern der Fassaden, Sirenenheulen schreckte manche Menschen aus dem Schlaf, manche nicht. Der Hund war verschwunden, als T.Kid sich nochmals umwandte - der sah ihnen hinterher.


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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Langer Nächte Messer.
Veröffentlicht am 14.01.2020. Textlänge: 1.154 Wörter; dieser Text wurde bereits 85 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.10.2021.
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