Blütenblut im zwölften Haus

Kurzgeschichte zum Thema Traum/ Träume

von  LotharAtzert

„Immer wenn es blüht, werde ich an dich denken“ – sie brachte mir ein rubinrotblühendes Rosenstöckchen mit und ich bedankte mich artig, allerdings ohne größere Euphorie, denn ich kannte das schon: kleine süße Knöspchen ohne gierige Blattläuse gibt es schon lange nicht mehr. Höchstens noch mit Chemie von Bayer, der Übergriff auf die Hungrigen.

 

Damals pflanzte ich das Stöckchen in den Garten und Babette starb einige Zeit später.

 

Es gingen die Jahre ins Land, längst hatte ich die Pflanze vergessen und dann, vor ein paar Wochen fiel es mir siedend heiß ein. Ich rannte aus der Wohnung in den Garten, fand es von Sträuchern überwuchert, aber noch irgendwie etwas lebendig. Und so buddelte ich das Würzelchen aus, setzte sie in einen Topf mit guter Erde und dachte dabei, mal sehen, ob sie, falls es zur Blüte kommt, sich wirklich an ihr Wort hält. Und tatsächlich, gestern, nach fünf Wochen gedüngten Wartens, der Mond nahm zu … ging die einzige Blüte auf und süß duftend … ja hm … sie hat sich mir zumindest nicht wahrnehmlich bemerkbar gemacht. Ich muß einfach im Innern noch stiller werden bis zur nächsten Blüte.

Herbst ist es geworden. Der Nebel tröpfelt ins feuchte Moos und weitere Blüten scheints nicht mehr zu geben.

 

Die Nacht, es war dieser erdnahe Vollmond, träumte mir, wobei einiges vorausging, das ich nicht mehr erinnere, ich sei in einem abgedunkelten, heimlich-lauschigen Raum und eine Mädchenstimme sagte: „Das hättest du nicht gedacht, daß ich noch komme, stimmts?“.

Nach der ersten Überraschung entfuhr mir ein: „Wer bist du, die mir so vertraut Erscheinende? Laß uns ans Tageslicht gehen, damit ich dich anschauen kann“, ich ging zur nächsten Tür, öffnete sie und … erwachte in meinem Zimmer auf dem Bett liegend, ein Sonnenstrahl durchdrang eben das Fenster und natürlich war ich allein.

Der Gedanke verfolgte mich noch eine Weile, wie wohl der Traum hätte weitergehen können, so ich denn nicht dem angeborenen Reflex gefolgt wäre.




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Kommentare zu diesem Text

Taina (39)
(03.09.23, 13:11)
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 DanceWith1Life meinte dazu am 03.09.23 um 15:51:
Wenn du einfach schreibst was Du erlebst, bist Du fast ein anderer Autor, beinahe hätte ich geschrieben, Mensch.

 LotharAtzert antwortete darauf am 03.09.23 um 20:00:
Danke Taina.
Da fällt mir grad auch wieder ein, ich habe Babette damals versprochen, auf kV etwas großzügiger zu sein, was Kommentare und Empfehlungen angeht. Aber da geht es mir, wie Mondscheinsonate. Ich bin ja eigentlich schüchtern.

@ Dance
meinst du Taina, oder mich? Ich schreibe doch immer einfach. Wenn du mal einfacher lesen würdest :D
Das Schwarze sind die Buchstaben.

 DanceWith1Life schrieb daraufhin am 03.09.23 um 20:09:
Taina (39) äußerte darauf am 03.09.23 um 21:40:
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 LotharAtzert ergänzte dazu am 03.09.23 um 21:57:
Taina, das war nicht auf dich bezogen, sondern ganz allgemein werden meine Kommentare immer weniger, während ich von einigen (Dance zB.) regelmäßig welche bekomme und da habe ich immer irgendwie ein schlechtes Gewissen.
Taina (39) meinte dazu am 04.09.23 um 06:22:
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