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Strassenbahn nach Schamanistan

Kurzprosa zum Thema Existenz


von DanceWith1Life

In einer Straßenbahn saßen eines Vormittags, neben den täglich anwesenden Studenten, Schülern und Müttern mit ihren Kindern, ein Gesandter Plausibiens, ein zahnloser Greis aus Chakkra und ein Botschafter aus Schamanistan.
Sie hatten ihre Bekleidung der sie umgebenden Kultur angepasst und waren somit von den anderen Passagieren kaum zu unterscheiden.
Die Gebirgszüge ihrer Heimat waren tausende Kilometer entfernt, dennoch spürte jeder von ihnen den typischen rauen Wind, den sie um diese Jahreszeit besonders mochten.
Mein Sohn lässt um diese Zeit immer Drachen steigen, flüsterte der Schamanische Botschafter ohne Übergang aus den Schluchten seiner Erinnerungen heraus und schaute an seinen Begleitern vorbei aus dem Fenster.
Herrlich wenn die Frische mit ihnen zum Himmel eilt, sie lachen dabei aus ganzem Herzen ohne eine Mine zu verziehen, antwortete der Greis, und folgte seinem Blick in den anklingenden Sonnenuntergang, der ebenfalls keine Mine verzog zum geschäftigen Treiben Plausibiens.
Nächste Haltestelle Frohsinnstr. sagte die einer weiblichen Stimme nachempfundene Ansage durch die billigen Lautsprecher.
Ein kleiner Junge hatte ihnen unbemerkt zugehört und da seine Mama mit seiner kleineren Schwester beschäftigt war, sagte er mit all seinem Interesse am Drachensteigen, Sie stürzen, wenn man den Rhythmus verlässt und und trudeln, wenn der Wind nachlässt, was ist Frische?
Der Schamane holte einen bunten Zettel aus seiner Tasche, nahm einen Stift und schrieb einige Zeilen.
Er wandte sich dem Jungen zu, wie alt bis du, Sechs geworden, warum, was ist Frische?
Ich hab es dir aufgeschrieben, ließ es, wenn du zwölf bist.
Hast Du einen Papier oder einen Federdrachen?
Der ist aus Folie, sagte der Junge gönnerhaft, Papier reißt doch viel zu schnell.
Er nahm den Zettel und steckte ihn in seinen Beutel.
Seine Mutter rief ihn zu sich und er musste aussteigen. Eine ältere türkische Frau ohne Begleitung hatte die Unterhaltung beobachtet und da sie sah, dass es sich ebenfalls um Fremde handelte, sprach sie den Schamanen einfach an, was habt ihr ihm denn geschrieben.
all I can say is, enjoy
I loved it.
Die Frau sah ihm in die Augen und er sah wie sich in ihr die Jahreszeiten drehten und ihre Jugend vorbei drängte und die Kinder und die Arbeit und "Die Männer" und das "Älterwerden" und alles zusammen den Weg zu ihrem Herzen suchte und dann als Frage zu ihm schaute, "bei jedem Wetter?"
Er griff in seine Tasche und höhlte seine Hand und aus einen Beutel schüttelte er nun etwas  hervor, dann sah sie weiße Blütenblätter, welkes Laub und feuchte Keimlinge.
Er sah, dass sie verstand und warf es in die Luft, für Sekunden glaubte sie einen Regenbogen zu erkennen, dann war nichts mehr zu sehen.
Wie hast du das gemacht?, fragte die Türkin und sah plötzlich eine ältere Frau neben sich sitzen, die sie erstaunt ansah, Wer? Was gemacht?

 
 

Kommentare zu diesem Text


Ganna
Kommentar von Ganna (27.12.2007)
voller Poesie und Schoenheit,
so eine nette kleine Geste!

LG Ganna
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DanceWith1Life meinte dazu am 27.12.2007:
Hab Dank für deinen liebevollen Kommentar. )
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Dies ist ein Blatt des mehrteiligen Textes Der Erzählplanet.
Veröffentlicht am 27.12.2007, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 06.01.2008). Textlänge: 455 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.668 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.01.2020.
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