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Es ist als ob ich stürbe, Pippa.

Erzählung zum Thema Abschied


von SunnySchwanbeck

Sie ist schon lange weg. Ihre CD’s hat sie mitgenommen, ihr kirschrotes Sofa und alle Fotos die von ihrer Existenz zeugen. Sie ist weg, und mit ihr ein Stück meiner Kindheit, meines Lebens, meiner Familie.
Helle, rechteckige Abdrücke zieren ihr viel zu kahles Zimmer. Ich sehe die Einsamkeit durch die Dielen fließen.
Schreien hörte ich sie, wie egal wir ihr sind, wie Leid sie all das ist. Dass sie weg will, weit weg. Karriere machen.
Früher, als wir noch gemeinsam träumten, stellten wir uns vor wie wir an der Seine sitzen, bar fuß und mit Leinwänden das Leben einfangen.
Ihr singen hatte sie mitgenommen, es in ihren Apfelgrünen Koffer gepackt, der mit den vielen Aufklebern, und ist gegangen, einfach so. "C'est la vie, chérie".
Wie gerne ich ihr zuhörte. Wie ich es genoss wenn unsere Stimmen zerflossen und zu einer Stimme zusammen schmolzen.
Nie wieder würden unsere Stimmen wie eine Supernova explodieren.

Ich sitze in ihrem verlassenen Zimmer und Stille hüllt mich ein. Alles ist so unnatürlich weiß und hell. Nichts zeugt mehr von ihrer chaotischen, liebevollen, bunten Art.
Vorsichtig bette ich meinen Kopf auf den harten Fliesenboden und erinnere mich zurück an Tage wo alles noch einen Sinn ergab, wo Schwestern noch zusammen waren und gemeinsam Lieder sangen.

Ein großer Raum mit blau gestrichenen Wänden, Betten stehe willkürlich in den Ecken, kalte Wände schließen mich ein und unnatürliches, grelles Licht blendet mich.
Reflexartig rolle ich mich ein, umschlinge meine bleichen Beine und drücke mich an die kalte Wand an der ich liege. Leichtes Gelächter prasselt wie ein näher kommendes Gewitter in meine Richtung. Ein klicken, Lichtstreifen die ins Zimmer fallen. Neugierige Augen und suchende Hände. Ich schreie.


Sie wollte mich nicht mehr besuchen „Ich ertrage es nicht dich eingesperrt zu sehen, Tips. Das bist nicht du.“ Flüsterte sie eines Nachts als sie wieder einmal in mein Bett gekrochen war. Ohne sie komme ich mir klein und unbedeutend vor.

Wir stehen am Bahnhof, meine Mutter weint, sie umarmt mich flüchtig denn der Zug wartet bereits. Sie steht dort vor mir, gestraffter Rücken, ein gespieltes Lächeln und eine spitze Bemerkung auf den Lippen.
„Vergiss uns nicht.“ Haucht sie. Ich schaue mich verwirrt um, will noch etwas erwidern doch die Masse drängt mich in den kalten Zug.


Als wir uns das nächste mal sahen waren meine Arme aufgeschnitten und ihr Lächeln gebrochen. Wir sahen uns nicht in die Augen als sie ging und mich zurück ließ. Sie sagte nichts, drückte mich kaltherzig an ihre Brust und verschwand zwischen zu bunten Blumen und zu traurigen Menschen.

Wir waren Träumer, Pippa.
Wir hatten große Träume, sie halfen das vergangene zu vergessen und das hier und jetzt zu akzeptieren.
Deine Abwesenheit schmerzt bei jedem Atemzug. Und ich schreie die Puppen an mit denen wir früher gemeinsam „heile Welt“ spielten, damit sie dich zurück holen.
Doch Niemand weiß wo das Paradies liegt, und du sagtest selbst das der Himmel ein Zustand ist. Ich fand die Fliederblüten in meinem Kopfkissen, sie riechen noch nach deinem Lachen und manchmal klaube ich noch Federn, von Kissenschlachten mit dir, aus meinen Wimpern.
Du sagtest mal dass wir zu verschieden sind, und doch verschlossen wir beide unser Herz im Sommer, warfen den Schlüssen in die Seine und tanzten bar fuß dem Horizont entgegen.

Leb wohl Pippa, Träumer leben ohne Liebe.

Anmerkung von SunnySchwanbeck:

Tips und Pippa.
Du fehlst.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Erdbeerkeks
Kommentar von Erdbeerkeks (04.06.2010)
Mittlerweile könnte ich jeden Text von dir zu meinen Favoriten packen und ihm eine dicke Empfehlung verpassen, aber dieser hier hat das irgendwie ganz besonders verdient. Da sind soviele Bilder drin. Allein schon
Ich sehe die Einsamkeit durch die Dielen fließen.

hat mich irgendwie tieftraurig gestimmt und der gesamte Text lässt mich nachdenklich zurück. :/ Und der letzte Satz hat's mir irgendwie richtig gegeben.
Sehr gut, Fräulein Schwanbeck. Wirklich.

Traurige Lächeln von Fräulein Keks
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Unbegabt
Kommentar von Unbegabt (06.06.2010)
ich liebe, was du schreibst.ich kanns nur immer wieder sagen.
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Kommentar von Chino (32) (23.04.2012)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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SunnySchwanbeck
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Veröffentlicht am 04.06.2010, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 04.06.2010). Textlänge: 550 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.494 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 14.02.2019..
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