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Vorkriegsweihnacht

Erzählung zum Thema Weihnachten


von Sanchina

VORKRIEGSWEIHNACHT


„Krieg ist eine ernste Sache,“ sprach der Vater. Er war Offizier. Er hatte schon im Ersten Weltkrieg für das Vaterland gekämpft. Bilder von ihm in Uniform standen – in Silber gerahmt – auf dem Vertiko, die er stolz betrachtete. Und nun war sein 14-jähriger Sohn in Kriegsbegeisterung geraten, denn wieder stand ein Krieg bevor.

Weihnachten 1938. Man lebte durchaus noch im Wohlstand. Die Mutter hatte eine Gans besorgt. „Sieh zu, dass du erst einmal dein Abitur machst!“ sagte sie zu ihrem Sohn. Werner zog die Stirn in Falten wie ein Alter. „Abitur ist Luxus,“ erwiderte er, „für's Vaterland zu kämpfen, ist vorrangig.“

„Ohne Abitur keine Offizierslaufbahn!“ belehrte in sein Vater.

„Noch ist ja kein Krieg,“ lenkte die Mutter ein, „sondern es ist Weihnachten!“

„Na ja, wir müssen vorbereitet sein,“ gab der Vater zu bedenken. „Es ist durchaus möglich, dass wir Ostern schon im Feld stehen.“

„Ich werde mit marschieren!“ rief der Junge leidenschaftlich. „Ich werde mich nicht vor meinen Pflichten drücken!“

„An die Zukunft zu denken, ist auch eine Verpflichtung,“ meinte der Vater halbherzig.

„Wenn es denn nach diesem Krieg noch eine Zukunft geben wird,“ warf die Mutter dazu ein.

„Genau!“ ereiferte sich Werner.“Das sehen wir dann! Mein Abitur kann ich auch nach dem Krieg noch machen, falls ich nicht für's Vaterland fallen werde!“


Der Mutter schauderte bei dem Gedanken, ihr einziges Kind zu verlieren. Im Ersten Weltkrieg hatte sie nur ihren Großvater verloren, was schlimm genug gewesen war. „Noch ist kein Krieg!“ erklärte sie energisch und stellte eine Schüssel auf den Tisch. Der Vater begann, die Gans zu tranchieren.

„Wir haben im Sportunterricht schon für den Einsatz im Feld geübt!“ erzählte Werner.

„So?“ tat der Vater, als ob er es nicht wüsste. „Das ist löblich!“

„Du hast noch drei Schuljahre vor dir,“ erinnerte die Mutter ihren Sohn, „du bist ja auch noch viel zu jung, um schon Soldat zu werden.“

„Der Lehrer hat gesagt, dass man ab 14 Jahren wehrfähig ist,“ trumpfte Werner auf. Soldat zu werden, war für ihn ein Traum. Er wollte doch kein Feigling sein. Alle Knaben fieberten dem Krieg entgegen und lachten über die Ängste der Mütter.

„Krieg ist eine ernste Sache,“ wiederholte der Vater. „Wenn du im Feld stehst, schaust du dem Tod ins Auge, denn in jedem Augenblick kann dich eine Kugel treffen.“

„Aber das ist doch dann ein Opfer für das Vaterland?“ glaubte Werner zu wissen, während die Mutter seinen Teller füllte.

„Selbstverständlich“ bestätigte der Vater, „ein Soldat muss todesmutig sein. Tapfer musst du sein, wenn du Soldat bist!“

„Iss, mein Junge,“ forderte die Mutter auf „damit du auch kräftig bist.“ - Dies hätte sie nicht sagen müssen, denn die Gans mit Kohl und Knödeln schmeckte köstlich.

Nach dem Essen unternahm die kleine Familie den obligatorischen Weihnachtsspaziergang. Im gesamten Stadtteil waren Spuren der Zerstörung zu sehen. Die „Reichskristallnacht“ war noch gar nicht lange her. Die ehemals jüdischen Geschäfte standen leer; zum Teil waren sie ausgebrannt.

Hinter den Fensterscheiben begannen Kerzen aufzuleuchten. Der Vater schaute sich um und sagte: „Deutschland den Deutschen!“

Aus der Schule, die Werner besuchte, waren die jüdischen Schüler längst verschwunden. Einen Jungen hatte die SS direkt von der Schulbank weg abgeholt. Seine Schulkameraden hatten Spalier gestanden und mit Sand und Steinen nach dem Judenjungen geworfen.

„Es gibt gleich Weihnachtsplätzchen zum Kaffee,“ kündigte die Mutter an. Seit Wochen hatte sie gebacken. Unangebrachterweise taten ihr die Judenkinder leid.

Beim Kaffee spielte der Vater auf dem Klavier „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Die Nachbarn applaudierten so heftig, dass es durch die dünne Wand zu hören war.

Der Vater erzählte von einem Weihnachtsfest im Feld. Auf beiden Seiten der Front hatten die Soldaten „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gesungen. Anschließend hatten sie einander die Hände gereicht, Deutsche und Franzosen.

„Es war bitterkalt da draußen,“ schloss er die Anekdote, „aber dieses Weihnachten, damals, an der Front, das war wirklich wunderschön!“


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Kommentare zu diesem Text


mondenkind
Kommentar von mondenkind (08.12.2010)
da beginnt man zu frösteln beim lesen. man sollte nicht vergessen, dass es diese weihnachten auch gegeben hat. und noch gibt.
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Sanchina meinte dazu am 08.12.2010:
danke, dass du trotzdem gelesen hast. Gruß, Barbara
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AZU20
Kommentar von AZU20 (08.12.2010)
Den Schluss kenne ich aus einem Film. Eindrucksvoll geschrieben. LG in die Restwoche
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Sanchina antwortete darauf am 08.12.2010:
Ich kannte den Schluss bislang nur von meinem Opa, der seine Geschichte alle Jahre wieder erzählt hat. Vielleicht hat es solche Begegnungen öfters gegeben; zu Weihnachten war/ist ja immer ´"Waffenstillstand".
Gruß, Barbara
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Kommentar von starfish2 (50) (08.12.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Sanchina schrieb daraufhin am 08.12.2010:
danke!
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Kommentar von SigrunAl-Badri (52) (08.12.2010)
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Sanchina äußerte darauf am 08.12.2010:
danke, Sigrun
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Kommentar von mmazzurro (56) (09.12.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Sanchina ergänzte dazu am 09.12.2010:
Ich danke dir!
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (15.12.2010)
Es ist so wichtig, dass du über Krieg schreibst und unaufdringlich mahnst. Wir haben in der Schule noch Borchert, Böll, Remarque, Norman Mailer und Hemingway gelesen und hatten wenigstens eine ungefähre Ahnung von Grausamkeit von Kriegen.
Liebe Grüße von Ekki
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Sanchina meinte dazu am 16.12.2010:
... und wenn ich dann so einen Text zu Papier gebracht habe, ist mir der Rest des Tags verdorben ...
Danke dir, Gruß, Barbara
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Borek
Kommentar von Borek (22.05.2019)
Ja, Du weckst Erinnerungen an meine eigenen
Weihnachtsfeiern mit Weihnachtsganz und Klavierspiel
in dieser damals eigenartigen Zeit die ich nur als Kind
erlebte aber später die Folgen dieses Wahnsinns zu spüren bekam.
Krieg ist die Dümmste Art von Konfliktbewältigung
Ich habe Deine Geschichte gern gelesen
liebe Grüße
Borek
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Borek
Kommentar von Borek (22.05.2019)
Ja, Du weckst Erinnerungen an meine eigenen
Weihnachtsfeiern mit Weihnachtsganz und Klavierspiel
in dieser damals eigenartigen Zeit die ich nur als Kind
erlebte aber später die Folgen dieses Wahnsinns zu spüren bekam.
Krieg ist die Dümmste Art von Konfliktbewältigung
Ich habe Deine Geschichte gern gelesen
liebe Grüße
Borek
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Veröffentlicht am 08.12.2010, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.03.2018). Textlänge: 634 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.734 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.09.2019.
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