Ersthelfer

Gedicht zum Thema Apokalypse

von  Isaban

Er sagte, er habe selbst viere gesehen,
die eine im Blut, auf dem schneeweißen Feld,
ein Bein abgerissen der Kopf war entstellt.
Man sah bunte Socken den Hang entlang wehen,
aus einem der Koffer quoll furchtbar viel Geld,

so munkeln die Leute. Im Bahnhofskrug stehen
sie lange beisammen, ein jeder ein Held;
nur jenen, in denen das Gestern noch schrillt
bleibt der Mund zugehext, bis sie irgendwann gehen,
im Kopf diese Bilder vom Ende der Welt.

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Kommentare zu diesem Text


 Jorge (02.02.11)
Das scheint doch wohl eher in die Rubrik gruseliger Nonsens zu passen.
Oder treffen sich die "Ersthelfer" nach der Besichtigung eines Fugzeugunglücks in der Dorfschenke?
janna (61) meinte dazu am 02.02.11:
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 Jorge antwortete darauf am 02.02.11:
Ich habe ja auch "Ersthelfer" geschrieben und bewußt die An- und Ausführungsstriche benutzt, ich meinte die gleichen Gaffer, wie du in deinem Kommentar.
janna (61) schrieb daraufhin am 02.02.11:
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 Isaban äußerte darauf am 02.02.11:
Hallo, ihr beiden!

Welches Flugzeugunglück, lieber Jorge?

 AZU20 ergänzte dazu am 02.02.11:
Es geht wohl um ein Zugunglück mit all seine Schrecken für die, die zuerst am Unglücksort ankommen (?). LG

 Jorge meinte dazu am 02.02.11:
@Isababan: Sicher Zugunglück aber denkbar wäre auch Flugzeugunglück nahe dem Bahndamm. Die verstreuten Leichenteile ließen es mich zumindest vermuten. Ansonsten habe ich die Intention sicher verstanden. Mein ursprünglicher Einwand betraf lediglich das Thema Apokalypse. Ich verstehe meine Frage auch nach mehrmaligem Lesen immer noch. LG

 Isaban meinte dazu am 02.02.11:
Ich verstehe meine Frage auch nach mehrmaligem Lesen immer noch.

Ich nicht, lieber Jorge. Deine Frage lautete:

Das scheint doch wohl eher in die Rubrik gruseliger Nonsens zu passen.
Oder treffen sich die "Ersthelfer" nach der Besichtigung eines Fugzeugunglücks in der Dorfschenke?

Einen Bezug zwischen meinem Text und "gruseligem Nonsens" konnte ich auch nach mehrmaligem Lesen immer noch nicht herstellen.

Liebe Grüße,

Sabine
janna (61)
(02.02.11)
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 Isaban meinte dazu am 02.02.11:
In Deinem Gedicht vermute ich ein Zugunglück, die oft schrecklich entstellten Opfer lassen jeden halbwegs sensiblen Menschen verstummen.

Zumindest sollte das so sein, ja.
Hab vielen herzlichen Dank für Rückmeldung und Interpretation, Janna.

Liebe Grüße,

Sabine
janna (61) meinte dazu am 02.02.11:
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 Didi.Costaire (02.02.11)
Hallo Sabine, dieses Gedicht hält den Leuten den Spiegel vor, die sich als Ersthelfer wähnen und doch nur eigener Sensationslust folgen.
Auch wenn der blutgetränkte Schnee nicht mehr weiß ist, wäre mir "auf schneeweißem Feld" statt "auf dem schneeweißen Feld" in V 2 lieber. Der unregemäßige Rhythmus der vorletzen Zeile
bleibt der Mund zugehext, bis sie irgendwann gehen
stört mich ebenfalls, zudem das als Hilfsverb benutzte "bleiben" in Verbindung mit "zugehext" sowie der Mund im Singular.
Liebe Grüße, Dirk
(Kommentar korrigiert am 02.02.2011)

 Isaban meinte dazu am 02.02.11:
Hm, hast recht, vielleicht ist der metrische Bruch in V2 ein bissl dick aufgetragen, ich hab ihn mal ausgebaut.
Aus dem "bleibt" in S2, V3 könnte man ein "ist" machen, hier muss der Bruch auf jeden Fall bleiben, wäre die Stelle zu glatt, würde ich sie nicht mehr glaubhaft finden.

Ich dank dir schön, Großer!

Liebe Grüße,

Sabine

 Fuchsiberlin (02.02.11)
Im Bahnhofskrug stehen
sie lange beisammen, ein jeder ein Held

Wie können sich sogenannte "Gaffer" als "Held" fühlen, wenn sie denn auch so gemeint sind, wo sie doch nichts zur Erstversorgung beitrugen?

Das Wort *Held* würde dann besser in ""-Zeichen passen, wenn überhaupt.

Wer ist hier wirklich ein "Held"? Es sind die wirklichen und handelnden Ersthelfer, so wie es Dein Gedicht sehr sehr gut in und zwischen den Zeilen ausdrückt. "Apokalypse" als Thema hierzu? Fragend...

Glg
Jörg
(Kommentar korrigiert am 02.02.2011)

 EkkehartMittelberg (02.02.11)
Kritik ist förderlich, aber in diesem Falle überzeugt sie mich nicht:
1. Gaffer fühlen sich als Helden. Um dieses Gefühl haben zu können, gaffen sie. Okay aus meiner Sicht
2."bleibt der Mund zugehext, bis sie irgendwann gehen"
Warum sollen in dieser sinnschweren Zeile nicht zwei Daktylen aufeinander stoßen und die Zeile akzentuieren?
3."bleibt" halte ich für besser als "ist", betont den Vorgang der Erstarrung
Ekki
janna (61) meinte dazu am 02.02.11:
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Susa (55)
(04.02.11)
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 Isaban meinte dazu am 04.02.11:
Hach, dein Kommi ist mir eine Freude, Susa!
Ich hab schon gedacht, das kleine Einbausteinchen bemerkt keiner.

Ja, zugeHEXt, für immer eingebaut, eingeschweißt in den Köpfen derer, die wirklich vor Augen hatten, wie dort die Welt für so viele zerbrach.
Ich dank dir schön!

Liebe Grüße,

Sabine
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