Tonight.

Text zum Thema Abgrund

von  ZornDerFinsternis

Ich wende mich ab. Von meinem Weg. Farben weichen aus meiner Welt. Ich drehe die Flasche auf. Schaue nicht nach vorn. Trete auf der Stelle, bis der Abgrund mich endlich verschlingt und mich das Licht des nächsten Tages nicht mehr aus dem Alptraum eretten kann. Whisky beschert die besseren Träume. Dein Gesicht löst sich langsam auf und mein Herz kann langsam wieder atmen. Worte prallen an mir ab, wie die Schreie, die sich in Form von Tränen aus meinen Augen flüchten. Ungesehen. Begehe ich einen neuen Tag. Ob, oder ob nicht – scheissegal. Weil Jesus doch nie barmherzig war. Zug um Zug leert sich die Flasche und Wärme vibriert durch mich, wie einst deine Liebe. Seit Wochen sitze ich auf gepackten Kartons. Warte. Auf ein Ende. Das Leid soll verschwinden. Kann dein Lächeln nicht ertragen. Ihren Namen nicht mehr hören. Kann dich nicht verstehen. Dieser Schmerz. Ich ertränke ihn in Alkohol. Heute zum ersten Mal. Seit langen Jahren. Und der Weg wird lang. Die Tapeten sind so weiß und kalt, wie das Herz eines Niemands. Zeit bleibt nicht stehen. Jahre kommen nicht zurück und Vergangenes, wird nur selten Zukunft. Prost.
Der Schmerz zieht sich mit dem Whisky bis in die letzte Ecke meines Hirns. Verkrampfe. Und ich würge all die Zweifel und Ängste hinunter. Begrabe sie in Schnaps, Tabletten und Nikotin. Wollte diesen Weg nicht mehr beschreiten, doch es blieb mir keine Wahl. Das Messer schneidet nicht mehr so tief, wie noch vor einem Jahr. Blut bedeutet keine Freiheit mehr. Wenn der Geist in Ketten liegt und selbst der Traum keine Freiheit mehr verheißt, muss man sich geschlagen geben. Du nimmst einfach den Whisky vom Tisch und schraubst den Deckel auf. Im Uhrzeigersinn dreht sich die Welt und niemand hält mich an. Lässt mich einfach gehen.
Heute Nacht hätte ich alles gegeben, um in deinem Arm sein zu dürfen. Und so wahr ich noch am Leben bin, die Bilder sind zu grell. Die Farbe muss raus. Aus den Klamotten. Den Trümmern. Ich trinke mich in den Schlaf, weil dein neu gefundenes Glück mich so sehr zerreißt. Für mich ist diese Last nicht mehr tragbar. Und jedes Wort, verbindet sich mit Lüge und Hass.
Entschuldige bitte. Schau ruhig zu, wie ich von unserem Weg abweiche und ins Wanken gerate. Wie sich vor meinen Augen die Welt entrückt. Und ich lächle noch immer. Weil ich glaube, in deinen Augen das Alte, das Warme wieder zu finden. Und doch weiß ich, dass es nicht mehr so ist. Warte vergebens. An jedem dieser Tage. Trage den Schmerz, bis sich deine Augen schließen. Führe die Flasche an den Mund und verliere mich zwischen diesem und jenem. Hoffnungslos.
Wenn es Gott wirklich gäbe, würde ich nicht noch 20 Jahre darauf warten müssen, dass der Krebs auch nun in mir seine Wurzeln schlägt. Würde es mich nicht geben, hätte ich keinen Grund zur Furcht. Ich bete, dass ich ohne Träume bleibe.
Unerfülltes Ich. Verzweifelt an dem Bild im Spiegel. Jeder Herzschlag bedeutet einen neuen Teufelskreis. Und so weit mich die Schritte auch tragen, es führt mich keiner zu dir. Entferne mich im nächsten Augenaufschlag bereits um eine neu erschaffene Galaxie, von dir.
Und so tut sich der Boden auf. Eine neue Flasche. Ein altes Laster. Ein letzter Tanz.
Memento mori.

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Kommentare zu diesem Text


 Kontrastspiegelung (26.08.12)
Hi Anni,

das memento mori hats mir in deinem Text angetan.
Ich musste es zwar googeln aber es ist dennoch als Schlussatz cool.

Pssst. Wieso 20Jahre lang warten müssen, wenn man "Gott" selber besuchen kann? *hust*

Ich frage mich gerade ernsthaft ob ein Gläubiger auch am Ende so denken wird, oder wird er eher glauben, das es nunmal so für ihn bestimmt ist? Das "Gott" einen Plan hat und er die scheissrolle tragen muss?

Hm...

Liebe Grüße, Kathi
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