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von RainerMScholz

Der Führer hat mein Kind ermordet!* Wir sperren Schwarze Spinnen gegen die Sonne auf. Das Berauschende liegt in uns selbst begraben, verschüttgegangen ist das Offensichtliche, eine Modeerscheinung der in das Hirn tätowierten Abziehbilder von Pop-idol-suprematen.
Bete nicht das Kalb an! Der Führer hat dein Kind ermordet! Die Milch des Untergangs schmeckt fett und süß – Kondensmilch aus kleinen Dosen, die lustige Embleme tragen mit Blümchen und viel Blau. Das ist das Blau der Hölle, aber sie schmeckt so fein. Und was geht mich die Welt an, wenn ich in Gedanken doch auf der heilen Alm weilen kann. Soll doch jeder machen, was er will, was er kann, was er will. Und aus den Augenwinkeln sehe ich gefräßige schwarze Feuerkäfer, die gar nicht da sind. Ich habe mich geirrt und verlaufen im Labyrinth. Die Flügel sind mir gestutzt und ich sehe nur bis zur nächsten Wand. Im Himmel öffnet sich eine Raute, aus der spricht ein Gott, und er sagt: Sonderangebot ab Donnerstag, nur heute, 3,95€ billig, billig! Und der Minotaurus liegt in der Kühltheke, laminiert und wohl filetiert. Er hat den Regenwald aufgefressen, aber da wachsen jetzt Palmen, wie am Strand von Napalmsaigon.
Ich kaufe drei.
Dreimal die Dreieinigkeit, das Werden, das Sein und das Vergehen. Der Führer beging das Vergehen, mir mein Kind zu rauben, für seine Zecke auszubilden und zu ermorden! Am Ende ist doch jeder allein. Und Hildegard Knef sah nie so gut aus, wie in dieser Verfilmung. Und die Deutschen hassten sie dafür. Schnell den Grill anwerfen im Gartenidyll, das Bier gekühlt und die Schwarze Spinne gegen die helllichte Sonne am Mittag. Samstags das Auto, englischsprachiger Rock`n Roll aus dem Radio von den unverständlichen fernwehjauchzigen US of A und abends die Sportschau. Das war unser Internet und heute ist das alles viel besser. Wenn der Onkel Otto besoffen die erste Strophe singheilt und die Tante Veronika den Erdbeerboden in die gute Stube bringt und das gute Service für den Kaffee aus Kaffernland vom Kolonialwarenhändler, der heute Discounter heißt, schön englisch-burisch-kolumbianisch. Und wir vergessen wohlfeil die schwarzen Königreiche, die ausgelöschten und besiegten und versklavten; die sitzen auf Flößen heute über das Meer, und wir wollen sie immer noch nicht wahrhaben.
Der Erzengel Michael spricht zu Seth: „Trachte nicht das Öl vom Baume des Mitleidens zu erhalten und weine nicht darum, denn das mag dir nicht werden, ehe denn vergangen sind 5000 und 500 Jahr.“** Pflanze das Zweiglein, das dir gewährt wurde, Seth, und wässere es, lasse es nicht verkümmern, vergiss es nicht und kümmere dich.
Der Führer hat mein Kind ermordet. Aber lasse die Auserwählten nicht unter uns nicht sein, und der Schutzengel mein behüte mich fein.

*  Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
** Jacobus de Voragine: Legenda Aurea


© Rainer M. Scholz


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Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (11.09.2019)
Du hast es wirklich druff, o Forenliebling!

Nicht nur, dass du die geniale Novelle von Jermias Gotthelf ["Die schwarze Spinne"] einflichst (kennt leider kaum eine Socke, obwohl die lange vor Kafka ganz stark mit Symbolen arbeitete), nein, es gibt gleichsam eine (weitere) Adaption zu bewundern, ein Spiel um Schuld und Sühne. Und um den globalen Kolonialladen, zu dem sich der Garten Eden etwickelt hat.

Topp!
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RainerMScholz meinte dazu am 12.09.2019:
Gotthelf und sein Getier hatte ich bestimmt nur ganz weit hinten irgendwo im Kopf; wobei Kafka es eher mit Käfern hat; wie später Jünger, wenn auch aus entgegengesetzten Motiven, könnte man sagen, aber das führt zu weit für den Moment.
Gruß + Dank,
R.
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RainerMScholz
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Veröffentlicht am 10.09.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.09.2019). Textlänge: 454 Wörter; dieser Text wurde bereits 40 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 09.10.2019.
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