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Lob der Stille

Essay zum Thema Leben/Tod


von LotharAtzert

Sie denken, sie reden über Gott, dabei reden die einen über ihre Vorstellung, die sie vom höchsten Seinszustand haben (Glaube) und die anderen über die Unbeweisbarkeit von Glaube (Logik). So dreschen sie seit Menschengedenken aufeinander ein, mit der Keule aus Glaube und Logik - bis sie irgendwann müde werden. Und weil die Nachkommen (genetisch bedingt) nichts anderes kennen ... ach, es ist müßig: die einen stehen fest zur Gottesburg, die Luther beschwor; die andern sehen den Fehler, aber kommen, Gott lästernd, nie auf des Spiegels wahre Bedeutung: der Nichtigkeit allen Irrens und Meinens. Dh. der Untersucher untersucht nicht sich selbst  und geht an der Vorstellung einer materiell seienden äußeren Welt ebenso in die Irre.

Solange die Vorstellung nicht als ein bloßes Vorstellen des Intellekts erkannt wird (- im Gegensatz zur Erfahrung), ist das alles nur Schein, sei der auch noch so "überzeugend".
Sucht wer wirklich nach Gott, so findet er ihn freilich nicht in Diskussionsrunden, doch möglicherweise in Abgeschiedenheit und Stille. (Wobei es mir persönlich schon zuviel an Vorstellung ist, von Gott zu sprechen. Warum sucht man nicht zunächst nach dem Ursprung?) Je gestillter (leerer) die Diskursivität, umso bereiter wird ein Bewußtsein für den Empfang des Ursprünglicheren.

Je stiller, umso feinere Laute aus der Tiefe des Raum dringen zu Gehör. Davon kann sich jeder selbst über-zeugen, der schweigt. Man braucht ja "nur" nichts mehr zu denken - und schon wittern die ersten kleineren Dämonen Morgenluft, schauen mal rein in die Bewußtheit. in der für sie kein Platz mehr vorgesehen ist, bevor der Gedankenprozess sympathikotone Perser-Teppiche drüber wirft. Der Lärm, den ein Ego verursacht, ist immer aus Schutzgründen vor dem eigenen Unterbewußtsein - den verdrängten Lebensformen. Was tut man nicht alles dafür, der eigenen Tiefe nicht zu nahe zu kommen.

Stille ist grausam, wenn sie plötzlich - bei Herzstillstand zum Beispiel - hereinbricht.
Ab hier, so lehren die Meister, beginnt die Jagd des im Leben nicht Zugelassenen, was ja als Energieform weiter existiert und den Verstorbenen für erlittene Ungastlichkeit zu jagen beginnt. Zwar handelt es sich "nur" um Projektionen des Geistes, aber der Verstorbene weiß es nicht und verliert vor Schreck das Bewußtsein.


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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes Aufbruch zur Juweleninsel.
Veröffentlicht am 23.02.2020, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 23.02.2020). Textlänge: 347 Wörter; dieser Text wurde bereits 218 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.06.2021.
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