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Baudelaire, Flaubert ... oder wie weltfremd sind Literaten

Gedanke zum Thema Kritik/ Kritiker


von eiskimo

Vor ziemlich genau zweihundert Jahren machten in Europa zwei technische Errungenschaften entscheidende Fortschritte: Die Fotografie mit Nicéphore Niépce in Frankreich und die Eisenbahn mit Edward Pease und George Stephenson in England. Das sollte nicht nur das Sehen revolutionieren, sondern auch die menschliche Mobilität und Schaffenskraft.
Vor genau zweihundert Jahren kamen Charles Baudelaire und Gustave Flaubert zur Welt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt sie heute „die Begründer der modernen Literatur“. Der eine gekürt wegen seiner "Blumen des Bösen", der andere für "Madame Bovary".
Interessant ist, wie diese beiden so wichtigen Literaten  jene bahnbrechenden Fortschritte ihrer Epoche beurteilten – sie haben den Zauber der neuen  Technik ja hautnah miterlebt.
Nun,  Baudelaire hasste  die Fotografie. Sie sei Höhepunkt des realistischen Aberglaubens, „dass die Kunst die genaue Nachbildung der Natur ist und nichts anderes sein kann als diese Nachbildung“!
Und Flaubert?  „Ein Band Gedichte ist mehr wert als die Eisenbahn!“
Nein, die „Begründer der modernen Literatur“  haben aus ihrer Abneigung gegen das, was man begeistert als gewaltigen Fortschritt feierte, keinen Hehl gemacht. Baudelaire nannte sein Jahrhundert später auch einmal eine „große Barbarei mit Gasbeleuchtung“.

Und die Literaten heute?  Haben sie mehr Gespür für die Umbrüche unserer Zeit? Oder sehen sie auch nur technische Halbgötzen am Werk?  Die Digitalisierung vielleicht?  Homeoffice?  Biontech, das bargeldlose Zahlen? Netflix…
Gibt es bei uns überhaupt anerkannte Literaten, deren Urteil irgendeinen nachhaltig interessiert?

Anmerkung von eiskimo:

Anstoss zu meinem Gedanken ist der Artikel von Wolfgang Matz "Stil als Ausweis künstlerischer Wahrheit". FAZ vom 9.4.2021, Nr. 82, S.9


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von nobbi (63) (09.04.2021)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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eiskimo meinte dazu am 09.04.2021:
Kann ich sehr gut nachvollziehen!
LG
Eiskimo
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Graeculus
Kommentar von Graeculus (09.04.2021)
Gibt es bei uns überhaupt anerkannte Literaten, deren Urteil irgendeinen nachhaltig interessiert?

Das ist eine interessante Frage.
Einen Konsens gibt es darüber wohl nicht.
Zur Diskussion stünden: Juli Zeh, Daniel Kehlmann, Peter Handke, Uwe Tellkamp; Jonathan Franzen, Paul Auster, David Foster Wallace [schon tot]. (toltec-head würde ganz andere Namen nennen, vor allem sich selbst.)

Mein persönlicher Favorit, was eine nachdenkliche Analyse der Gegenwart angeht, ist Burkhard Müller.
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eiskimo antwortete darauf am 09.04.2021:
Danke für die interessanten Namen. Ich kenne nur toltec-head
(kleiner Witz!)
Meinst Du Burkhard Müller-Ullrich?
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AchterZwerg schrieb daraufhin am 10.04.2021:
Paul Auster auf jeden Fall!. - Ach, die "City of Glass ..."
Juli Zeh indes wird schnell vergessen sein. Aus meiner Sicht mit Fug und Recht.
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Dieter Wal äußerte darauf am 10.04.2021:
@Graeculus: Truman Capote?
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Graeculus ergänzte dazu am 10.04.2021:
Nein, ich meine Burkhard Müller ohne Ullrich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Burkhard_M%C3%BCller_(Literaturkritiker)
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Graeculus meinte dazu am 10.04.2021:
Den Frankophilen hätte man noch Michel Houellebecq anbieten können; das aber habe ich mir nach der Lektüre seiner 2020 erschienenen Essay-Sammlung "Ein bisschen schlechter" verkniffen.
Anderthalb Schritte weiter, und er landet wieder im Schoß unserer Hl. Mutter der Kirche:
Kann die katholische Kirche zu ihrem alten Glanz zurückfinden? Ja, vielleicht schon, ich weiß es nicht.
Es wäre gut, wenn sie sich endgültig vom Protestantismus entfernen und sich wieder der Orthodoxie annähern würde. Sich vollständig in ihr zu integrieren, wäre die beste Lösung, doch das ist nicht einfach.

(a.a.O., S. 172)
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eiskimo meinte dazu am 10.04.2021:
Mon Dieu! möchte ich da als Frankophiler ausrufen.... Non!
Außerhalb Frankreichs hatte ich noch Christoph Ransmayr im Blick.
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (10.04.2021)
Literaten leben ja in ihrem eigenen Universum, sind also per se "weltfremd." Oft deutet sich dies in ihren sog. politischen Schriften an.

Aus meiner Sicht zeigt sich das Nachhaltige eher in der künstlerischen Qualität. Und da gibt es schon einige, die seit eh und je die Bücherregale füllen, von mir aus auch die Tablets.
Baudelaire und Flaubert (Hessisch: Sprich Floppert ) sind wohl auf ewig dabei.

Liebe Grüße
der8.
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eiskimo meinte dazu am 10.04.2021:
Von "Floppert" beeindruckt hat mich eine ganz kurze Erzählung (der war ja ansonsten immer ziemlich lang): "Un coeur simple...."
Die Geschichte eines Dienstmädchens.
Und Baudelaire: "Le chat" : Viens mon beau chat, sur mon coeur amoureux....
Wobei im Französischen Katze ja männlich ist.
LG
Eiskimo
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (10.04.2021)
Sehr interessanter Essay. Die Faustregel dazu stammt eigentlich aus der Musikwissenschaft. Die lautet: Alle 500 Jahre entsteht weltweit ein Musikgenie wie Wolfgang Amadeus Mozart. Übertragen auf Literatur könnte man im dt. Sprachraum ev. Goethe nennen. In Frankreich war das lit. Universalgenie erstaunlicherweise gerade eben nicht Baudelaire, sondern höchstwahrscheinlich François Villon. Malerei Leonardo da Vinci. Physik Albert Einstein. Philosophie: Platon.

Was im Text beschrieben wird, ist weit mehr als Höchstintelligenz. Es handelt sich um Universalgenies. Die sind äußerst selten.

Kommentar geändert am 10.04.2021 um 08:29 Uhr
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eiskimo meinte dazu am 10.04.2021:
Danke für Deine Würdigung! Was Du ergänzend anfügst, hebt meinen kleinen Ansatz noch einmal auf ein ganz anderes Niveau!
Werde jetzt mal F. Villon unter die Lupe nehmen.....
salut
Eiskimo
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Dieter Wal meinte dazu am 10.04.2021:
"Werde jetzt mal F. Villon unter die Lupe nehmen....." Freut mich! Die These ist schwer zu beweisen, weil er in einer Zeit lebte, in der noch keine Interviews geführt wurden und kaum Medien im heutigen Sinn vorhanden waren (Gutenberg (* um 1400 ; † 1468), Villon (* 1431; † nach 1463). Doch dass Villon eine rasierklingenscharfe Intelligenzbestie und äußerst ausgeprägte Persönlichkeit (Großer Poet) war, wird durch Lektüre seiner Gedichte im Original und Vergleich verschiedenster Nachdichtungen, die teilweise großartig sind, mehr als ersichtlich. Brechts Dreigroschenoperlibretto geht auf die Villon-Nachdichtungen Paul Zechs zurück. Brechts vertontes Theaterstück ist auch als Hommage auf Villon interpretabel.
Der große Bruder von Fritz Graßhoffs Halunkenpostille ist Villon.

Antwort geändert am 10.04.2021 um 20:02 Uhr
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Dieter Wal meinte dazu am 11.04.2021:
Baudelaire nannte sein Jahrhundert später auch einmal eine „große Barbarei mit Gasbeleuchtung“.

Ich liebe Baudelaire. Seine pessimistisch-polemische Bemerkung ist mit dem Aufkommen der Industrialisierung, zunehmender bitterer Armut der Arbeiter, Sklaven- und Kinderarbeit, Karl Marx, Zensur und rigider Politik verbunden. Er war reich. Doch er war nicht blind für das Leid seiner Mitmenschen.
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Quoth
Kommentar von Quoth (10.04.2021)
Ich bin kein "anerkannter Literat", meine Meinung ist also von vorneherein völlig uninteressant. Aber ich bin ein relativ erfahrener Forenschreiber und sehe in diesem Medium nur selten, dass Auseinandersetzungen mit der Technik, dem sog. Fortschritt stattfinden - vielleicht u.a. weil der Glaube an den Fortschritt abhanden gekommen ist. Vor 10 Jahren hab ich mal ein Gedicht auf das Windrad gepostet - bin mehr oder weniger auf nacktes Entsetzen gestoßen ... Gibt es hier sowas? Dabei sind Windräder - trotz manches schönen Vogels, der ihnen zum Opfer fällt - d i e Hoffnungsträger.
Baudelaire war in erster Linie Ästhet, sein Gedicht "Une charogne" ist für mich ein wichtiger Trittstein zur Moderne, hat Benns "Morgue"- Gedichte vorbereitet. Was interessieren angesichts eines solchen Fortschritts Fotografie und Eisenbahn? Eisenbahnpoesie gibt es übrigens massenhaft - aber über wiegend von zweit- und drittrangigen Autoren - wie uns!
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eiskimo meinte dazu am 10.04.2021:
Für mich höchst interessant, was Du da erläuterst. Technik hat offenbar nicht genug Tiefe und Mystik, bleibt somit den Mint-Strategen vorbehalten.
"La charogne" bewegt natürlich anders als das noch so poetische Schnaufen einer alten Dampflok, bien d´accord!
LG
Eiskimo
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Dieter Wal meinte dazu am 10.04.2021:
@Quoth: Ich halte Fontanes Die Brück’ am Tay für eine sehr gute Ballade und ihn selbst als Autor für erstklassig.

Oder Kästners Eisenbahngleichnis. 1 A-Autor.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Br%C3%BCck%E2%80%99_am_Tay
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Kommentar von nobbi (63) (12.04.2021)
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