Der Schmerz der Nachlebenden

Kurzprosa zum Thema Tod

von  loslosch

Quem di diligunt, adulescens moritur (Plautus, ~254 v. Chr. bis  ~184 v. Chr.; Bacchides). Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben.

Dieser knappe Gedanke, übernommen vom älteren Griechen Menander, drückt den Schmerz derer aus, die vom frühen Tod eines Nahestehenden betroffen und berührt sind. Im Plural (di oder dii = Götter, statt deus = Gott) manifestiert sich vorchristliches Denken; zugleich gelingt der bekannte Hexameter. Hierin schlägt sich ein religiöses Empfinden nieder: Die Götter haben den über alles Geliebten (die über alles Geliebte) heimgeholt.

Der polytheistische Ansatz hat wohl verhindert, dass das intensive Empfinden und Erleben, das sich in dieser Sentenz ausdrückt, den ihm gebührenden, überragenden Stellenwert erlangt hat.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text

Jack (33)
(08.02.10)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 loslosch meinte dazu am 08.02.10:
Lies mal eins tiefer, bei einer Erklär-Bärin. :) Lo
Jack (33) antwortete darauf am 08.02.10:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 loslosch schrieb daraufhin am 08.02.10:
Du kommentierts an der falschen Stelle. Diese aus meiner Sicht kaum sachliche Bemerkung ("geistlose ...") gehört unter den Folgekommentar. Nur Mut!
Lo

 Emotionsbündel (08.02.10)
Na sowas ....

Vor zwei Wochen war ich im Sinfoniekonzert, das unter dem Motto "Wen die Götter lieben...." stand. Da hieß es:

"Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben.", dichtete Titus Maccius Plautus schon im 3. Jahrhundert vor Christus. Es ist ein Phänomen, dass gerade Menschen, die ganz offensichtlich mit besonderen Gaben und Fähigkeiten bedacht wurden, häufig frühzeitig aus dem Leben scheiden mussten. In der Musik denkt man dabei natürlich zuerst an W.A. Mozart (1756-1791), an Carl Maria von Weber (1786-1826), an Franz Schubert (1797-1828) und an Peter Ronnefeld (1935-1965). Letzterer war eine der größten musikalischen Hoffnungen des 20. Jahrhunderts.
Die Frage, was diese Komponisten noch alles hätten schreiben können, wenn sie länger gelebt hätten, muss für immer unbeantwortet bleiben. Trost spenden jedoch die vielen wunderbaren Werke, welche sie tatsächlich hinterlassen haben.

Zu fragen bleibt natürlich, was ist mit denen, die älter werden?

Liebe Grüße, Judith

 loslosch äußerte darauf am 08.02.10:
... mit denen, die älter werden ...

Ich bezieh das mal vorsorglich nicht auf mich.

Unter den Literaten gibts so manche. Allein die im 1. Weltkrieg Gefallenen. Die meisten wichtigen im 2. Weltkrieg waren geflüchtet oder hatten sich verkrochen (Erich Kästner z. B.). Natürlich denken wir auch an den 30-jährig verstorbenen Römer Catull.

Tucholsky zähle ich ebenfalls dazu, der den Freitod in Schweden "wählte". Dabei wars ein Mix aus Verzweiflung an Nazideutschland und einer Nasenerkrankung, die auch auf Adolf zurückzuführen sein dürfte.

;-) Lothar

Nachtrag: Na sowas ... Dein Kommentar wurde soeben von Jack als unsachlich [pardon: geistlos] abgetan. Ich würde mich an Deiner Stelle nicht rühren. Manche Kommentare richten sich selbst ...;-) Lo
(Antwort korrigiert am 08.02.2010)
(Antwort korrigiert am 08.02.2010)
elvis1951 (59)
(08.02.10)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 loslosch ergänzte dazu am 08.02.10:
Man sollte den deutschen Text, von Dir witzig kompiliert, für sich betrachten. Das hat was. - Wenn man nicht weiß, wie´s zustande gekommen ist. Lothar
Graeculus (69)
(23.01.17)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 loslosch meinte dazu am 23.01.17:
plautus ist ein ganz großer, das wussten schon shakespeare und goethe. das zitat im zusammenhang hier:

Der Satz stammt aus dem Schauspiel Der zweifache Betrüger von Menander:
Ὅν οἱ θεοὶ φιλοῦσιν, ἀποθνῄσκει νέος. (Hon hoi theoi philousin, apothnēskei neos) „Wen die Götter lieben, der stirbt jung.“
Plautus verwendet diese Sentenz allerdings höchst sarkastisch:
Chrysalus (zu dem begriffsstutzigen Nicobulus): „Wen die Götter lieben,/ der stirbt jung, solang er noch wohlauf ist, denkt und bei Verstand ist. / Wenn den da irgendein Gott lieben würde: seit mehr als zehn Jahren, / mehr als zwanzig schon müsste der tot sein. / Als Hass der Erde spaziert er jetzt herum, weiß nichts, / denkt nichts, ist soviel wert wie ein modriger Pilz.“ (818−821)

bärenstark. die frage ist damit aber nicht beantwortet.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram