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Zwischen zwei Welten

Kritik zum Thema Literatur


von eiskimo

Will man sich in seiner komfortablen Leseecke im warmen zu Hause wirklich aufs mörderische Mittelmeer begeben, an Bord eines kaum seetüchtigen Zodiac-Schlauchbootes zusammen mit 200  Flüchtlingen aus Vorderasien und Afrika, die sich - komme, was wolle - drei abgebrühten Schleppern ausgeliefert haben?
Das Meer ist aufgewühlt; ein fiebrig hustendes Kind wird zum Gesundheitsrisiko für alle, es wird der Mutter entrissen, brutal beseitigt -  so beginnt der vor einem Jahr erschienene „roman noir“ von Olivier Norek, in Frankreich vielfach ausgezeichnet, der uns ins Jahr 2016 zurück versetzt.
      Will man sich also tatsächlich auf diese kaum in Worte zu fassende Todesfahrt begeben und bleibt mit einiger Pein dabei, dann zeigt Norek in einer Rückblende, warum Nora Sarkis, mit ihrer Tochter Maya, aber ohne ihren Mann Adam, diese fatale Flucht aus Damaskus angetreten hat.
Adam Sarkis, Mitglied der freien syrischen Armee, hatte als V-Mann in der Armee Bachar el-Assads Beweise dafür gefunden, dass der Diktator - für alle Welt nachweisbar - „schmutzige“ Waffen gegen die Aufständischen eingesetzt hatte... aber mit der Weitergabe dieser Beweise war seine Enttarnung nur noch ein Frage weniger Tage, vielleicht Stunden. Er schickt also seine Frau und Tochter alleine auf eine von langer Hand geplante Flucht, mit dem festen Plan, seiner Familie schnellst möglich zu folgen.
Wer noch weiter liest: Adam Sarkis verliert den Kontakt zu Frau und Tochter, aber ihm gelingt die Flucht. Nora Sarkis dagegen stirbt am siebenten Tag der Überfahrt bei dem Versuch, ihre über Bord geworfene Tochter aus dem Mittelmeer zu retten.
Was folgt, ist der verzweifelte Versuch des Vaters, die Seinen auf den verabredeten Flucht-Etappen ausfindig zu machen. Das „Nadel-Öhr“, wo er sie mit relativ großer Wahrscheinlichkeit würde entdecken können, das ist „der Dschungel“, das wilde, in wundersamer Selbstverwaltung improvisierte Flüchtlings-Camp nahe der nordfranzösischen Hafenstadt Calais,  Auffangbecken für ca. zehn Tausend Migranten, die alle nur eins im Sinne haben: Nach sechs, sieben oder acht Tausend Kilometern Flucht quer durch die Kontinente bloß noch die restlichen 80 Kilometer zu schaffen: Den Ärmelkanal, oder genauer gesagt: Den Tunnel, durch den sie ins Gelobte Land kämen, nach UK. Ein Tunnel, der jedoch mit allen polizeitechnischen Mitteln für sie unpassierbar gemacht wird.
Ein Großteil von Olivier Noreks Roman spielt in Calais, in diesem Niemandsland zwischen einem aufgegebenem Strand, der Industrie-Brache und einem platt gemachten Friedhof, wo ab 2006 jener „Dschungel“ entstanden war.
Hier tritt der zweite Held aus  „Zwischen zwei Welten“ in Erscheinung: Polizei-Leutnant Bastien Miller.  Er hat sich in ziemlicher Unkenntnis seines neuen Einsatzortes nach Calais versetzen lassen, weil er sich dort, in der Heimatstadt seiner Frau Manon, erhofft, dass diese sich von ihren schon zwei Jahre andauernden Depressionen erholen würde.
Mit Bastien entdeckt der Leser den „Dschungel“. Er erfährt, welche caritativen Organisationen dort tätig sind, wie man die Sicherheit der Frauen gewährleistet, welche Gruppen das Sagen oder auch das Nachsehen haben. Er bekommt Einblick in die fragwürdige Routine-Arbeit der dort eingesetzten Polizisten, er lernt die „deals“ kennen, die beiden Seiten das Überleben im „Dschungel“ erlauben, den Flüchtlingen wie denen, die da – wenigstens nach außen-  zeigen sollen, dass der Staat noch die Kontrolle habe.
Polizei-Leutnant Miller trifft jetzt auf Adam Sarkis, der – um nicht verrückt zu werden über seine erfolglose Suche nach Frau und Kind -  Schutzpatron eines allein angereisten zwölfjährigen Kindes aus Afrika wird.
Für den kleinen Kilani, der Sexual-Spielzeug des führenden Lager-Clans geworden war, ist Sarkis die Rettung. Und umgekehrt wird dieser Halbwüchsige für Bastien und Adam nun zum verbindenden Element, besser: zum neuem Sinnstifter -  mitten in diesem „Dschungel“, dieser Endstation, diesem Ort unerfüllbarer Hoffnungen, die stets wieder zerstört werden.
Olivier Norek ist seit sechzehn Jahren selber Leutnant der Polizei, er kennt die Situation vor Ort. Er beschönigt nichts und er schont niemanden. Der Roman „Zwischen zwei Welten“ zeigt eine perfide Realität in aller Grausamkeit, aber...  man entdeckt auch ein paar Fünkchen von Menschlichkeit.
Super geschrieben, packend zu lesen, aber schwer zu verdauen, wenn man sich im warmen Wohnzimmer in seiner Leseecke befindet und klar macht, dass man Teil dieses Europas ist, das einem da in seiner ganzen Widersprüchlichkeit vor Augen geführt wird.

Anmerkung von eiskimo:

Das war meine Ferien-Lektüre. Meines Wissens gibt es diesen Roman nicht im Deutschen. Ich meine auch gelesen zu haben, dass der "Dschungel" in Calais inzwischen (wieder einmal) platt gemacht worden ist - dafür gibt es viele neue kleine Dschungel...


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Sin (55) (09.05.2019)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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eiskimo meinte dazu am 09.05.2019:
Danke - ich gebe das Lob an Olivier Norek weiter. Trotzdem freue ich mich sehr über so eine Rückmeldung!
lG
Eiskimo
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eiskimo
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Veröffentlicht am 09.05.2019, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 09.05.2019). Textlänge: 674 Wörter; dieser Text wurde bereits 106 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 27.06.2020.
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