Alle 308 Textkommentarantworten von autoralexanderschwarz

21.04.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Wo ist denn bloß mein Jünger von  LotharAtzert: "auch ne tolle Band"

21.04.19 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun: "Danke für deinen Kommentar (und die kleine Spitze). Es ist wirklich etwas theatralisch."

20.04.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Abschied. von  FrankReich: "Versteh mich nicht falsch. Es müssen und sollen gar nicht mehr Worte sein, aber es ist schon wahr. Unbewusst schwang das vielleicht mit. Es gibt viele solcher Gedichte. In meinen Augen zeigt es mehr ein Potential, als dass es für sich genommen begeistert (auch wenn es nahezu makellos ist). Mich hat es sprachmelodisch an Paul Zech erinnert. Gruß AlX"

07.03.19 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Gouvernementalität: "Nachtrag (und Tipp für Tabakraucher): Seit der Einführung jener Versiegelungsverschlüsse bei einigen Tabaksorten ist es jetzt möglich den Packungsteil mit den Bildern einfach abzureißen (oder zu schneiden) ohne das die Funktionalität der Tabakpackung beeinträchtigt wird."

07.02.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Ewa von  Oreste: "Dem würde ich widersprechen. Auch wenn ein „Füllwort“ semantisch vielleicht redundant ist, bedeutet das mitnichten, dass es grundsätzlich überflüssig ist, weil es dann zumeist (wie auch hier) lautliche Funktionen erfüllt. Das ist zumeist auch der - häufig unbewusste - Grund, warum man es überhaupt schreibt. Antwort geändert am 07.02.2019 um 13:13 Uhr"

05.02.19 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Hügel und Felder: "Ja, das ist schön. So fühlte ich mich, als ich in meiner Jugend einmal nachts mit Freunden über den Zaun auf meinen alten Kindergartenspielplatz geklettert bin und dort sinnend das Klettergerüst bestaunt habe, das mir etwa bis zum Kinn reichte."

27.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Sozialismus von  AlmÖhi: "Und wenn du den Liberalismus als Vorbedingung des Kapitalismus begreifst, dann kommst du auch bei deiner „Opferberechnung“ zu ganz anderen Ergebnissen. Und auch die Sklaverei ist leider nicht in allen Weltteilen abgeschafft. Sie wird nur gemeinhin nicht mehr als solche bezeichnet."

27.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Sozialismus von  AlmÖhi: "Das ist m. E. schief. Du vergleichst eine Staatsform mit einer Ideologie bzw. Denkrichtung. Zudem basiert der Liberalismus mitnichten auf Hobbes. Das ist m. E. ohne (raffinierte) weiterführende Begründung erst einmal falsch. Oder meinst du das dialektisch?"

27.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Sozialismus von  AlmÖhi: "Vielleicht ist er mehrdeutig, aber – wie ich finde – nicht irreführend. Genauer müsste es heißen: Ob man daran glaubt, dass aus den Trümmern eines zerstörten Systems ein besseres entstehen würde, ist relativ zum eigenen Menschenbild. Rousseau hätte diese Frage wohl anders beantwortet als Hobbes und beide hätten sich auf plausible Argumente stützen können (selbst ohne den „edlen Wilden“ oder den „war[re] of everyone against everyone“)."

27.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Sozialismus von  AlmÖhi: "Der Fehler Vieler im Bezug auf den Begriff „Anarchie“ bzw. „Anarchismus“ ist eben jener, nicht zu berücksichtigen, dass die meisten (ernstzunehmenden) Denker, die ihn bemühen (wie bspw. Bakunin), diesen nie als Endziel sondern vielmehr als eine Art Übergangsstatus begreifen, der den Menschen die Möglichkeit gibt ein neues (vorher noch nicht antizipierbares) System zu schaffen, das zumindest die Hoffnung beinhaltet besser zu sein als das gegenwärtige. Ein solches neues System würde dann gewissermaßen organisch von unten nach oben (aus dem Volk) erwachsen (bspw. in Form einer Räterepublik) und nicht (wie eigentlich alle anderen Theorien) einem Volk gewissermaßen von oben nach unten verordnet. Dies nur zu Erläuterung. Ob man daran glaubt, ist relativ zum eigenen Menschenbild. Antwort geändert am 27.01.2019 um 13:19 Uhr Antwort geändert am 27.01.2019 um 13:28 Uhr"

21.01.19 - Kommentarantwort zum eigenen Text  (12) - Wachs (Epilog): "Danke für deinen Kommentar. Der Text ist für mich in erster Linie ein Epilog, was hier heißt, dass sich nahezu jede Zeile direkt auf eine andere (vorausgegangene) Zeile bezieht, auch das Fazit, das textimmanent betrachtet vielleicht tatsächlich redundant ist, ist ja gleichzeitig das Fazit eines Konvoluts aus elf Texten. Ganz ungeachtet dessen freut mich, dass dir der Text gefällt und dass er es – so gesehen – auch vermag für sich selbst zu stehen. Dank & Gruß AlX"

09.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Nacht mit Kafka von  Oreste: "Hab tatsächlich ein Bild von Nietzsche (das buntere von den beiden Munch-Portraits), wenn auch (noch) keine Büste. Ansonsten hoffe ich das auch."

09.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Nacht mit Kafka von  Oreste: "Das macht schon alles Sinn (und obwohl ich hier die ganze Zeit Zwischenzeit gegenrecherchiert habe, finde ich bislang auch keinen Gegenbeweis). Ich mag das Wort "niemals" wohl einfach nicht."

09.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Nacht mit Kafka von  Oreste: "... wobei ich denke, dass "niemals" wahrscheinlich dann doch nicht zutrifft. Manche Begriffe (bspw. im Anschluss an lange Vokale) hat er bestimmt auch mit "ß" geschrieben (auch wenn ich leider keine Fassung der Handschrift vorliegen habe) Gruß AlX."

09.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Nacht mit Kafka von  Oreste: "Das ist wirklich interessant, wollte ich zunächst gar nicht glauben (und war mir sicher Kafkas "ß" vor dem geistigen Auge zu haben), aber du hast recht. Danke. AlX"

09.01.19 - Diskussionsbeitrag zum Text  Nacht mit Kafka von  Oreste: "@Dieter Wal: Du meinst wohl "das Schloß". @Oreste: Finde ich gelungen, wobei mich das Komma im letzten Satz stört. Gruß AlX"

13.12.18 - Diskussionsbeitrag zum Text  Erwachsen werden von  EkkehartMittelberg: "@MichaelBerger Mit dem „darf“ hebst du das Ganze auf eine andere Ebene. Weder Arendt noch Meinhof haben eine schlüssige moralphilosophische Begründung. Sartre kann (und muss) diese aber – aus einer existentialistischen Sicht – auch gar nicht führen (wenn es keine „Essenz“ gibt, kann es auch keine – intersubjektive – Moral geben; alle (später ja durchaus vorhandenen) Argumentationen Sartres, die in diese Richtung gehen, laufen ins Leere). Ein schönes Beispiel ist folgende Geschichte Sartres: "Um Ihnen ein Beispiel zu geben, welches erlaubt, die Verlassenheit besser zu verstehen, führe ich den Fall eines meiner Schüler an, der mich unter folgenden Umständen aufgesucht hat: Sein Vater lebte in Zwiespalt mit seiner Mutter und neigte übrigens zur Kollaboration, sein ältester Bruder war bei der deutschen Offensive 1940 getötet worden; und jener junge Mann wünschte in seinem etwas primitiven, aber hochherzigen Gefühl, ihn zu rächen. Seine Mutter lebte allein mit ihm, sehr betrübt durch den halben Verrat seines Vaters und durch den Tod ihres ältesten Sohnes, und fand nur Trost an ihm. Dieser junge Mann hatte in dem gegebenen Augenblick die Wahl, entweder nach England zu gehen und sich in die Freien Französischen Streitkräfte einzureihen - das heißt, seine Mutter zu verlassen - oder bei seiner Mutter zu bleiben und ihr leben zu helfen. Er gab sich gut Rechenschaft davon, daß diese Frau nur durch ihn lebte und daß sein Verschwinden - und vielleicht sein Tod - sie in die Verzweiflung stürzen würde. Er gab sich auch Rechenschaft, daß im Grunde, konkret gesprochen, jede Handlung, die er aus Rücksicht auf seine Mutter unternahm, ihre Entsprechung haben werde in dem Sinne, daß er ihr zu leben verhalf, während jede Handlung, die er unternahm, um wegzureisen und zu kämpfen, eine zweideutige Handlung war, die im Sande verlaufen und zu nichts dienen könnte. Zum Beispiel, indem er nach England reiste, konnte er unbestimmte Zeit in einem spanischen Lager verbleiben […]; er konnte in England oder Algier ankommen und in ein Büro versetzt werden, um Schreibarbeiten zu machen. Folglich befand er sich angesichts zweier ganz verschiedener Typen von Handlungen: einer konkreten, unmittelbaren, die sich aber nur an ein Individuum richtete; oder aber einer Handlung, die sich an ein unendlich weiteres Ganzes, eine nationale Gemeinschaft wendete, die aber eben deswegen zweideutig war und unterwegs unterbrochen werden konnte. Und gleichzeitig zögerte er zwischen zwei Typen von Moralen. Auf der einen Seite eine Moral der Sympathie; der individuellen Hingabe, auf der anderen Seite eine umfassendere Moral, die aber von einer fragwürdigeren Wirksamkeit sein konnte. Es mußte zwischen den beiden gewählt werden. Wer konnte ihm helfen, zu wählen? Die christliche Lehre? Nein. Die christliche Lehre sagt: Seid barmherzig, liebet euren Nächsten, opfert euch für die andern, wählt den rauhen Weg usw. Aber welcher ist der rauheste Weg? Wen soll man lieben wie seinen Bruder: den Kämpfer oder die Mutter? Welches ist die größere Nützlichkeit: jene unbestimmte, in einer Gesamtheit zu kämpfen, oder jene sichere, einem genau bestimmten Menschen leben zu helfen? Wer kann a priori darüber entscheiden? Niemand. Keine aufgezeichnete Moral kann es sagen. Die kantische Moral erklärt: Behandle die anderen nie als Mittel, sondern als Zweck. Sehr gut; bleibe ich bei meiner Mutter, so behandle ich sie als Zweck und nicht als Mittel, aber ich laufe Gefahr, diejenigen als Mittel zu behandeln, die um mich her kämpfen; und umgekehrt, wenn ich mich denen anschließe, die kämpfen, so behandle ich sie als Zweck und laufe dementsprechend Gefahr, meine Mutter als Mittel zu behandeln. Wenn die Werte unbestimmt sind und immer zu weit gespannt für den bestimmten und konkreten Fall, den wir eben betrachten, so bleibt uns nichts, als uns auf unseren Instinkt zu verlassen. Das hat jener junge Mann versucht zu tun; und als ich ihn damals sah, sagte er: Das, was im Grunde wichtig ist, ist das Gefühl; ich sollte das wählen, was mich wirklich in eine bestimmte Richtung drängt. Fühle ich, daß ich meine Mutter genügend liebe, um ihr alles andere - meinen Wunsch nach Rache, meinen Tatendrang, meinen Trieb nach Abenteuern - zu opfern, so bleibe ich bei ihr. Wenn im Gegenteil ich fühle, daß meine Liebe für meine Mutter nicht genügend ist, so gehe ich. Aber wie den Gradwert eines Gefühls bestimmen? Was macht den Gradwert seiner Liebe zu seiner Mutter aus? Genau die Tatsache, daß er für sie da blieb. Ich kann wohl sagen, ich liebe den und den Freund genügend, um ihm die und die Summe Geldes zu opfern; aber ich kann es nur sagen, wenn ich es tatsächlich getan habe. Ich kann sagen: ich liebe meine Mutter genügend, um bei ihr zu bleiben - wenn ich bei ihr geblieben bin. Den Gradwert dieser Zuneigung kann ich erst bestimmen, wenn ich eine Tat vollbracht habe, die ihn bestätigt und definiert. Da ich aber von diesem Gefühl verlange, meine Handlung zu rechtfertigen, so finde ich mich in einen circulus vitiosus hineingezogen. [...] Mit anderen Worten gesagt: das Gefühl baut sich auf aus den Handlungen, die wir vollziehen; demnach kann ich es nicht befragen, um mich von ihm leiten zu lassen. Was wiederum bedeutet, daß ich weder in mir selber den authentischen Zustand suchen, der mich zum Handeln treibt, noch einer Moral die Begriffe entlehnen kann, die mir erlauben, zu handeln. Wenigstens, werden Sie sagen, hat der junge Mann einen Professor aufgesucht, um ihn um Rat zu fragen. Aber, wenn Sie sich z. B. bei einem Priester Rat holen, so haben sie den Priester selbst gewählt, so wußten Sie im Grunde schon mehr oder minder, was er Ihnen raten würde. Anders gesagt, einen Ratgeber wählen heißt, wieder sich selbst binden. Der Beweis dafür ist, daß, wenn Sie Christ sind, sie sagen werden: Fragen Sie einen Priester um Rat. Nun gibt es aber kollaborationistische Priester, attentistische1 Priester, Widerstands-Priester. Welchen wählen? Und wenn der junge Mann einen Widerstands-Priester oder kollaborationistischen Priester wählt, so hat er selbst schon über die Art des Rates entschieden, den er empfangen wird. Somit, indem er zu mir kam, wußte er die Antwort, die ich ihm erteilen würde, und ich hatte ihm nur eine Antwort zu geben: Sie sind frei, wählen Sie, das heißt erfinden Sie. Keine allgemeine Moral kann Ihnen angeben, was Sie zu tun haben. Es gibt keine Zeichen in der Welt ... Quelle: Jean-Paul Sartre: Ist der Existenzialismus ein Humanismus? In: Drei Essays. Europa Verlag. Zürich, 1976. ." Obenstehend meine ich nur, dass der pazifistische Widerstand (mit dem ich wie du ohne Frage sympathisiere) nicht notwendig erfolgreich sein muss. Ob dies eine ausreichende Begründung sein kann, um Gewalt anzuwenden, ist eine individuelle Abwägung nach individuellen Maßstäben. Sartre vertritt – ähnlich wie bspw. Marx oder Bakunin – die Position, dass der Kapitalismus nicht reformierbar sei, was sich durchaus soziologisch (bspw. im Rekurs auf Althusser) aber auch psychologisch (bspw. im Rekurs auf Foucault) stützen und begründen ließe. In dem Zitat sagt Sartre ja auch eigentlich nur, dass es aus seiner Sicht keinen anderen Weg gebe, diese Gesellschaftsform zu überwinden. Das ist keine moralphilosophische Begründung, sondern lediglich eine Feststellung bzw. ein (logischer) Schluss. Nicht mehr, nicht weniger. Gruß AlX"

12.12.18 - Diskussionsbeitrag zum Text  Erwachsen werden von  EkkehartMittelberg: "@Michael Berger Noch ein kleiner Nachtrag, damit das nicht so aussieht, als würde ich Kapitalismus und Faschismus gleichsetzen (so wie bspw. Brecht das ja zeitweise getan hat). Eigentlich wird der neuralgische Punkt des pazifistischen Widerstandes bereits in deinem Zitat deutlich. Der Faschismus marginalisiert jene Scham durch die Entmenschlichung seines Feindes, der Kapitalismus durch das (im Zuge der Globalisierung mögliche) „Unsichtbarwerdenlassen“ seiner Opfer. Niemand würde wohl die Elendsprodukte kaufen, für welche die Nachbarskinder bluten mussten. Und für die oben erwähnten Alt-68er: Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht. Protest ist, wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass alle andern auch nicht mehr mitmachen. « So ähnlich - nicht wörtlich - konnte man es von einem Schwarzen der Black-Power-Bewegung auf der Vietnam-konferenz im Februar in Berlin hören. Die Studenten proben keinen Aufstand, sie üben Widerstand. Steine sind geflogen, die Fensterscheiben vom Springerhochhaus in Berlin sind zu Bruch gegangen, Autos haben gebrannt, Wasserwerfer sind besetzt worden, eine BILD-Redaktion ist demoliert worden, Reifen sind zerstochen worden, der Verkehr ist stillgelegt worden, Bauwagen wurden umgeworfen, Polizeiketten durchbrochen - Gewalt, physische Gewalt wurde angewendet. Die Auslieferung der Springerpresse konnte trotzdem nicht verhindert werden, die Ordnung im Straßenverkehr war immer nur für Stunden unterbrochen. Die Fensterscheiben wird die Versicherung bezahlen. An Stelle der ausgebrannten Lastautos werden neue ausfahren, der Wasserwerferbestand der Polizei wurde nicht verkleinert, an Gummiknüppeln wird es auch in Zukunft nicht fehlen. Also wird das, was passiert ist, sich wiederholen können: Die Springerpresse wird weiter hetzen können, und Klaus Schütz wird auch in Zukunft dazu auffordern können, »diesen Typen ins Gesicht zu sehen« und die Schlussfolgerung nahelegen, ihnen reinzuschlagen - was am 21. Februar bereits geschehen ist -‚ schließlich zu schießen. Die Grenze zwischen verbalem Protest und physischem Widerstand ist bei den Protesten gegen den Anschlag auf Rudi Dutschke in den Osterfeiertagen erstmalig massenhaft, von vielen, nicht nur einzelnen, über Tage hin, nicht nur einmalig, vielerorts, nicht nur in Berlin, tatsächlich, nicht nur symbolisch - überschritten worden. Nach dem 2. Juni wurden Springerzeitungen nur verbrannt, jetzt wurde die Blockierung ihrer Auslieferung versucht. Am 2. Juni flogen nur Tomaten und Eier, jetzt flogen Steine. Im Februar wurde nur ein mehr amüsanter und lustiger Film über die Verfertigung von Molotowcocktails gezeigt, jetzt hat es tatsächlich gebrannt. Die Grenze zwischen Protest und Widerstand wurde überschritten, dennoch nicht effektiv, dennoch wird sich das, was passiert ist, wiederholen können; Machtverhältnisse sind nicht verändert worden. Widerstand wurde geübt. Machtpositionen wurden nicht besetzt. War das alles deshalb sinnlose, ausufernde, terroristische, unpolitische, ohnmächtige Gewalt? Stellen wir fest: Diejenigen, die von politischen Machtpositionen aus Steinwürfe und Brandstiftung hier verurteilen, nicht aber die Hetze des Hauses Springer, nicht die Bomben auf Vietnam, nicht Terror in Persien, nicht Folter in Südafrika, diejenigen, die die Enteignung Springers tatsächlich betreiben könnten, stattdessen Große Koalition machen, die in den Massenmedien die Wahrheit über BILD und BZ verbreiten könnten, stattdessen Halbwahrheiten über die Studenten verbreiten, deren Engagement für Gewaltlosigkeit ist heuchlerisch, sie messen mit zweierlei Maß, sie wollen genau das, was wir, die wir in diesen Tagen - mit und ohne Steinen in unseren Taschen - auf die Straße gingen, nicht wollen: Politik als Schicksal, entmündigte Massen, eine ohnmächtige, nichts und niemanden störende Opposition, demokratische Sandkastenspiele, wenn es ernst wird den Notstand. - Johnson, der Martin Luther King zum Nationalhelden erklärt, Kiesinger, der den Mordversuch an Dutschke telegrafisch bedauert - sie sind die Repräsentanten der Gewalt, gegen die King wie Dutschke angetreten sind, der Gewalt des Systems, das Springer hervorgebracht hat und den Vietnam-Krieg, ihnen fehlt beides: Die politische und die moralische Legitimation, gegen den Widerstandswillen der Studenten Einspruch zu erheben. Stellen wir fest: Es ist dokumentiert worden, dass hier nicht einfach einer über den Haufen geschossen werden kann, dass der Protest der Intellektuellen gegen die Massenverblödung durch das Haus Springer ernst gemeint ist, dass er nicht für den lieben Gott bestimmt ist und nicht für später, um einmal sagen zu können, man sei schon immer dagegen gewesen, es ist dokumentiert worden, dass Sitte & Anstand Fesseln sind, die durchbrochen werden können, wenn auf den so Gefesselten eingedroschen und geschossen wird. Es ist dokumentiert worden, dass es in diesem Land noch Leute gibt, die Terror und Gewalt nicht nur verurteilen und heimlich dagegen sind und auch mal was riskieren und den Mund nicht halten können und sich nicht bange machen lassen, sondern dass es Leute gibt, die bereit und fähig sind, Widerstand zu leisten, so dass begriffen werden kann, dass es so nicht weiter geht. Es ist gezeigt worden, dass Mordhetze und Mord die öffentliche Ruhe und Ordnung stören, dass es eine Öffentlichkeit gibt, die sich das nicht bieten lässt. Dass ein Menschenleben eine andere Qualität ist als Fensterscheiben, Springer-LKWs und Demonstranten-Autos, die bei der Auslieferungsblockade vor dem Springerhochhaus in Berlin von der Polizei in Akten blanker Willkür umgeworfen und beschädigt wurden. Dass es eine Öffentlichkeit gibt, die entschlossen ist, das Unerträgliche nicht nur unerträglich zu nennen, sondern dagegen einzuschreiten, Springer und seine Helfershelfer zu entwaffnen. Nun, nachdem gezeigt worden ist, dass andere Mittel als nur Demonstrationen, Springer-Hearing, Protestveranstaltungen zur Verfügung stehen, andere als die, die versagt haben, weil sie den Anschlag auf Rudi Dutschke nicht verhindern konnten, nun, da die Fesseln von Sitte & Anstand gesprengt worden sind, kann und muss neu und von vorne über Gewalt und Gegengewalt diskutiert werden. Gegengewalt, wie sie in diesen Ostertagen praktiziert worden ist, ist nicht geeignet, Sympathien zu wecken, nicht, erschrockene Liberale auf die Seite der Außerparlamentarischen Opposition zu ziehen. Gegengewalt läuft Gefahr, zu Gewalt zu werden, wo die Brutalität der Polizei das Gesetz des Handelns bestimmt, wo ohnmächtige Wut überlegene Rationalität ablöst, wo der paramilitärische Einsatz der Polizei mit paramilitärischen Mitteln beantwortet wird. Das Establishment aber, die »Herren an der Spitze« - um mit Rudi zu reden -‚ in den Parteien, Regierungen und Verbänden haben zu begreifen, dass es nur ein Mittel gibt, »Ruhe & Ordnung« dauerhaft herzustellen: Die Enteignung Springers. Der Spaß hat aufgehört. »Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht. Ulrike Meinhof, 1968"

12.12.18 - Diskussionsbeitrag zum Text  Erwachsen werden von  EkkehartMittelberg: "Sartre hat m. E. Recht. Bezüglich der Hilflosigkeit des Pazifismus empfehle ich Hannah Arendts "on violence", in dem sie am Beispiel Gandhis zeigt, dass dessen pazifistischer Widerstand nur aufgrund spezifischer Rahmenbedingungen (die hier den Rahmen sprengen würden) möglich war. (Ähnliches gilt für King, der aber ja auch nicht lange lebte). Ein solcher Pazifismus bspw. im Angesicht des deutschen Faschismus wäre ohne Frage erfolglos gewesen. Ein schönes Beispiel ist m. E. auch einer der traurigsten Pazifisten, Salvador Allende, der dann (mit tatkräftiger Unterstützung der US-Amerikaner) gestürzt wurde, weil er den Unidad Popular nicht bewaffnen (und einen Bürgerkrieg verhindern) wollte. Zuletzt blieb ihm nichts, als sich in den Kopf zu schießen; was folgte, war Pinochet."

07.12.18 - Diskussionsbeitrag zum Text  Ist ein unreflektiertes Fiffi-Gekläffe Haßgebell? von  LotharAtzert: "... weil "Idiot" m. E ein relativer Begriff ist."

07.12.18 - Diskussionsbeitrag zum Text  Ist ein unreflektiertes Fiffi-Gekläffe Haßgebell? von  LotharAtzert: "Jetzt müsstest du nur noch den Begriff "Idiot" definieren, dann wäre das ja bereits der Ansatz einer Weltformel."

30.11.18 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Ein Pferdchen braucht doch ein Brett, um zu springen.: "Naja zurück: dass ich selbst unter mein Sofa geschielt habe, ändert ja nichts daran, dass es eine Metapher ist."

30.11.18 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Ein Pferdchen braucht doch ein Brett, um zu springen.: "@LotharAtzert: Abgesehen davon, dass ich das Pferdchen tatsächlich wiedergefunden habe, habe ich auch einen schwarzen Bauern, der sich dahingehend von den anderen unterscheidet, dass er aus einem anderen Spiel und aus Plastik ist. Der ersetzte Bauer ist - finde ich - aber auch ein Symbol der Treue zum Brett. @Calypso: So ist es wohl. Gruß & Dank AlX Antwort geändert am 30.11.2018 um 16:58 Uhr"

30.11.18 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Ein Pferdchen braucht doch ein Brett, um zu springen.: "Das freut mich. Gruß & Dank"

20.11.18 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Warum Philosophen anders auftreten: "Das kann ich vollkommen nachvollziehen, denke, dass das zwar deine subjektive Rezeption ist, aber wohl den meisten anderen Lesern ähnlich geht. Ganz ungeachtet dessen hat mir unser kleiner Disput gerade Lust gemacht, etwas Neues mit Wiederholungen zu schreiben. Dafür Dank & Gruß AlX"

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autoralexanderschwarz hat übrigens nicht nur Kommentare zu Texten geschrieben, sondern auch  eine Gästebucheintragantwort und  3 Antworten auf Kommentare zu Kolumnen verfasst.

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