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Novelle zum Thema Weihnachten


von Skala

„Du hast das Licht angelassen!“, hörte Kowalski etwa zweieinhalb Stunden später, als er gerade eine Auflaufform mit Kartoffelgratin aus dem Ofen holte, eine nörgelnde Stimme von der Haustür her in die Küche dringen.
„Ich bin mir sicher, dass ich alle Lampen ausgemacht habe, Mutter.“ Diese Stimme klang in Kowalskis Ohren zugleich vertraut und fremd. Er stellte die heiße Auflaufform auf ein Holzbrett, streifte die Ofenhandschuhe ab und räusperte sich vernehmlich.
Aus der Diele drang ein spitzer Schrei. „Oh mein Gott! Hast du das gehört? Da ist jemand in der Küche! Schnell raus aus dem Haus! Nein, ruf die Polizei! Nein, sieh nach, wer dort ist!“
Kowalski hörte seine eigene Stimme etwas murmeln, dann näherten sich Schritte, und ein ängstlicher, junger Kowalski, blass und mit großen Augen, lugte durch die Küchentür.
„Wer – wer sind Sie?“

„Guten Abend“, sagte Kowalski höflich.
Sein dreizehn Jahre jüngeres Selbst starrte ihn an. „Ich – guten – wer sind Sie? Und was tun Sie in unserer Küche?“
Kowalski seufzte. „Erkennst du mich wirklich nicht?“, fragte er.
Kowalski der Jüngere schüttelte den Kopf. Dann kniff er die Augen zusammen, legte den Kopf zur Seite, blinzelte und schluckte. „Also ... wenn mich nicht alles täuscht ...“ Seine Augen wurden wieder groß und rund. „Sie sehen aus wie ...“
„Ich sehe nicht nur so aus“, unterbrach Kowalski das Gestammel. „Ich bin es auch. Und um deine andere Frage zu beantworten: Mir war kalt, deswegen habe ich mir mit meinem Schlüssel Zutritt zum Haus verschafft, und mir gedacht, mach doch schon einmal Abendessen. Es gibt Kartoffelgratin und Salat. Sag Mutter Bescheid, ich decke solange den Tisch. Es gibt einiges zu bereden.
Kowalski der Jüngere ging rückwärts, die Augen immer noch ohne zu blinzeln auf den echten Kowalski geheftet (obwohl Kowalski sich allmählich zu fragen begann, was hier überhaupt noch echt war). „Mutter“, rief er mit brüchiger Stimme, „Mutter, du magst mich vielleicht für verrückt halten, aber ... bitte komm her und sieh dir unseren Besuch selbst an.“

Kowalski hörte, wie seine Mutter sich geräuschvoll und rabiat an ihrem Sohn vorbeidrängelte und dabei etwas murmelte, das klang, wie „...muss man die Einbrecher schon selbst erledigen, Mann oder Memme“, bevor sie wie vom Donner gerührt in der Tür zur Küche erstarrte.
„Frohe Weihnachten, Mutter“, sagte Kowalski höflich. „Freust du dich, mich zu sehen?“

***

Eine Viertelstunde später saßen sie bei Kerzenlicht am Tisch, die Auflaufform mit Kartoffelgratin und eine große Schüssel mit grünem Salat in ihrer Mitte: Kowalski, Kowalski und Mutter Kowalski, letztere immer noch mit zugleich verkniffener und verängstigter Miene. Sie rührte ihr Essen nicht an, während ihr Sohn – ihre zwei Söhne – dem Gratin eifrig zusprachen.
„Du hast ja gelernt, zu kochen“, stellte Kowalski der Jüngere fest.
„Das wirst du auch irgendwann noch“, erwiderte dieser. „Sieben Jahre noch ...“ Kowalski seufzte. Der jüngere Kowalski starrte ihn misstrauisch an. „Wieso das?“, fragte er, doch Kowalski winkte ab. „Wirst du sehen“, sagte er. „Wirst du alles sehen. Vielleicht. Ich weiß nicht.“
Kowalski schob sich eine Gabel Gratin in den Mund – und er musste anerkennend zugeben, dass er es wirklich mittlerweile drauf hatte. Er schluckte, wischte sich den Mund ab und wandte sich seiner Mutter zu.

„Jetzt aber zu uns“, sagte er. „Es gibt einen Grund, aus dem ich hier bin. Ich weiß ihn selbst nicht, vielleicht hab ich auch nur nicht verstanden, was hier vor sich geht, aber jedenfalls bin ich hier, und es hat seinen Grund. Ich habe euch heute Mittag im Supermarkt beobachtet. Und wenn ich ehrlich bin, dann verstehe ich, warum dieses Weihnachtsfest es in die Top Drei meiner beschissensten Weihnachtsfeste geschafft hat.“ Er kratzte sich nachdenklich an der Nase. „Wie ich schon sagte – keine Ahnung, warum ich hier bin. Aber ich glaube, dieser Besuch hier hat zumindest einen Zweck, wenn ich dafür sorge“, er wandte sich an den jungen Kowalski, „dass 2003 nicht auch dein miesestes Weihnachten wird – im Übrigen: in dreizehn Jahren wirst du Stappert feuern dürfen.“
„Was willst du damit sagen?“, fragten der jüngere Kowalski und seine Mutter gleichzeitig, ersterer mit hoffnungsvollem, letztere mit giftigem Unterton.
Kowalski winkte einmal mehr ab. „Ich will nur ein paar Worte loswerden. Und ein leckeres Weihnachtsessen, denn deines, Mutter, wird, ehrlich gesagt, von Jahr zu Jahr fader. Am ersten Weihnachtstag 2016 werde ich übrigens etwas Besseres zu tun haben, als mir bei zäher Gans deine Beleidigungen anzuhören. Trag dir das bitte schon mal in den Kalender ein.“

Der Mund seiner Mutter stand offen – zum ersten Mal schien sie nicht zu wissen, was sie erwidern sollte. Ruhig legte Kowalski sein Besteck auf dem Teller, die Serviette auf das Tischtuch, und stand auf. „Du kriegst übrigens eine Krawatte von ihr zu Weihnachten“, sagte er an sein jüngeres Selbst gerichtet. „Welch Überraschung. Sie wird dir auch, wenn du Abteilungsleiter bist, noch vorhalten, dass dein mangelnder Erfolg nur an deinem mäßigen äußeren Auftreten liegt.“ Und, wieder an seine Mutter gerichtet: „Ich bin nicht immer an allem Schuld – wir, soll das heißen, wir. Nicht an kaputten Autos, nicht an deiner unglücklichen Ehe, und schon überhaupt nicht an deinem ganzen, unglücklichen Leben. Es tut mir leid, wenn wir dich enttäuschen – aber einen anderen Sohn bekommst du nicht, und damit musst du wohl leben.“ Er wandte sich zum Gehen.
„Kowalski!“, hörte er da, zum ersten Mal seit fünfzehn Minuten die scharfe, nörgelnde Stimme seiner Mutter. „Kowalski, bleib sofort stehen!“ Dann, als Kowalski keine Anstalten machte, ihrer Aufforderung zu fordern: „Kowalski – halt ihn auf, sofort!“
Kowalski atmete tief durch, blieb stehen und drehte sich noch einmal um. „Mutter“, sagte er. „Ich bin mir nicht sicher, ob es dir jemals in den Sinn gekommen ist – aber wir haben auch einen Vornamen. Frohe Weihnachten.“
Damit huschte er aus der Küche und trat aus der Haustür in die kalte, feuchte Winternacht.


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