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Kurzgeschichte zum Thema Meer


von Manzanita

Tja, hier sitze ich nun, ohne Empfang. Mit einer Anbindung an den Rest der Menschheit, die kurz vor dem Ziel gescheitert ist, einer Anbindung, bei der 3 Meter vor dem Ziel die Baufirma pleite war, sodass bis heute die letzten drei Meter fehlen.

Deshalb sitze ich hier. Nicht dort, nicht drüben, nicht da hinten, sondern hier. Ich sitze. Ich sitze, aber, was sitze ich? Ich sitze, und dann? Warum sitze ich? Ich sitze, weil ich nicht stehe. Wenn ich stehen würde, würde ich nicht sitzen, aber ich bleibe lieber sitzen, so ist es gemütlicher. So ist was gemütlicher? Ist das Sitzen gemütlicher, wenn man sitzt? Was mache ich noch, was sitzend gemütlicher ist? Was mache ich überhaupt? Ich mache gar nichts. Ich sitze und mehr nicht. Was sollte ich hier auch sonst noch machen. Ich bin mitten im Meer in einem Rettungsboot ganz allein und soll etwas machen? Was denn bitte?

Nichts. Ich kann hier nichts machen. Ich kann nur träumen, ich wäre woanders. Woanders könnte ich Sachen machen, ich könnte reden, spielen, essen und viele Sachen mehr. Aber hier kann ich gar nichts. Ich kann nur sitzen. Ich kann zwar reden, aber niemand würde antworten. Ich kann alles, was ich denke, laut sagen, dann würde es bestimmt etwas länger dauern. Obwohl, wenn ich alles nur zu mir selber sage, dann kann ich ja auch unvollständige Gedanken sagen, und dann wieder an etwas anderes denken, vielleicht könnte ich mir vorstellen, mit jemandem zu reden. Ich kann mir einen Freund suchen. Ich kann mir einen Freund denken. Einen Freund mit einem echten Charakter. Ich mache aus mir eine Doppelbesetzung. Aber wie soll mein Freund sein? Soll er sich häufig mit mir streiten, oder sollen wir uns immer einig sein? Am besten, wir sind uns nicht immer einig, sonst wird es langweilig, aber wir sollten uns auch nicht immer streiten, womöglich setzen wir uns dann auseinander und dann ist jeder von uns wieder genauso allein. Aber soweit kann es ja eigentlich gar nicht kommen, denn wenn wir eins sind, wie können wir uns dann auseinandersetzen? Unmöglich.

Meinen Freund, den ich Peter Schmitt (klingt doch lustig, oder?) nenne, setze ich also direkt neben mich. So können wir uns ganz bequem unterhalten. Sitzend!

Aber bevor er da wirklich sitzen kann, muss er erstmal ein Aussehen haben. Wie könnte er wohl aussehen. Am besten ist er etwas älter als ich, dann kann er mir mehr Anekdoten erzählen. Er sollte aber auch nicht zu alt sein, höchstens neunzehn, würde ich mal sagen, sonst werden wir noch zu höflich und es wird langweilig. Er sollte auch sportlich sein, nicht so unsportlich. Er muss also einen sehr robusten Körperbau und viele Muskeln haben, auch zu dick sollte er nicht angezogen sein. Mit einem gebräunten Körper würde ihm bestimmt ein blaues Fußball-Trikot von irgendeinem Verein gutstehen, am besten Hellblau. Aber bei der Hose bin ich mir noch nicht ganz sicher. Vielleicht rot, nein, das ist zu auffällig, am besten einfach nur schwarz, ich muss ja auch nicht die ganze Zeit seine Hose anstarren. Aber jetzt kommt das schwierigste: die Frisur. Viele Jugendliche in seinem Alter haben sehr komische Frisuren, manche haben auf der Hälfte des Kopfes eine Glatze, das kann ich überhaupt nicht leiden, andere haben nur auf einer ganz kleinen Fläche ganz oben auf dem Kopf Haare, die sind dafür doppelt so lang und bilden einen Pony, der aber weder schön noch gemütlich ist, denn damit kann man kaum noch etwas sehen. Peter sollte auf jeden Fall eine normale Frisur haben. Vielleicht wie ich, einfach nur Haare auf dem Kopf, nicht irgendwo besonders kurz oder besonders lang. So langsam mache ich mir ein Bild von meinem Peter. Gebräunt, robust und mit einem blauem Sportnicki und einer schwarzen kurzen Hose, sieht er bestimmt cool aus. Den nehme ich.

Und schon sitzt er vor mir. Er schaut relativ friedlich in die Luft zum Himmel, hat mich aber anscheinend noch nicht bemerkt. Aber das kann ich ja ändern. Ich nehme alle meine Kräfte zusammen, und versuche mit meiner eigenen Fantasie-Welt zu kommunizieren.

„Hallo!“, begrüße ich ihn, „bist du Peter?“

„Ja, warum fragst du so doof, wir kennen uns doch“, antwortet er etwas genervt.

„Klar kennen wir uns, ich meine, dich habe ich doch …“, möchte ich ihm erklären, aber er schneidet mir das Wort ab.

„Eben! Wir kennen uns aus „Las Galeras“ oder wie auch immer das heißt, da warst du ja bei mir zu Besuch und hast mir diese Lügengeschichten erzählt!“, beendet er meinen Satz.

Was? Ich hatte in „Las Galeras“ oder wie das auch immer heißt besucht? Wie? Ich habe ihn doch gerade erst erfunden, wie kann er mich dann schon gekannt haben? Und, warum findet er mich überhaupt so doof, ich habe ihm doch überhaupt nichts getan? Obwohl? Wenn er mich schon kennt, dann habe ich ihm vielleicht doch schon mal etwas getan, aber ich weiß davon nichts oder ich kann mich nicht daran erinnern. Weshalb er mich wohl so doof findet? Wie soll ich das nur jemals herausfinden? Ich kann ihn ja nicht einfach fragen, was ich getan habe, sodass er mich so behandelt. Das wäre ja bescheuert. Ich muss es anders herausfinden. Ich muss ihm Fragen stellen, bei denen er nicht bemerkt, worauf ich hinauswill. Aber das ist unmöglich, denn ich habe es ihm ja gerade gesagt, ich habe es ja gedacht. Er ist ja ich. Ich muss es selber herausfinden. Ich muss es ja wissen, wenn er es weiß. Ich kann ja mal überprüfen, ob das, was er sagt, überhaupt sinnvoll ist. Eigentlich ist es ziemlich unwahrscheinlich, denn ich war nur einen Nachmittag in diesem Dorf, von dem Peter geredet hatte. Ich war nur kurz zu Besuch dort, und vor dem Abendbrot sind wir schon wieder weggefahren mit der Kreuzfahrt. Nur, was hatte ich an dem Tag gemacht und wo bin ich gewesen? Als wir ankamen, also ungefähr um 3 Uhr (ziemlich spät, weil die Polizei eine Waffe gefunden hatte, die ein Passagier schmuggeln wollte, wer weiß warum), waren wir direkt zu einem Restaurant gegangen, weil für den Tag kein Essen im Schiff vorgesehen war, und deshalb auch keins gekocht wurde. Dort hatten wir sehr leckeres Fleisch gegessen, dazu gab es Bohnen und Reis, was in der Dominikanischen Republik angeblich sehr üblich sein soll, und laut dem Kellner bei keinem dominikanischen Gericht fehlen darf. Nach dem Essen waren wir an dem Strand gegangen (wohin auch sonst, wir sind ja mitteleuropäische Touristen!) weil Mama sich sonnen wollte. Ich hatte ein bisschen gebadet und hatte dann neben Mama gelesen. Erst abends waren wir wieder zurück zum Schiff gegangen, wann sollten wir also bei Peter gewesen sein? Wir konnten nicht bei ihm gewesen sein, also hat Peter mich angelogen! Aber, woher kennt er mich dann? Ich schaue zu ihm, weil ich ihn fragen will, obwohl ich noch gar nicht weiß, was ich fragen will, aber in dem Moment ist das sowieso schon egal, denn Peter ist nicht mehr da.

Eine Menge Fragen stehen offen, aber weil Peter plötzlich weg ist, kann ich keine meiner Fragen mehr beantworten, bis ich die Lösung finde: Er ist ich. Wenn ich nicht an ihn glaube, ist er nicht mehr da.

Und so finde ich mich alleine wieder.

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