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Manuels Warnung

Erzählung zum Thema Glaube


von Bluebird

Ich wollte  diese neue Erfahrung unbedingt noch mit jemandem teilen. Ich überlegte, wie spät es sein könnte. Manchmal erwies es sich doch als Nachteil, alle Uhren abgeschafft zu haben. Ich tippte auf 23 Uhr. Eigentlich zu spät, um noch jemanden zu besuchen. Egal, dachte ich, ich werde noch zu Manuel fahren. Der ist bestimmt noch auf!  Kurz darauf verließ ich das Haus und schwang mich auf mein Fahrrad.

Tatsächlich brannte bei Manuel noch Licht.  Er war halt eine "Eule" und  wir hatten schon so manche  Nacht Schach spielend durchgemacht. .Ich kam ohne Umschweife zur Sache: „Hallo Manuel! Zieh dir was über. Ich möchte dir etwas zeigen.“ Er schaute mich  verblüfft an: „Weißt du, wie spät es ist?“
    Ich reagierte ungeduldig: „Ja, weiß ich! Aber es ist wirklich wichtig!“ Dann fügte ich lächelnd hinzu: „ Glaube mir, du wirst wirklich sehr überrascht sein!“ Er schaute  mich noch einen Moment forschend an, dann grinste er: „Na, da bin ich ja mal gespannt!“ Kurz darauf  radelten wir  zu meiner Wohnung.
   
Manuel schüttelte den Kopf. „Das gibt es doch gar nicht!“, sagte er und schüttelte erneut den Kopf: „Ich glaub es nicht!“ Aber der Beweis lag vor uns ausgebreitet auf dem Tisch. Ein Bogen Papier, worauf mehrere Sätze mittels eines kleinen Bleistifts geschrieben standen. „Onkel Willis“ Sätze!
    „Na“, sagte ich mit einem triumphierenden Lächeln, „habe ich dir zu viel versprochen?“ Er schüttelte erneut den Kopf: „Nee, die Überraschung ist dir wirklich gelungen. ... Also das ist einfach unglaublich! Ich kann es immer noch nicht fassen!“
    Ich genoss meinen kleinen Triumph. So erschüttert hatte ich ihn zuvor noch nicht erlebt. Aber er hatte Recht, die Sache war wirklich unglaublich. Und ich war froh, dass ich meine Erfahrung noch mit jemandem hatte teilen können. Da es schon recht spät war machte er sich kurz darauf auch wieder auf den Heimweg.

Am nächsten Tag trafen wir uns zufällig in einem Cafe. Und natürlich kamen wir noch einmal auf die Sitzung vom Vorabend zu sprechen. „Also ich bin immer noch geplättet“, sagte er. „Das so etwas funktionieren könnte, hätte ich niemals gedacht!“ „Ja, dann können wir das ja mal bei Gelegenheit wiederholen“, schlug ich vor. Er schüttelte energisch den Kopf: „Nein, auf gar keinen Fall!“
    Für einen Moment war ich verblüfft. Etwas irritiert fragte ich nach: Aber wieso denn nicht? Du hast doch selber gesehen, dass es funktioniert hat. Er schaute einen Moment beiseite. Dann schaute er mir direkt in die Augen : „Ganz ehrlich? Es macht mir Angst!“

Als ich wenig später alleine war, dachte ich noch einmal kurz über Manuels Worte nach. Wovor hat er Angst?, fragte ich mich. Was ist daran schlecht, mit seinen verstorbenen Verwandten in Kontakt zu treten? Auch wenn ich ihn nicht so recht verstand, so spürte ich doch intuitiv die Warnung, die in Manuels Worten steckte. Hätte ich auf sie gehört, wäre mir viel Leid erspart geblieben. So aber nahm das Schicksal seinen Lauf.

Anmerkung von Bluebird:

Teil 10 meiner autobiografischen Erzählung aus dem Jahre 1985



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Dies ist ein Abschnitt des mehrteiligen Textes Errettet aus des Teufels Küche.
Veröffentlicht am 06.08.2013, 8 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.06.2018). Textlänge: 480 Wörter; dieser Text wurde bereits 631 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.07.2019.
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