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War der Nobelpreis zu hoch gegriffen?

Sonett zum Thema Ruhm


von EkkehartMittelberg

Mit „Siddharta“ und „Demian“ auf neuen Pfaden,
„Der Steppenwolf“ ein Gegenbild zum Bürgertum,
Exotische Themen brachten Ruhm,
du hast Jugend zu Abenteuern eingeladen.

Dein Himmel hängt noch immer voller Geigen.
„Narziss und Goldmund“ war dem Kitsch geweiht.
Abgeschmackte Reime in der Lyrik aufgereiht.
Literaturkritik darf heute nicht mehr schweigen.

War der Nobelpreis für dein Werk zu hoch gezogen?
Für Gottfried Benn und Deschner warst du Mittelmaß.
Doch Thomas Mann war deiner Kunst gewogen.

Weltweite Fangemeinde lässt sich Hesse nicht verderben,
Unbeirrbar ist die Mehrheit, die dich las,
„Das Glasperlenspiel“ überstrahlt die kritischen Scherben.


Anmerkung.:Wenn ich diesen Text vorher gekannt hätte, hätte ich ihn sogleich meinem Sonett als Anmerkung hinzugefügt.

Fragen Sie Reich-Ranicki : Hesse - ein Wegbereiter der Literatur?

    Aktualisiert am 25.09.2006-12:39

"Hermann Hesses „Steppenwolf“ hat mich vor rund fünfzig Jahren fasziniert. Ich erhalte mir diese Erinnerung dadurch, daß ich dieses Buch nicht noch einmal lese. Nun hat mich ein guter Freund gebeten, ihm meine Meinung zu Hesses Gedicht „Stufen“ zu sagen. Wir sind uns nicht einig geworden - er liebt dieses Gedicht, ich halte es für schlecht. Jürgen Busch, Hamburg

Warum zählen Sie Hesse in Ihrem Buch „Sieben Wegbereiter“ nicht zu den einflußreichsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts? Raban von Arnim, Bonn

Reich-Ranicki: In den „Sieben Wegbereitern“ habe ich über Schriftsteller geschrieben, die mich schon in ihrer Jugend, in den dreißiger Jahren, interessiert und auch fasziniert haben. Schnitzlers Novellen, die Romane Döblins und, vor allem, Thomas Manns, die frühe Prosa Musils, Kafkas Gleichnisse, Tucholskys Feuilletons und die Lyrik des jungen Brecht - das alles übte auf mich eine beinahe magische Anziehungskraft aus.

Zunächst hat das mit der außerordentlichen Qualität dieser Literatur zu tun. Hinzu kam noch ein aktueller Umstand: Es handelte sich um Autoren, die im „Dritten Reich“ verboten oder zumindest unwillkommen waren. Oder sie waren, wie Kafka und Schnitzler, schon tot, doch als Juden verfemt. Zur Attraktivität, die man immer verbotenen Früchten nachsagt, gesellte sich noch ein anderer, keineswegs schwächerer Reiz - jener der Modernität. Wahrscheinlich habe ich es damals eher gespürt und geahnt als tatsächlich begriffen, daß mit den frühen Büchern dieser Autoren eine neue Epoche der deutschen Literatur begonnen hatte. Aus diesen Wegbereitern wurden dann meine Wegbegleiter.

Das alles gilt für Hesse eben nicht. Seit dem Ersten Weltkrieg lebte er in der Schweiz, seit 1923 war er Schweizer Staatsangehöriger. Den Nazis stand er nie nahe. Er war ein Rebell und ein Anarchist, doch vor allem ein Poet. Sein Werk bietet eine Mischung aus deutschromantischer Tradition und moderner Psychologie, aus Idyllik und Zivilisationsverachtung. Mit der heftigen Kritik des bürgerlichen Lebens verbindet sich bei ihm die Sehnsucht nach einer soliden und stabilen, schließlich doch bürgerlichen Ordnung.

Hesse, vor allem Lyriker, Romancier und Novellist, war außerordentlich erfolgreich, viele seiner Bücher erreichen noch heute sehr hohe Auflagen. Er hatte den Ruf eines strengen Sehers mit zarter Stimme und zugleich eines jugendbewegten Klassikers der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Zu den vielen, sehr vielen enthusiastischen Lesern Hesses gehörte ich nicht, vielleicht mit Ausnahme meiner frühen Gymnasialjahre. Für einen Wegbereiter der deutschen Literatur habe ich ihn nie gehalten. Daß ich aber sein Werk nicht unterschätze, davon konnte man sich unlängst überzeugen, als der von mir herausgegebene Kanon der deutschen Literatur veröffentlicht wurde: Hesse ist in vier der fünf Teile dieses Kanons vertreten.


In der Kassette mit Erzählungen gibt es zwei größere Arbeiten von Hesse: „Knulp“ und „Klein und Wagner“. Im essayistischen Teil finden sich Hesses Aufsätze „Deutsche Erzähler“ und „Notizen zum Thema Dichtung und Kritik“. In den Romanteil habe ich nicht etwa den „Steppenwolf“ aufgenommen. Als ich ihn in meiner Jugend zum ersten Mal las, war ich entzückt, nach der zweiten Lektüre enttäuscht und nach der dritten entsetzt. Daß der Leser aus Hamburg seinem literarischen Geschmack von ehedem mißtraut und daß er sich fürchtet, ihn zu überprüfen, mag nicht unverständlich sein, ist mir aber ziemlich fremd. Für den Romankanon schien mir „Unterm Rad“ geeigneter als der „Steppenwolf“.

Im Lyrikteil des Kanons werden acht Gedichte von Hesse geboten, auch „Stufen“ mit den beiden berühmten Versen: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ Der Leser aus Hamburg, von seinem Freund um ein Urteil über dieses Gedicht gebeten, teilt uns mit, man habe sich nicht einigen können: Ihm mißfällt das Gedicht, dem Freund jedoch gefällt es - wie auch mir.

Muß man denn, wenn man sich über Gedichte unterhält, unbedingt Einigkeit erzielen? Vielleicht hat der eine Gesprächspartner mehr Sinn für Lyrik als der andere? Wie auch immer: Gönnen Sie Ihrem Freund die Freude an diesen Versen. Und der Leser aus Bonn möge es mir bitte nicht übelnehmen, daß ich manches von Hesse schätze, ihn jedoch nicht für einen Wegbereiter unserer Literatur halte."
Quelle; https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/fragen-sie-reich-ranicki/fragen-sie-reich-ranicki-hesse-ein-wegbereiter-der-literatur-1358916.html

 
 

Kommentare zu diesem Text


TrekanBelluvitsh
Kommentar von TrekanBelluvitsh (30.06.2020)
Ein weiterer Autor - und zum Glück nicht "Hermann, der Cherusker" - wird von dir besungen. Dabei bist du nicht blind und zeigst verschiedene Sichtweisen auf. Und all das nur in wenigen Zeilen. Respekt.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Danke, Trekan, ich war 15 Jahre alt und las in den Ferien von Hesse "Narziss und Goldmund " und merkte, dass das Kitsch war. Kurz darauf las ich von Karlheinz Deschner "Kitsch , Konvention und Kunst" und fühlte mich bestätigt. Was war ich damals stolz! Drei Jahre später las ich den "Steppenwolf" und fühlte mich in meiner Beurteilung nicht mehr so sicher , weil mir hier zum ersten Mal die Antinomie zwischen Bürgertum und künstlerischem Schaffen bewusst wurde.. Heute habe ich vor Hermann Hesse großen Respekt, vor allem deswegen, weil er mit "Siddharta" die Esoterik entdeckte, von der der deutsche Spießer keinen blauen Dunst hatte.. Aber was seine Lyrik angeht, hat wohl Gottfried Benn recht, der ihn nicht einmal für mittelmäßig hielt. Doch "Stufen" ist ein wunderschönes Gedicht. Nobekpreis? Meine Frage ist nicht rhetorisch.

Antwort geändert am 30.06.2020 um 01:03 Uhr
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Terminator
Kommentar von Terminator (30.06.2020)
Ein großer Autor Hermann der Säufer war. Lesen seine Werke ich muss.
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EkkehartMittelberg antwortete darauf am 30.06.2020:
Danke, Terminator. deine Botschaft ist schlicht. Aber ich meine auch: Wer ihn verurteilt, sollte ihn erst einmal lesen.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (30.06.2020)
Kürzlich Narziss und Goldmund (nach Hesse) im Kino gesehen, hat mir gut gefallen. "Steppenwolf" auch nach dem zweiten Lesen als doof verworfen. Lektüre von "Siddartha" abgebrochen (auch sehr doof). Super von Hesse ist die kurze Erzählung "Märchen vom Korbstuhl", finde ich. Genug verurteilt.

Kommentar geändert am 30.06.2020 um 08:27 Uhr
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EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 30.06.2020:
hallo Dieter, du disqualifizierst dich hier als Kritiker. Das mit dem "doof" kannman ja mal als Gag machen. Aber auf Dauer zählen nur Argumente. Wenn die fehlen, ist das wirklich albern.
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Dieter_Rotmund äußerte darauf am 30.06.2020:
Da hast Du völlig recht, das war keine Kritik, sondern nur mein persönliches Empfinden.
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Jo-W.
Kommentar von Jo-W. (30.06.2020)
mag Hesse sehr,er begleitete mich lange lange Zeit und wird es weiter tun-noch letzte Woche war es Thema bei meinem Hautarzt,der zu seinem Vater fahren wollte,in der Nähe von Maulbronn-also Nobel hin,Nobel her-einen Morgengruß-Jo
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EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 30.06.2020:
Lieber Jo, es gibt kaum einen Literaturliebhaber, der Hesse nicht sympathisch findet. Aber das ist hier nicht die Frage. Es geht darum, ob der Nobelpreis für Literatur, die höchte literarische Auszeichnung, zu Recht an ihn verliehen wurde. Um bestimmte literarische Entgleisungen zu rechtfertigen, müssen die Hauptwerke dies mit außerordentlicher Qualität ausgleichen.
LG
Ekki
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sandfarben
Kommentar von sandfarben (30.06.2020)
Meiner Meinung nach war Hesse einer der ganz Großen. Narziss und Goldmund als Kitsch abzutun, finde ich ziemlich anmaßend. Lassen wir den großen Lyrikern (ihrer Zeit) doch (neidlos) den Ruhm, der ihnen zusteht.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Liebe Sandfarben, was sagst du ndenn zu den folgenden Beispielen aus "Narziss und Goldmund" und aus Hesses Lyrik. Sei überzeugt, dass sie sich leicht vermehre lassen:

"Die Zitate, mit denen Deschner sein hartes Urteil belegt, sind nun freilich so gewählt, daß auch Verehrer Hermann Hesses sich den Argumenten Deschners nicht ganz verschließen können. Aus Hesses Erzählung "Narziss und Goldmund" etwa zitiert Deschner:

Da schreckte er (Goldmund) auf und starrte ungläubig: die Kammertür war aufgegangen, im Dunkeln kam eine Gestalt im langen weißen Hemde herein, lautlos kam Lydia mit bloßen Füßen über die Steinfliesen hereingegangen, schloß sachte die Tür und setzte sich auf sein Lager.

"Lydia", flüsterte er, "mein Rehlein, meine weiße Blume! Lydia, was tust du?"

"Ich komme zu dir", sagte sie, "bloß für einen Augenblick: Ich will doch einmal sehen, wie mein Goldmund in seinem Bettlein liegt, mein Goldherz."

Sie legte sich zu ihm, still lagen sie, mit schweren schlagenden Herzen. Sie ließ ihn küssen, sie ließ seine bewundernden Hände an ihren Gliedern spielen, mehr war nicht erlaubt.

Gegen den Verdacht, er habe mit überlegter Bosheit schwache Stellen herausgesucht, wehrt sich Deschner emphatisch: "Alle meine Texte entsprechen der Stilhöhe, der Sprachnorm, entsprechen dem durchschnittlichen ästhetischen Habitus des Romans, dem sie entstammen."

An anderer Stelle des Buches durchforscht Deschner auch Hesses Lyrik und kommentiert: "Daß ein Lyriker wie Hermann Hesse, dessen bevorzugte und nachweisbar am meisten gebrauchte Reime sich aus Wörtern wie Lust und Brust, Herz und Schmerz, Tod und rot, Hand und Land, Wind und Kind, Sterne und Ferne zusammensetzen, einen solchen Erfolg beim Gros des Publikums haben konnte, beweist nur die alte Erfahrung, daß sich die Masse immer zur Mediokrität hingezogen fühlt."
Quelle:"Der Blütenleser".aus: Der Spiegel 47/1957
Auch inhaltich ist der Roman "Nrziss und Goldmund höchst fragwürdig: Goldmund steigt mit einer Frau nach der anderen ins Bettschen mit der Rechtfertigung, dass er so das Bild einer Allmutter schaffen könne, die die Wesenszüge der vernachsen Frauen vereinigt.
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sandfarben meinte dazu am 30.06.2020:
Sagen wir mal so: jede Epoche hat ihre "Sprache" und jede Zeit ihre Literatur. Was für uns heute "abgelutschte Reime" sind, waren vielleicht zu jener Zeit etwas Neues. Genauso auch die "Liebesgeschichten" des Goldmund, geschrieben in einer Zeit, in der Erotik in Büchern wohl kaum Platz fand.
Ich persönlich finde Narziss & Goldmund als wunderbares Buch und gerade die letzten Zeilen des Buches (die Allmutter betreffend) "Ohne Mutter kann man nicht lieben. Ohne Mutter kann man nicht sterben" haben ihre Wertigkeit.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Was du über die abgelutschten Reime zu Hesses Zeiten schreibst, stimmt nicht. Die kritisierten Reime gehen auf die Romantik zurück und waren schon zu Hesses Zeiten abgeschmackt.
Die von Goldmund schnöde verlassenen Frauen hatten auch Mütter.
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LottaManguetti
Kommentar von LottaManguetti (30.06.2020)
Für mich persönlich ist Hesse einer der Großen. Was andere darüber denken - geschenkt. Meinen Geschmack bestimme ich selbst. Von Schubladen halte ich eh nichts.
Besonders Knulp hat Spuren hinterlassen.
Der konnte etwas, das anderen abgeht. Wäre er vergleichbar, hätte er kopiert und nichts gekonnt. So sehe ich das.
Allerdings steckt auch eine gewisse Arroganz in Aussagen seiner Zeitgenossen, die ihn als Mittelmaß bezeichneten. Ich wage, ihnen das Recht dazu abzusprechen, denn sie schrieben anders und nicht unbedingt weniger gut.

Zu meinen Favoriten wird er immer gehören.

Lotta
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Liebe lotta, ich halte auch viel von Hesse und hoffe, dass das aus meinem Sonett auch deutlich wird. Aber das macht mich nicht kritiklos blind. Es wäre zu einfach, die kritik ivon Ernst robert Curtius, Robert Musio, Gottfried Benn und Karlheinz Deschner einfach als Schubladendenken abzutun. In dem Essay "Im Gemüsegarten" vom Spiegel 28/ 1958 , der Hesse durchaus auch positiv Gerechtigkeit widerfahren lässt, findet sich folgende Passage:


"Curtius, als Romanist durch den Umgang mit Weltliteratur verwöhnt, findet: 'Die epische Darstellung ist ihm nicht als Naturgabe verliehen' - wobei er ausdrücklich Hesses Roman "Narziß und Goldmund" ausnimmt. Über die Lyrik urteilt Curtius nicht freundlicher: 'Hesses reichlich strömende Lyrik ist auf langen Strecken hin fleißige Reimerei.' Von den Gedichten - sie nehmen 432 Seiten in der neuen Dünndruck-Gesamtausgabe* ein - würden die künstlerisch wertvollen vielleicht "ein Bändchen vom Format der 'Inselbücher' füllen' Hesse, der sich vornehmlich als Lyriker fühlt, mußte sich von Curtius sagen lassen, viele seiner Gedichte seien nur 'versifizierte Prosa mit störenden Füllwörtern. Wie es denn überhaupt eine Schwäche von Hesses Stil ist, daß er nichts weglassen kann.'

Diese Neigung zur Vielschreiberei hatte auch Robert Musil ("Der Mann ohne Eigenschaften") im Sinn, als er im Hinblick auf Hesse schrieb: "Man ist heute Großschriftsteller ohne die schriftstellerische Größe." Und der Lyriker Gottfried Benn bewertete Hesse nicht höher 'als einen durchschnittlichen Entwicklungs-, Ehe- und Innerlichkeitsromancier - eine typisch deutsche Sache' ."
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LottaManguetti meinte dazu am 30.06.2020:
Für mich persönlich ist Hesse einer der Großen. Was andere darüber denken - geschenkt. Meinen Geschmack bestimme ich selbst. Von Schubladen halte ich eh nichts.


... Es wäre zu einfach, die kritik ivon Ernst robert Curtius, Robert Musio, Gottfried Benn und Karlheinz Deschner einfach als Schubladendenken abzutun. ...


Nach meiner ersten Aussage. lieber Ekki, machte ich einen Absatz. Somit hoffte ich klarzumachen, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Im letzten Absatz ging es mir lediglich um die Anmerkung bezüglich einer gewissen Arroganz. Wir wissen von der Nichtvereinbarkeit von Kunst und Perfektion ... Aber das ist ein anderes Thema.
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Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (30.06.2020)
Mit Hesses neuromantischer Lyrik tat ich mich lange schwer. Doch nicht nur seine literaturwissenschaftlichen Schriften überzeugen mich, es mit einem der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren an sich zu tun zu haben. Seine Manierismen ("je und je") hätte ein guter Lektor gekillt. Schade, dass dem nicht so war. Wer nicht möglichst alles von Hesse liest, ist zu bemitleiden. Ich lese immer wieder seine theoretischen Schriften, Gedichte, Demian, Siddharta, Narziss, Steppenwolf und Glasperlenspiel. Steppenwolf ist schlicht der einzige radikalaufklärerische deutsche Roman. Wirklich gefährlich, wenn man so will. Demian die Bibel des Gnostizismus als Roman. Siddharta der weltweit beliebteste Roman über Buddha.

Kommentar geändert am 30.06.2020 um 10:15 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Nä, mein lieber Dieter, so geht es nicht. Du hältst dir viel darauf zugute, metakritisch zu sein. Dann sie es bitte auch hier. Die verbrauchten romantischen Reime, die massenhaft wiederkehren, hätte ein Lektor nicht mal so eben gekillt. Das ausgerechnet du am "Narziss" festhältst, bringt mich dazu, vom Glauben abzufallen So ein unbegründeter Superlativ wie "Der Steppenwolf ist schlicht der einzige radikalaufklärerische deutsche Roman." ist eine unbewisene Behauptung für die Tonne.
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Dieter Wal meinte dazu am 30.06.2020:
Ich freue mich über Nennung weiterer radikalaufklärerischer deutscher Romane, die Du lesenswert findest. Ich würde an Deiner Stelle unter diesem Text nur bei tiefer echt empfundener Kritikfreude an eigenen Werken Hesses Reime kritisieren. Welche Reimgedichte Hesses blieben mir in lebhafter Erinnerung? "Pfeifen" (Klavier und Geige ...), [Psychologie] (Der Hummer liebte die Languste ...), "Soiree" (Man hatte mich eingeladen ...). Das sind ironische. Ich lernte sie auswendig. Auch manche neuromantische aus seiner Jugend. Tief empfundene. Einem gefühlvollen Lyriker Kitsch vorzuwerfen, ist mit der simpelste Versuch, sich an bekannten Autoren abzuarbeiten, um sich bedeutender zu fühlen. Ich fürchte, von unseren Gedichten lernt leider niemand irgendwann auch nur eines auswendig. Den Verriss, den ich richtig gut gemacht fand, war der Spiegelverriss von Krachts "Imperium". Sein Roman hatte ihn in keinster Weise verdient, denn er ist in meinen Augen der schönste deutsche Roman der letzten 20 Jahre. Doch bezog sich der Verriss mit 1 A-Begründungen, die ausnahmslos inhaltlich zutrafen, auf eine nicht völlig haltlos unterstellte Nähe zu faschistoidem Gedankengut, über das Kracht vollkommen offen vorher publiziert hatte. Damit hatte der Spiegel dem Erscheinen des Romans keinesfalls geschadet, sondern ganz im Gegenteil das Buch wissentlich und willentlich gehypt. Perfekte Verbindung aus schärfster Kritik und damit verbunden stärkster Werbewirkung. Und auch unsere Meinungsverschiedenheiten im kV-Miniuniversum erhöhen die Aufmerksamkeit.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
hallo Dieter,ich werde dir nicht den Gefallen tun, weitere radikalaufklärerische Romane zu nenen und werde auch nicht auf Krachts "Imperium" eingehen, denn das Thema ist hier Hesse und du lenkst ab.
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Dieter Wal meinte dazu am 30.06.2020:
Du peppst Dein sich in matten Reimen ergehendes holpriges Sonett mit einem gemäßigten Versuch müder Kritik auf, der sich bis in den ersten "Vers" der Terzine verbandwurmt. Dann die abgegriffene Redensart "Dein Himmel hängt noch immer voller Geigen." als "Vers". Kritischen Entgegnungen bezüglich Hesse und über Dein Sonett versuchst Du auszuweichen. Ekki, Ekki. Ich liebe Dich dennoch.

Antwort geändert am 30.06.2020 um 14:34 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Unbeholfener Versuch einer Retourkutsche. Meine müden Sonette haben viel Resonanz, nä..

Antwort geändert am 30.06.2020 um 16:21 Uhr
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AchterZwerg meinte dazu am 30.06.2020:
Eine Frage am Rande: Worauf führst du diese Resonanz zurück?
Gut waren die beileibe nicht. Sorry.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Das muss ich nicht selbst beurteilen, Sie sind anregend, das kannst du nicht bestreiten.
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Dieter Wal meinte dazu am 01.07.2020:
@Ekki: Auch wenn im besten Fall vielleicht Dein Kafka-Sonett der Serie bisher gelang, ist die Grundidee, in Anbetracht Deiner Fähigkeit als ehemaliger Lehrer, möglichst viele Autoren zu motivieren, unter Deinen Texten Kommentare zu hinterlassen, wenn's denn sein muss, von Dir aus auch einfach nur grauenvolle Sonette über bekannte Autoren und ihr Werk zu schreiben und dabei zu lesen, was den Kommentatoren diese Autoren und Bücher bedeuten, bestens. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du Dich immer wieder total freust, wenn jemandem Literatur wichtiger ist als Höflichkeit.
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Dieter Wal meinte dazu am 01.07.2020:
Auf der Suche nach Deschner, ach d e r Deschner, fand ich  diesen Link.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.07.2020:
@Dieter Wal: Zu deiner Pauschalierung über meine Sonette: Du hast die Gesellenprüfung in pubertärer Frechheit bestanden.
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AvaLiam
Kommentar von AvaLiam (30.06.2020)
Lieber Ekki,

auf diese Zeilen gehe ich mal anders ein, als sonst.

'Weihnachten irgendeines Jahres der letzten 15 Jahre. Wie immer traf sich unsere Patchwork-Familie am 27.12. zum Abschluss des Weihnachtsfestes in einer Gaststätte, die vorher getestet und ausgewählt von den Familienoberhäuptern.

So saßen wir also alle an der Familientafel, bestellten unser Essen und tauschten uns über die Zufriedenheit unserer Auswahl aus, die wie folgt aussah:

Gabi: "Oh, das sieht gut aus, das hätte ich mir auch bestellt."
Hartmut: "Nu, das ist schön bunt und das Gemüse knackig. Riechen tut es auch prima."
Simone: "Riechen? Das stinkt!"
Bernd: "Na ja, geht schon. Sieht nur zu gesund aus."
Martin hat das selbe Gemüse: wie Gabi
Martin: "Der Rosenkohl ist noch roh und die Schoten etwas zu weich. Aber gewürzt ist es gut."
Gabi: "Zuviel Salz. Ein paar Kräuter wären schön gewesen."
Katja mopst bei Gabi und Martin.
Katja: "Zuviel Salz? Gewürzt? Ich finde, das schmeckt nach gar nichts."
Traudel: "Ich hab was anderes. Ich bin zufrieden. Gut gewürzt, gut durch. Gut."
Andrea: "Wenigstens eine, der man es recht machen kann."
Xenia: "Wieso? Ich fin das Essen auch super."
Lysann: "Na ja. Es ist nicht frisch. Es ist aus der Tiefkühlung. Für das Geld hätte man was Frisches erwarten können."
Jens: "Ja. Das Essen ist zwar gut, aber es ist zu teuer, dafür, dass nicht alles frisch ist."

Diese kleine Geschichte als Antwort auf deine Zeilen.

Schön, dass du ihm diese Worte gewidmet hast. Leider gerät auch er wie viele andere immer mehr in Vergessenheit.

Liebe Grüße - Andrea
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Liebe Andrea, ich bin dir sehr dankibar, dass du diesen Dialog geschrieben hast, dessen Geschmacksurteile den gesamten Thread hier persiflieren. Es ist selbstverständlich erlaubt, zu jedem Autor Geschmacksurteile abzugeben. Aber sie sind nicht hilfreich, wenn die Frage lautet, ob Hermann Hesse den Nobelpreis zu Recht erhalten hat.. Ich muss mich wundern, wie hier einige ihren Lieblingrsautor gegen jede Kritk verteidigen, die als Schubladendenken verunglimpft wird.
Ich finde, dass er aufgrund einiger Werke, die ich in dem Sonett benenne, den Nobelpreis verdient hat. Aber deswegen muss man doch nicht auf jegrliche Kritik verzichten..
herzliche Grüße
Ekki
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AvaLiam meinte dazu am 30.06.2020:
Lieber Ekki,

natürlich soll Kritik erlaubt sein, ja, sogar erwünscht, eine Gegenüberstellung.

Dennoch finde ich solche Fragen heikel. Denn wer mag sich anmaßen, zu beurteilen, ob verdient oder nicht? Wer legt dafür maßgebliche und vor allem berechtigte Kriterien fest? Jede Norm wurde von jemanden ausgerufen. Wer sagt, dass der Ausrufende selbst der Norm entspricht, die ihn berechtigt, eine neue, eine andere, eine weitere Norm auszurufen?
Wir alle sind geprägt durch Regeln, Vorgaben, Dogmen, Erziehung und Erwartungen der Gesellschaft. Oft bekommen wir gar nicht mit, wie verstrickt wir mit Vorurteilen sind und berufen uns auf Vergleichswerte, die selbst natürlich nie objektiv und ausgewogen sind, auch wenn sie sich offiziell so verstehen.
Daher kann man dem Grunde nach die Frage gar nicht beantworten. Nur nach dem allgemein gültigen Maßstab eine Einschätzung treffen. Beantworten - wirklich mit JA oder NEIN abschließend eine Wertung zu treffen, kann man deine Frage nicht. Die gesetzten Maßstäbe dazu sind allzu menschlich und subjektiv.
Ich muss hier nicht erklären, dass alles was wir lesen, was wir sehen, schmecken oder anderweitig wahrnehmen - für den einen beispielsweise kitschig ist und für den anderen der Maßstab aller Dinge.
Wer also hier eine Antwort geben WILL, die da klar lautet: "Ja" , ist nicht mehr objektiv und maßt sich diese Beurteilung an, die fazitär nichts anderes sein kann, als eine eigene Meinung basierend auf Vorgaben, Erfahrungswerten und so weiter im Zusammenspiel der Anmaßung.
Und dass ich das jetzt so geschrieben habe, ist ebenfalls eine Anmaßung.
Normalerweise müsste man der eigentlichen Antwort voransetzen: "Ich denke...ich meine...ich finde..."
Streng genommen entspricht das aber auch nicht der ganzen Wahrheit - denn unsere Einschätzungen beruhen ja selten auf unserer eigenen Objektivität. Das tun nur "aus dem Bauch heraus"-Impulse. Und die wären bei so einer Frage denkbar schlecht als Ratgeber.
Zumindest in diesem Punkt dürfte sich nun eine Einigkeit aller Uneinigen finden.

Hach ja.
"Vieles von dem, was wir sehen, sehen wir nur, weil uns jemand gesagt hat, was wir sehen."

Ich liebe Philosophie. Sie führt nur leider mehr in die Irre, als dass sie Klarheit schafft.

Ich hoffe, du kannst mir diesen Ausflug in meine Gedanken verzeihen. Manchmal fällt es mir einfach schwer, mich zu beherrschen, da sprudelt es nur so heraus.

Wort klaubende Grüße - Andrea

Antwort geändert am 30.06.2020 um 13:05 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Liebe Andrea, die Nobelpreise vergibt ja ein Gremium, das sich nach längere Diskussion auf einen gemeinsamen Text der Beurteilung einigt. Das hat dazu geführt, dass die Fachwelt diese Preise hoch schätzt und dass man ihnen nur in wenigen Fällen widerspricht
Viele verstehen heute Demokratie so, dass sie ihre Urteile, die sie sich ohne Kompetenz anmaßen, nicht mehr begründen müssen. Ich habe die Begründungen für die Nobelpreise für Literatur immer als Eilande relativer Sachlichkeit in einem Meer von Geschwätzigkeit empfunden. Ich hoffe, dass das so bleibt. Damit dies möglich ist, müssen aber auch die Texte dieser Experten immer wieder kritisch befragt werden. Das schließt nicht aus, dass auch die Kritiker übers Ziel hinausschießen.. Der zeitliche Abstand zeigt in den meisten Fällen, wo die besseren Argumente liegen.
Vielen Dank für deine erneuten Denkanstöße
Ekki
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Ralf_Renkking meinte dazu am 03.07.2020:
Ich bin ja schon lange dafür, das Nobelpreise von KIs vergeben werden, dann hätten die vielleicht endlich auch mal eine Chance, selbst welche zu erhalten, ist klar, oder? 😂 Ciao, Frank
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susidie
Kommentar von susidie (30.06.2020)
Definitiv einer meiner Lieblingsautoren, der mich von frühester Jugend an begleitet hat. Ein ewig Suchender, der die Ambivalenz des Lebens in seinen verschiedenen Werken gut zum Ausdruck bringt. Siddharta gehört nach wie vor zu meinen Lieblingsbüchern. Für mich war und ist Hesse immer ein Autor der menschlichen Tiefe. Wer lieber an der Oberfläche dümpelt, kann sicher nicht so viel mit ihm anfangen. Für mich persönlich ist und bleibt er zeitlos. Und zu hoch gegriffen? Ein klares Nein.
Herzliche Grüße von Su
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Grazie, liebe Su, wenn du ein paar Zeilen nach oben gehst, siehst du, dass wir zu demselben Urteil kommen. Ich räume freilich ein, dass mir Hesses Lyrik wegen der abgeschmackten Reime bis auf wenige Ausnahmen nicht gefällt. Aber einige seiner philosophisch vielschichtigen Romane haben das Prädikat "Weltliteratur" auch aus meiner Sicht verdeint.
Herzliche Grüße
Ekki
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Didi.Costaire
Kommentar von Didi.Costaire (30.06.2020)
Oha Ekki, Hesse hatte wohl einen sehr eigenen Kopf und sein Wirken scheint in ein Sonett nicht so recht hineinzupassen.
Schöne Grüße,
Dirk
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Merci, Dirk, das Sonetthat jedenfalls bewirkt, dass eine Diskussion die in den Fünfziger Jahrenstecken geblieben war, wieder aufgenommen wird.
Schöne Grüße
Ekki
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Graeculus
Kommentar von Graeculus (30.06.2020)
Erstaunt bin ich, welche Leidenschaft des Für und Wider Hesse, auch als Dichter, noch zu entfachen vermag. "Ich bin nur Einer -" schrieb er selbst bescheiden:
Ich möchte wohl, wie große Dichter tun,
Einmal auf hellen, mühelosen Schwingen
Im Höhenglanz der reinen Schönheit ruhn
Und mit Genossen um die Palme ringen.
Allein ich weiß, ein solcher bin ich nicht,
Nicht einer, der mit lächelnden Gebärden
Sich helle Kränze um die Schläfe flicht
Und dessen Lieblingsträume Lieder werden.

Ich bin nur Einer, den von ferne her
Zuweilen fremd ein lichter Geist berührt,
Daß er erschrocken wie ein nahes Meer
Die ewige Schönheit gegenwärtig spürt,
Der manchmal staunend Lieder tönen hört,
Die ungewollt von seinen Lippen gleiten
Und deren keins ihm eigen zugehört
Und die ihm dennoch Seligkeit bereiten.

Da drückt Hesse doch sehr gut (und selbstkritisch) aus, was er ist und was nicht.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Vielen Dank, Graeculus. Man weiß, dass es ihm nicht an Selbstwertgefühl mangelte,. Aber er überschätzte sich auch nicht. Das machte ihn sympathisch.
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Kommentar von Regina (30.06.2020)
In den Siebzigern war Hesse bei Hippies, Indienfahrern und Friedensaktivisten beliebt. Die englische Siddharta-Übersetzung wurde für zeitgenössisch gehalten. Literatur meiner frühen Zwanziger. "Du glaubst wohl, dass du Siddharta bist?" kritisierte mein Vater meinen unrealistischen Lebensstil. Interessant finde ich auch den Vergleich von Gerhard Wehr zwischen H. Hesse und Rudolf Steiner, esoterische Zeitgenossen ohne Bezug zueinander. Hesse verachtete Steiner als beinharten Willensmenschen. Letzterer hielt Hesse evtl. für zu unbedeutend zu erwähnen. An beiden Autoren haben sich weltweit viele Menschen orientiert. Inhaltlich ist Hesse ein Träumer und Melancholiker. Er bewirkte beim Leser viel. Deswegen passt der Nobelpreis trotz stilistischer Bedenken. Aber es hätte ihn vllt. nicht interessiert, nachts am Feuer sitzen war wichtiger. LG Gina

Kommentar geändert am 30.06.2020 um 13:18 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
hallo Gina, dein kurzes Psychogramm zeugt von einer intensiven Kenntnis dieses Autors. ich halte es für sehr gut. Merci.
LG
Ekki
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AZU20
Kommentar von AZU20 (30.06.2020)
Lieber Ekki,

Hermann Hesse ist für mich nach wie vor jemand, den ich nicht verderben lasse. Ich bin immer wieder auf seinen Spuren gewandelt und das wird auch so bleiben. LG
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
danke, Armin, so soll es bleiben. Hesse hatte immer mehr Freunde als seine Kritiker es für möglich gehalten haben.
LG
Ekki
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AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (30.06.2020)
Lieber Ekki,
beim Lesen deines Sonetts sträubt sich mir das Haupthaar!
Hesse in Zusammenhang mit abegelutschten Reimereien zu nennen, finde ich grotesk. Er ist einer der ganz wenigen, der seine Gedichte vielfach überarbeitet und diese Überarbeitungen auch der Nachwelt überlassen hat.
Hieraus lässt sich eine kritische Selbstreflektion ableiten, die ich so manchem KaVau-User wünsche ...

Ein Beispiel:



Knarren eines geknickten Astes

Geknickter Ast, an Splittersträngen
Noch schaukelnd, ohne Laub noch Rinde,
ich seh ihn Jahr um Jahr so hängen,
sein Knarren klagt bei jedem Winde.

So knarrt und klagt es in den Knochen
von Menschen, die zu lang gelebt,
Man ist geknickt, noch nicht gebrochen,
Man knarrt, sobald ein Windhauch bebt,

Ich lausche deinem Liede lange,
Dem fasrig trocknen, alten Ast,
Verdrossen klingts und etwas bange,
Was du gleich mir zu knarren hast.


Dritte Fassung

Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
klingt trotzig, klingt heimlich bang
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.

08.08.1962 - Hesses letztes Geicht


Ich fand schon deine Mann-Auslegung recht kühn; Hesse indes schuldest du den notwendigen Respekt.

Es ist wohl der Nobelpreis selbst, der öfter einmal infrage gestellt werden kann.
Oder wie erklärst du dir, dass Giosuè Carducci den erhalten hat, obwohl der teilweise ganz grauenvolle Gedichte geschrieben hat?

Herzliche Grüße
der8.

Kommentar geändert am 30.06.2020 um 18:41 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Werte Picola,
ich erwarte von dir, dass du den Thread zu meinem Sonett liest.
Wenn du das getan hättest, wärest du nicht zu dem Urteil gekommen, dass ich ihm den notwendigen Respekt verweigere, denn ich sage ausdrücklich, dass er den Nobelpreis für seine Prosa (den Kitsch "Narziss und Goldmund" ausgenommen, bei dem sich mir die Haare sträuben) verdient hat, jedoch nicht für seine epigonale Lyrik und da erwähne ich außer Deschner Gewährsleute wie Ernst Robert Curtius, Robert Musil und Gottfried Benn. ich finde es geradezu rührend, dass du die dreifache Überarbeitung eines Gedichts durch Hesse als Ausweis für Qualität anführen willst. Wer von uns kleinen Lichtern und von großen Lyrikern überarbeitet seine Werke nicht mehrfach? Das ist doch selbstverständlich, Was willst du denn damit beweisen? A,lso::Iich mag Hermann Hesse, Er hat den Nobelpries verdient. Aber seine Lyrik ist epigronal.
Übrigens habe ich ein gutes Gedächtnis, meine Liebe .In dem Thread zu meinem Sonett auf Schiller verweist du auf ein paar missglückte lyrische Versuche des großen Friedrich. Die gab es, aber ich wäre deshalb nicht auf die Idee gekommen, dir fehlenden Respekt gegenüber Schiller zuzuschreiben,
Herzliche Grüße
Ekki
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Dieter Wal meinte dazu am 01.07.2020:
@Ekki: "Aber seine Lyrik ist epigronal." Ist sie nicht. Er hat nur ein seiner und unserer Zeit völlig entgegengesetztes Verständnis von Lyrik. Es ähnelt der chinesischen Lyrik. Dort geht es nicht um Neuerungen, hier hat er 0% entwickelt, sondern um möglichst lebendige, individuelle und eigenständige Erfüllung traditoneller Formen und Motive. Traditionsbrüche waren zumindest noch bis vor Jahrzehnten in chinesischer Lyrik streng verpönt. Zwar experimentierte Hesse auch mit Ver libre und leistete dabei viel, doch hatte er nicht das geringste Interesse, innovative Lyrik zu verfassen. Das ist nicht im Entferntesten epigonal, denn er erschuf mannigfache starke, eigenständige und unvergessliche Lyrik in traditionellen und modernistischen Formen.
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Dieter Wal meinte dazu am 01.07.2020:
Gottfried Benn war im Gegensatz zu Hesse ein absolut avantgardistischer Lyriker. Un-glaub-lich begabt.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.07.2020:
Lieber Dieter, icfh staune immer wieder über deine umfassende Bildung.. So eine Banause wie ich hat von chinesischer und japanischer Lyrik keine Ahnung. Sollte Hesse sich wirklich an deren Kunstideal orientiert haben , schreibt er von dir und ein paar Unikaten abgesehen außer Konkurrenz. Hierzulande gilt seit dem Sturm und Drang das Kunstideaal der Originalität und daran messe ich ihn. Weilte ich für längere3 Zeit in China würde ich mich der Mühe unterziehen, die Dichter dort an ihrem Kunstverständnis zu messen.
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Dieter Wal meinte dazu am 01.07.2020:
Hesse schrieb zahlreiche Rezensionen über Klassische Chinesische Literatur (auch über Lyrikanthologien Chin. Lyrik in Nachdichtungen), die bei Suhrkamp als Taschen-Bücher herausgegeben werden. Sie sind sehr informativ und super geschrieben.

Antwort geändert am 01.07.2020 um 18:10 Uhr


https://www.suhrkamp.de/buecher/die_welt_im_buch-hermann_hesse_2683.html

Antwort geändert am 02.07.2020 um 08:49 Uhr
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Dieter Wal meinte dazu am 02.07.2020:
Lieber Ekki,

hier der Link zu seinen Rezensionen. Sie sind einfach wundervoll. Viel Freude damit!

Dein
Dieter
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TassoTuwas
Kommentar von TassoTuwas (30.06.2020)
Hallo Ekki,
der Nobelpreis ist nicht die letzte Instanz für die Seligsprechung eines Schriftstellere, aber er ist gut für das Konto.
Hesse hat ganze Generationen in seinen Bann gezogen, bis in die heutigen Tage, und wird es auch noch weiterhin.
Das soll ihm erst mal einer nachmachen.
Herzliche Grüße
TT
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.06.2020:
Merci, deine Feststellung stimmt, mein Freund. Andernfalls hätte ich mein Sonett nicht geschrieben.
herzliche Grüße
Ekki

Antwort geändert am 30.06.2020 um 22:17 Uhr
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Jorge
Kommentar von Jorge (01.07.2020)
Mich begeistert nicht das Sonett, sondern das vielstimmige Nachklingen oft von mir geschätzter Autoren. Das macht diese Plattform für mich immer wieder interessant.
Auf dem Bücherberg meines Nachtschranks liegen fast zufällig:
"Mein Leben" von Marcel Reich-Ranicki und
"Erzählungen Band 2" von Herrmann Hesse.
Insbesondere "Siddhartha" und "Die Morgenlandfahrt" als Vorstufe seines Alterswerks ""Das Glasperlenspiel" haben mein ambivalentes Verständnis für Hesse verstärkt.
Fritz Hofmann schrieb bereits vor über 50 Jahren:
"Hesse hat die Wirkung seiner Bücher nie sehr hoch veranschlagt; immerhin sollen sie die Möglichkeit gewähren, den Gewissenszustand der Gesellschaft ablesbar zu machen.
Die Kunst gehört für ihn zu den Funktionen der Menschheit, die dafür sorgen, dass Menschlichkeit und Wahrheit fortbestehen."

Das sind doch zwei meiner vielen Bücher, die ich nicht ohne Grund gerade lese.
LG
Jorge
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.07.2020:
Vielen Dank, Jorge, das Zitat von fritz Hofmann über Hesse gefällt mir sehr.
LG
Ekki
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Al-Badri_Sigrun
Kommentar von Al-Badri_Sigrun (01.07.2020)
Lieber Ekki,

in deiner Überschrift stellst du eine Frage, die ich aus meiner Sicht klar verneine. Hermann Hesse war für mich einer der ganz großen Schriftsteller seiner Zeit, dessen Werke noch heute und wie ich meine, zu Recht, gerühmt werden.

In deinem Sonett gibst du andere Sichtweisen auf einige Werke Hermann Hesses kund.

Warum du im Kommentarstrang teilweise persönlich angegriffen wirst, ist mir ein Rätsel.

Herzliche Grüße
Sigi
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.07.2020:
Grazie, Sigi, , die die mich perswönlich angegriffren haben, betrachten jegliche Kritik an Hesse als Majestätsbeleidigrung, obwohl ich doch zu einer positiven Würdigung des Gesamtwerks von Hesse komme. Ich habe gelernt, solche Inkonsequenzen zu ertragen.
herzliche Grüße
Ekki
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Dieter Wal meinte dazu am 02.07.2020:
Ekki wird nirgends persönlich angegriffen, sondern sein Sonett wird zurecht als stilistisch mangelhaft kritisiert, ihr kritikresistenten Mimöschen (Letzteres war wirklich persönlich).

Antwort geändert am 02.07.2020 um 17:16 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.07.2020:
@ Dieter Wal: Es ist höchst unfair, meine Sonette über Autoren in Bausch und Bogen zu verwerfen, wenn sie keiner mehr vor Augen hat und die Pauschalierung überprüfen kann. Übrigens hast du zwei dieser Sonette zu deinen Lieblingstexten deklariert. Das hattest du vergessen. Aber mich wundert es nicht mehr; denn deine Meinungen zu Texten wechseln schneller als ein Chamäleon seine Farbe.
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Dieter Wal meinte dazu am 02.07.2020:
Dann heul doch, Ekki. Wenn hier jemand weniger will als Vollkommenheit, sollte er keine Lyrik schreiben. In meinen Augen ist Dein Kafka-Sonett vollkommen. Das ist vielleicht nicht allzu viel, doch es ist für sich schlicht die Erreichung des Ziels von Meisterschaft. Sicher gelangen Leuten wie Gryphius, von Kalckreuth, Trakl oder Heym mehrere meisterhafte. Vielleicht gibt es ja zwischen diesen und uns riesen Unterschiede? Wir sind keine Lyrik-Genies, sondern begabte Laien. Auch wenn Du zB eine hohe Kompetenz in deutscher Lyrik allein durch Herausgabe Deiner Anthologien deutscher Lyrik und Deinen Doktorgrad in Germanistik hast. Müssen wir uns deshalb auf Laienniveau kommentieren und Lob säuseln? Müssen wir nicht. Es macht weder Spaß, noch hat einen praktischen Nutzen, unkritisch zu kommentieren. kV ist für Literaturkritik da.

Antwort geändert am 03.07.2020 um 08:11 Uhr
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.07.2020:
Hallo Dieter ich wäre ein Narr, wenn ich auf deine Sophisterei ernsthaft antworten würde. Ich kann dir aber mit ein paar Aphorismen dienen:
Zum Wesen des Pottrwals: !, Ein Wal, der sich zu schlängeln versucht, wird kein Aal. 2. Wenn ein Pottwal Sprünge macht, spritzt es gewaltig. Spritzig sind sie nicht. 3, Ein Wal, der nach Vollkommenheit sucht, wird bestenfalls Walküre.
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Dieter Wal meinte dazu am 03.07.2020:
3.!

Antwort geändert am 03.07.2020 um 20:00 Uhr
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Mondscheinsonate
Kommentar von Mondscheinsonate (03.07.2020)
Über Hermann Hesse lasse ich niemals etwas kommen. Sehr interessant, der Briefwechsel zwischen Hesse und Mann, im Suhrkamp Verlag, falls es dich interessiert.
Ich mag deinen Text. Deswegen.
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.07.2020:
Merci, Mondscheinsonate. Diesser Briefwechsel gehört zu meinen Versäumten Lektionen. Deine Erinnerung wird dies bald beenden.
LG
Ekki
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Sätzer
Kommentar von Sätzer (03.07.2020)
Hesse war schon in meiner Jugend einer meiner Lieblingsautoren.
LG Sä
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.07.2020:
Danke, Uwe. Alle KV-Autoren mögen Hesse. So etwas ist selten.
LG
Ekki
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Walther
Kommentar von Walther (03.07.2020)
Hi Ekki,

Hesse, ja, Hesse. Als Prosaist bedeutend, als Poet weniger. Sagen wir es einmal so: Er hat, wie Musil, wie Benn und andere, viel vorausgelebt, was später kam und selbstverständlich wurde. Und das hat er literarisch veredelt. Und trotzdem blieb er ein Kind seiner Zeit, was ihn heute angreifbar macht (Frauenbild etc.).

Hat er den Nobelpreis verdient? Wir sollten diese Frage vlelleicht mit den Rahmenbedingungen der Zeit stellen, den Lebensläufen er damaligen Jury, dem, was damals an Auswahl auf dem Tisch lag. Ich meine, diese Frage kam man ex heute so gar nicht stellen. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.

Dein Sonett ist ebenso aufrüttelnd wie bedenkenswert, ebenso bedenklich wie gut gemeint. Ich bin mit der Intension glücklich, mit Form, Stil , Farbe, Inhalt aber weniger. Deine Reihe finde ich dankenswert. Laß Dich also nicht abhalten, damit fortzufahren.

Lieber Gruß Walther
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EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.07.2020:
lieber Walther, ich danke dir sehr für deinen in jeder Hinsicht gut durchdachten Kommentar. Besonders wichtig finde ich deinen Hinweis, dass man die Berechtigung der Vergabe des Nobelpreises historisch sehen muss.
Liebe Grüße
Ekki
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EkkehartMittelberg
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Veröffentlicht am 30.06.2020, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 30.06.2020). Textlänge: 776 Wörter; dieser Text wurde bereits 193 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 05.07.2020.
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